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Anforderungen und Qualitätswerte von Bekleidungsleder und Motorradbekleidungsleder

Bekleidungsleder und Lederbekleidung

Zur Herstellung von Bekleidungsleder wird eine größere Anzahl von verschiedenartigen Häuten und Fellen eingesetzt. Zu den Hauptarten gehören Ziegen- und Schaffelle und die nach den Ledereigenschaften den Übergang bildenden Haarschafe (auch als Bastarde oder Metis bezeichnet). Ziegenfelle weisen eine gleichmäßige und in sich stabile Struktur auf. Dadurch und durch den etwas festeren Narbenbereich - das Narbenkorn wurden diese Leder mehr für eine robustere Kleidung eingesetzt, es gilt als männliches Bekleidungsleder. Heute werden diese Felle, die im wesentlichen als Wet-blue-Leder gehandelt werden, sehr oft durch das Abtragen der Narbenschicht (Schleifen, Falzen, Spalten) im Endstadium der Lederherstellung weicher gemacht, dadurch ist der Einsatzbereich weiter geworden. Hier gilt, auch unter der Berücksichtigung der Grundfestigkeit des Ziegenfelles, dass die Eigenschaften und damit auch die Festigkeiten im größeren Maß von einer sachgerechten Lederdicke als von der Technologie der Lederherstellung bestimmt werden. Wird der Narben bis in die Randbereiche der Ziegenfelle entfernt und findet der Dickenausgleich in dem verbleibenden späteren Velourlederteil statt, dann werden die Randzonen zu den Bauch- und Flämenteilen in und unter den Grenzbereich der Lederfestigkeit verschoben. Hier kann es, wie auch bei einem Mittelspalt, beim Tragen oder auch beim Reinigen dieser Lederbekleidung zu einer Auffaserung kommen.

Diese Arbeitsgänge sind bei Schafledern, deren Papillarschichtanteil bis zu 60 % der Gesamtdicke ausmachen kann, aufgrund der stark rassenabhängigen, aber insgesamt auch weicheren Struktur besonders zu beachten. Es wird damit versucht, die Neigung zur Doppelhäutigkeit und Rippigkeit abzuschwächen, wenn der Narben mechanisch entfernt wird. Die Auswahl der zur Bekleidungslederherstellung eingesetzten Schaffelle ist sehr wichtig, da entsprechend des Zuchtzieles, das auf einen hohen Wollertrag abgestellt ist, die Qualität der Lederhaut Einbußen erfährt. Kann eine Rippigkeit auch noch während der Lederherstellung ausgeglichen werden, so wird sie doch bei Gebrauch und Lederreinigung wieder stärker hervortreten. Schaffelle werden meist als Pickelblößen gehandelt, während die Haarschafe, besonders aus dem ostindischen Raum, schon traditionell als Crust-EI-Leder in den Handel kommen. Die damit bereits vorliegende pflanzliche Gerbung bringt Schwierigkeiten in der Lichtechtheit der daraus hergestellten Leder mit sich. Trotz höherem Entgerbungs- und Chromnachgerbungsgrad wird es zweckmäßig sein, Brauntöne für die daraus hergestellten Leder zu bevorzugen.

Die Haut des Hausschweines weist über die Fläche und die Dicke hinweg gesehen eine grundsätzlich andere Struktur auf. Obwohl bei der Lederherstellung heute ein weitestgehender Ausgleich möglich ist, sollte bei der Verarbeitung der Leder der Übergang der einzelnen Hautbereiche streng beachtet werden. Rindhäute werden in starkem Maße zur Bekleidungslederherstellung eingesetzt. Die Dickeneinstellung erfolgt durch das Spalten im Blößenzustand. Die großflächigen Leder werden aufgrund ihrer insgesamt vorhandenen Stabilität und der damit erzielbaren Schutzwirkung auch zur Herstellung von Motorradfahrerbekleidung verwendet.

Während Schweinshäute und Rindspalte an die Herstellung von Velourleder als einziger Gebrauchsart gebunden sind, werden aus Ziegen- und Schaffellen sowie aus Rindhäuten sowohl sämtliche Arten an Glattleder als auch Velour erzeugt. Aus Kalbfellen können dazu noch, aufgrund der feinen Narbenstruktur, besonders hochwertige Nubukbekleidungsleder hergestellt werden. Bei den Wildfellen, wie Reh, Hirsch, Elch usw., wird heute neben der Sämischgerbung als der Hauptbearbeitungsart besonders bei Hirsch (aber auch bei Elch) eine Chromgerbung durchgeführt. Diese letztgenannten Leder werden stärker gefettet (bis zu 17 % Fettgehalt, bezogen auf wasserfreie Ledersubstanz). Sie haben besonders angenehme, weiche und volle Griffeigenschaften. Vergleichbar mit der Rolle der Büffelleder im Möbelbereich wird dem Verbraucher über das mit Naturmerkmalen behaftete Hirschleder die Natürlichkeit der Bekleidungslederoberfläche näher gebracht. Weitere, den Wildfellen zuzuordnende Tierhäute, wie z. B. vom Strauß, spielen nur eine ganz untergeordnete Rolle. Auch Pekarileder werden aufgrund der sehr oft vorhandenen Beschädigungen nur selten auf dem Bekleidungssektor eingesetzt, obwohl die Leder von der Struktur und den Griffeigenschaften her dazu gut geeignet wären.

Zur Prüfung der Bekleidungsleder sind von den Verbänden der deutschen Lederbekleidungsindustrie und der Deutschen Lederindustrie Qualitätswerte für die Anforderungen herausgegeben worden (Tabelle 27). Damit werden nur Gebrauchseigenschaften der normalen Bekleidung erfasst, nicht z. B. Motorradbekleidung, die infolge der stärkeren Strapazierung erweiterte Prüfungen erfordert. Weitere Angaben zu den Bekleidungsledern sind in Tabelle 28 enthalten.

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Die Tabelle befindet sich noch im Aufbau und / oder in der Aktualisierungsphase

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Tabelle 27: Beispiele von typischen Qualitätsanforderungen für Bekleidungsleder

Wesentliche PrüfungenZugerichtetes NappalederNappaleder Anilin
Velourleder
Nubukleder
Lammpelzfelle als
Velour
Nappalan
Prüfverfahren
HaftfestigkeitTrocken mind. 2,0 N/cm- keine -- keine -DIN EN ISO 11644 / IUF 470
ReibechtheitTrocken: mind. 3 bei 50 Touren

Nass: mind. 3 bei 20 Touren

Schweißlösung: mind. 3 bei 20 Touren
Trocken: mind. 3 bei 20 Touren

Nass: mind. 3 bei 10 Touren

Schweißlösung: mind. 3 bei 10 Touren
Trocken: mind. 3 bei 20 Touren

Nass: mind. 3 bei 10 Touren

Schweißlösung: mind. 3 bei 10 Touren
DIN EN ISO 11640
WeiterreißfestigkeitMind. 200 N/cm
Lamm mind. 150 N/cm
Mind. 150 N/cmMind. 150 N/cmDIN EN ISO 3377-1
LichtechtheitMind. Stufe 4Mind. Stufe 3Mind. Stufe 3DIN EN ISO 105-B02
WassertropfenechtheitEindringzeit in min. = mind. 10

Beurteilung = keine Flecke
Eindringzeit in min. = mind. 5

Beurteilung = keine Flecke
Eindringzeit in min. = mind. 5

Beurteilung = keine Flecke
DIN EN ISO 15700
Dauerfaltverhalten
Flexometer
50 000 Knickungen ohne RisseNappalan
20 000 Knickungen
DIN EN ISO 5402
pH-Wert Mind. 3,5Mind. 3,5Mind. 3,5DIN EN ISO 4045
Bedarfsprüfungen
Waschbarkeit% Flächenänderung = höchst. 3

Farbtonveränderung = höchst. 3

Griffveränderung = unverändert
DIN EN ISO 15703
Chemischreinigungsbeständigkeit% Flächenänderung = höchst. 3

Farbtonveränderung = höchst. 3-4

Griffveränderung = unverändert
% Flächenänderung = höchst. 3

Farbtonveränderung = höchst. 3-4

Griffveränderung = unverändert
% Flächenänderung = höchst. 3

Farbtonveränderung = höchst. 3-4

Griffveränderung = unverändert
DIN EN ISO 11643
ZugfestigkeitMind. 1200 N/cm²Mind. 1200 N/cm²Mind. 1200 N/cm²DIN EN ISO 3376

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Tabelle 28: Beispiel von der UNIDO empfohlene Qualitätsanforderungen

Möbel und Feinleder Bekleidungsleder
Zeug-Täschner-Möbelleder
AnforderungenVegetabilKom. gegerbtChrom gegerbtFeinleder vegetabilBekleidung ChromHandschuh ChromHandschuh AluminiumHutschweißleder vegetabil
Asche % höchst. 2,02,02,02,02,02,08,02,0
Cr2O3 % mindestens- kein -0,82,5- kein -2,52,5Al2O3 mind. 2,0- kein -
Fettgehalt % (fettende Substanzen)3-123-123-123-84-104-10Max. 103-8
Auswaschverlust % höchstens6,06,0- kein -6,0- kein -- kein -- kein -4,0
Durchgerbungszahl5030- kein -50- kein -- kein -- kein -50
pH-Wert Differenzzahl Wässriger Auszug (1:20) nicht unter 3,5 bei pH unter 4,0 Differenzzahl nicht über 0,70
Mind. Zugfestigkeit (kgf/cm²) daN/cm²250 > 2mm
100 < 2 mm
250 > 2mm
100 < 2 mm
250 > 2mm
100 < 2 mm
100100100100100
Max. Bruchdehnung in %50501005060Min. 50Mind. 5050
Mind. Stichausreißfestigkeit (kgf/cm) daN/cmÜber 2 mm 100
unter 2 mm 30
Über 2 mm 100
unter 2 mm 30
50- keine -256040- keine -
Wasseraufnahme %
Nach 5 Minuten Mind. 100
nach 2 Std.max. 50max. 50 Mind. 130
Mind. Weiterreißf. (kgf/cm) daN/cmÜber 2 mm 40
unter 2 mm 15
Über 2 mm 40
unter 2 mm 15
2010152525
Mind. Wasserdampfdurchlässigkeit mg/cm²- keine -- keine -- keine -- keine -Mind. 250- keine -- keine -- keine -

Lichtechtheit:

Durch die Chromgerbung, als wichtigste Gerbart der Bekleidungsleder, kann bei nachfolgend sachgerechter Auswahl eventueller Nachgerbstoffe und Fettstoffe ein lichtechter Lederuntergrund erzeugt werden. Jeder Einsatz von pflanzlichen Gerbstoffen, praktisch unabhängig von der Anwendungszeit (Vor- bis Nachgerbung), wird die Lichtechtheit verringern. Bei pflanzlich vorgegerbter Ware kommt noch hinzu, dass die Partien aus verschiedenartig gegerbten Ledern zusammengesetzt sein können, so dass, wenn keine weitgehende Entgerbung erfolgt, die Leder unterschiedlich auf eine spätere Lichteinwirkung reagieren können. Es treten deutliche Farbunterschiede zwischen einzelnen Zuschnitten beim Tragen der Kleidungsstücke auf.

Reibechtheitsprüfung:

Die Prüfung der Reibechtheit erfasst bevorzugt den Farbabrieb gegen den Prüffilz oder gegen eingesetzte Testgewebe. Damit wird aber auch auf den Rauledern vorhandener Schleifstaub mit abgerieben werden, der zusätzlich zu bewerten ist. Schleifstaub sollte auf Velourledern nicht in störendem Maße vorhanden sein, da bei einem Schleifen der Leder im nachgegerbten und zwischengetrockneten Zustand der Schleifstaub beim Wiederanfeuchten - dem Aufbroschieren - praktisch vollständig abgewaschen werden kann. Jede nachträgliche Behandlung der Velourleder nach der Färbung und Trocknung mit Schleifpapier wird, unabhängig vom Arbeitsgang, zu erneuter Schleifstaubbildung führen, der sich dann auch durch Entstaubungsmaschinen nicht mehr vollständig beseitigen lässt. Besonders Schafvelourleder, die im Bekleidungsbereich branchenüblich als Lammleder bezeichnet werden, geben dann noch nach längerer Gebrauchszeit Schleifstaub ab. Bei Ledern, die zu futterlosen Bekleidungsstücken verarbeitet werden sollen, empfiehlt es sich, wenn dunklere Farbtöne vorliegen, auch die Lederrückseite auf ihre Abriebeigenschaften zu untersuchen.

Benetzbarkeitsprüfung:

Die Benetzbarkeitsprüfung ist besonders bei Raulederarten und Anilinledern wichtig. Es sollten dabei zwei Zeiten angegeben werden, und zwar

  1. die Zeit bis zur Benetzung der Lederoberfläche (die Form des aufgesetzten Tropfens ändert sich, die Lederoberfläche wird durch die erste eingetretene Befeuchtung an dieser Stelle plötzlich dunkler),
  2. die Zeit bis zum vollständigen Eindringen des Wassertropfens, wie es in der Prüfvorschrift angegeben ist. Dazu sind auch Beschreibungen über die Farbe des Leders im feuchten Zustand zu machen und über das Aussehen des Leders nach dem Trocknen.

Leichte Trocknungsflecke auf Rauledern sollten durch schwaches Überbürsten mit einer normalen Kleiderbürste sofort und vollständig entfernbar sein. Penetrometerprüfungen, wie sie für zugerichtete Bekleidungsleder in technischen Lieferungsbedingungen benannt sind, werden im üblichen Oberbekleidungsbereich nicht durchgeführt.

Reinigungsprüfung:

Die Reinigungsprüfung sollte zu den normalen Untersuchungen von Bekleidungsleder gehören. Neue Ledertypen müssen während ihrer Entwicklung auch Reinigungstests unterworfen werden. Dabei ist nicht allein die Frage entscheidend, ob ein Leder beständig ist oder nicht, sondern es könnten von Anfang an bessere Hinweise für die spätere Aufarbeitung gegeben werden. Von großer Bedeutung ist dabei das Farbverhalten der Rau- und Anilinleder, da die auf dem Leder im Endeffekt sichtbare Farbe aus einem Zusammenspiel verschiedenster Faktoren entstanden ist. Wichtig ist dabei die Rolle der Fettstoffe im Leder sowie der den Oberflächenglanz erzeugenden Substanzen und selbstverständlich der Farbstoffe bzw. der gewählten Farbstoffmischung. Durch eine Entfettung, die während einer Reinigung immer eintritt, kann eine Färbung vergrauen. Der Grund dafür ist nicht in einem Farbstoffverlust zu suchen, da bei einer stärkeren Oberflächenauffettung meist die ursprüngliche Farbtiefe wieder erreicht wird. Ein Fettentzug kann auch den Farbton verändern, was sich z. B. bei Oliv-Färbungen besonders zeigt. Farbstoffe werden in geringerem Maße abgelöst, trotzdem können dadurch auch Farbumschläge am Leder sichtbar werden. Blau oder grün eingefärbte Leder, die in der Gerbung einen Anteil pflanzlicher Gerbstoffe erhielten, werden nach einer Lichteinwirkung, die die Farbe des pflanzlichen Gerbstoffes intensiviert hat, nach der Reinigung noch wesentlich brauner herauskommen. Dadurch kann sich der Reiniger veranlasst sehen, durch eine zusätzliche Oberflächenfärbung noch einen Farbausgleich zu schaffen, zu dem dann noch braune Farbeinstellungen der Spritzflotte verwendet werden. Trotz des unbestreitbaren Vorranges, den die modische Gestaltung beim Leder und der Bekleidungsherstellung hat, sollten doch die Reinigungsfragen immer mit behandelt werden. Die große Zahl der zur Reinigung gegebenen Lederbekleidungsstücke hat dazu geführt, dass viele Arbeitsverfahren der Reinigung aus der reinen Handarbeit immer mehr industriellen Verfahren angeglichen werden mussten, obwohl jedes Lederteil in den entscheidenden abschließenden Bearbeitungsgängen als Einzelstück gesehen und individuell zu behandeln ist. Auch die Lederzurichtung ist so aufzubauen, dass möglichst keine Veränderungen bei einer schonenden chemischen Reinigung erfolgen. Trotzdem muss die Zurichtung reparierbar sein, da oft verlangt wird, dass z. B. tragebedingte, mechanische Zerstörungen der Lederoberfläche im Rahmen der Reinigungsarbeiten ausgebessert werden.

Reinigung – chemische Reinigungsarbeiten:

Die Reinigung, die der RAL 068A - der Begriffsbestimmung der Chemisch-Reinigung (Trockenreinigung) von Bekleidungsleder, Lederbekleidung und abnehmbaren Lederbezügen - entsprechen muss, umfasst als Arbeitsgänge:

  • Vorprüfung
  • Vorsortierung
  • Vorarbeiten zur Lockerung des Schmutzes und der Flecken
  • Grundreinigung in der Reinigungsmaschine
  • Fetten
  • Egalisieren bzw. Auffärben
  • Hydrophobieren
  • mechanisches Aufarbeiten und Fassonieren.

Zur Grundreinigung werden organische Lösemittel eingesetzt, wobei sich die Auswahl nach der Lederart und/oder dem Verschmutzungsgrad des Kleidungsstückes richtet. Hauptreinigungsmittel ist das KWL Kohlenwasserstofflösungsmittel und das Perchloräthylen, das eine sehr gute Löse- und damit Reinigungskraft besitzt. Das Monofluortrichlormethan, auch als Lösemittel R 11 bezeichnet, hat ebenfalls eine gute Wirkung, während das Trifluortrichloräthan, als Lösemittel 113 bekannt, geringere Schmutzlösung zeigt.

Die entfettende Wirkung ist nach Wirtz bei den genannten Lösemitteln und auch bei Einsatz des früher verwendeten Benzins etwa gleich. Da aber die meisten Fettstoffe, die über den Lickerprozess während der Herstellung in das Leder eingebracht wurden, im Leder nicht wirklich gebunden sind, ist es mehr eine Frage der Lösekraft - auch der Polaritätskonkurrenz, welche Fettstoffanteile bevorzugt herausgelöst werden. Damit wird durch die Lösemittelauswahl doch der Ledercharakter des allein der Grundreinigung unterzogenen Leders beeinflusst. Bei der Bekleidungslederherstellung muss daher darauf geachtet werden, dass alle Prozessführungen, vom Äscher bis zur Gerbung, auf ein weiches Endprodukt eingestellt sind, so dass der Lickerfettung nur noch eine abrundende Aufgabe zukommt. Wird dagegen die Weichheit im wesentlichen durch die Fettung erzielt, dann ist ein zu hoher Einsatz später extrahierbarer Fettstoffe erforderlich. Jede Reinigung bringt aber neben dem Typenwechsel der Fettstoffe auch eine Entfettung mit sich. Diese ist durch eine verstärkte Auffettung in der Reinigung nicht mehr vollständig auszugleichen. Je stärker der Fettverlust eines Leders ist, um so größer ist auch die Gefahr des Einlaufens der Lederbekleidungsstücke. Dem Lösemittelbad werden zur sofort einsetzenden Rückfettung 15 bis 35 g/l Fettstoffe zugesetzt. Ein zusätzlicher Ausgleich erfolgt bei den Finisharbeiten der Reinigung durch eine Spritzfettung der Lederoberfläche auf der Puppe.

Zugerichtete Leder werden zur schonenden Behandlung in zunehmendem Umfang in einem dem Läuterverfahren angeglichenen Prozess gereinigt. Löst sich die Deckschicht ab, so muss eine ledertypgerechte Neuzurichtung erfolgen. Sind in einem Anilinlederbekleidungsstück auch nach der Reinigung noch nicht entfernbare Verfleckungen vorhanden, so werden auch diese Leder mit einer ausgleichenden Zurichtung zu versehen sein.

Besonders schwierig gestaltet sich die Auffettung von Bekleidungsstücken, bei denen das Leder fest mit Futtermaterialien (wattiert) abgesteppt ist oder wenn, wie bei Pelzvelourleder, die Haarseite voll erhalten ist. Werden dickere Futtermaterialien lederfern eingearbeitet, dann sollten diese leicht aus dem Kleidungsstück vor der Reinigung entfernbar und nach getrennter Behandlung wieder einzusetzen sein.

Bei der Konfektionierung verwendete Versteifungsmaterialien müssen vollständig reinigungsbeständig sein. Bei den Klebern ist zu entscheiden zwischen Typen, die in der Lederreinigung voll entfernbar sind und denen, die lösemittelbeständig sind. Auf keinen Fall dürfen die Klebstoffe aber bei richtiger Temperaturführung in der Reinigung anquellen. Sie wandern dann durch das Leder (meistens durch die Nahtlöcher) durch und verharzen auf der Oberfläche. Weiterhin sollten Klebstoffe durch die Reinigungsbehandlung nicht verhärten.

Besondere Reinigungsprüfungen müssen bei einer vorgesehenen Verarbeitung von Ledern mit Farbkontrasten zwischen den einzelnen Zuschnitten oder aber bei Einsatz von anderen Materialien in Kombination mit Leder vorgenommen werden.

Bekleidung für Motorradfahrer

Sie stellt in der Reihe der gesamten Bekleidungsleder einen besonderen Typ dar, an den verstärkte und vor allen Dingen auch zusätzliche Anforderungen zu stellen sind, Wie bereits erwähnt, werden auf diesem Spezialsektor fast ausschließlich Rindleder verwendet und in geringerem Umfang daneben Ziegen- und Känguruleder. Die Sicherheit, die ein derartiges Kleidungsstück dem Motorradfahrer bietet, kann sich bei einem Sturz nicht auf eine Stoßdämpfung gegen eventuelle Knochenbrüche beziehen. Das Leder wird aber aufgrund seiner Strukturfestigkeit und Dicke (1,3 bis 1,5 mm) einen weitestgehenden Schutz vor Schürfwunden bieten. Hier zeigt es sich besonders, dass das Dehnungsvermögen in der Anfangsphase des Kraft-Dehnungs-Diagrammes eine wichtige Rolle spielt. Stürzt ein Motorradfahrer auf den Straßenbelag, so wird das Leder bei der ersten Bodenberührung der Einwirkung einer sehr starken Kraft ausweichen, um dann beim Absinken der äußeren Beanspruchung seine volle Zugfestigkeit zu entfalten. Auch das längere Schleifen über einen rauen Straßenbelag wird vom Leder, ohne ein sofortiges Durchreiben, ausgehalten. Ein weiterer Sicherheitspunkt betrifft die Farbe des Leders, die ein schnelles Erkennen des Zweiradfahrers ermöglichen muss. An die Zurichtung dieser Leder sind im Hinblick auf den Nass- (100 Reibtouren), den Trocken- (500 Reibtouren) und den Schweißabrieb (50 Reibtouren) erhöhte Anforderungen zu stellen, an die sich noch Abriebbeanspruchungen mit speziellen Reinigungsmitteln anschließen sollten, um auf dem Leder vorhandene tote Insekten zu entfernen. Bei einer guten Haftfestigkeit am trockenen Leder sollte trotz einer Grundhydrophobierung auch die Haftfestigkeit des nassen Leders noch so gut sein, dass nicht sofort bei leichter reibender Beanspruchung ein Abschieben der Zurichtung auftritt.

Eine ebenso große Bedeutung wird der Lederhersteller auch den tragehygienischen Eigenschaften des Leders beimessen. Die mit der Motorradkombination vollständig eingekleideten Fahrer sind bei dem meist längeren Tragen der Bekleidung in starkem Maße auf einen guten Abtransport des Schweißes nach außen angewiesen. Auch bei der Auswahl einer Kombination spielt diese Frage eine wichtige Rolle. Da diese Leder in Abhängigkeit von der zugehörigen Motorradmarke sehr oft in verschiedenen Farben (zusätzlich mit Paspelierungen) verarbeitet werden, ist eine gute Reinigungsbeständigkeit der Zurichtung ebenfalls wichtig.


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