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Caseinfarben Kaseinfarben

Die Verwendung wässriger kolloider Lösungen von Eiweißstoffen als Appreturmittel für die Lederzurichtung legte es nahe, dass man die Pigmente mit den gleichen Produkten als Bindemittel vermischt. Um die erforderlichen Qualitätseigenschaften, z. B. Reinheit des Farbtons, Farbintensität, Glanz, Griff, Reibechtheit, zu erreichen, genügt es nicht, dass die Pigmente in die Eiweißlösung eingerührt werden. Sie müssen intensiv aufgeschlossen und feinstmöglich dispergiert werden. Dem Eiweißkörper kommt dabei neben der Funktion als Bindemittel eine sehr wichtige Wirkung als Dispergiermittel und Schutzkolloid zu. Am besten hat sich hierfür Casein bewährt. Es hat gegenüber dem aus Rinderblut gewonnenen Blutalbumin den Vorteil, dass es farblos bzw. sehr hellfarbig ist, gegenüber dem aus Hühnereiern gewonnenen Eialbumin und dem Blutalbumin, dass es nicht in der Hitze koaguliert und dass es weniger nässeempfindlich ist. Andere, für Appreturen gelegentlich mit herangezogene Eiweißstoffe, z. B. Leim oder Gelatine, sind für Lederdeckfarben praktisch ohne Bedeutung.

Casein wird durch Wasser angequollen und erweicht. Es ist aber in Wasser nicht löslich. Zur Herstellung wässriger Lösungen werden Alkalien in Form von Ammoniak, Borax, Soda oder zuweilen auch von Aminen verwendet. Ammoniakaufschluss des Caseins hat gegenüber den anderen nicht oder wenig flüchtigen Alkalien den Nachteil, dass Lager- und Transportfähigkeit in Ländern mit heißem Klima beeinträchtigt werden können, wenn nicht für kühle Lagerung Sorge getragen wird. Borax und Soda werden bei der für die Casein- Zurichtung üblichen Fixierung mit Formaldehyd nicht völlig unwirksam, so dass die Zurichtung weniger wasserfest fixiert werden kann. Der von Natur aus amphotere Charakter des Caseins wird durch den alkalischen Aufschluss zum Caseinat in eindeutig anionisches Verhalten der wässrigen Lösung übergeführt.

Caseinfarben werden in konzentrierter Form in den Handel gebracht. Sie werden für den gebrauchsfertigen Ansatz der Zurichtflotte mit den übrigen Zurichthilfsmitteln vermischt und mit Wasser verdünnt. Sie werden üblicherweise in viskoser Pastenform geliefert, können aber auch getrocknet und zu feinkörniger Pulverform gemahlen werden. Pulverfarben werden mit Wasser und Weichmacheröl in der Wärme angeteigt. Hierbei muss die Lösevorschrift des Farbenherstellers beachtet werden, um kurzfristige homogene Verteilung zu erzielen. Wegen einfacherer Weiterverarbeitung werden fast allgemein die Farbteige bevorzugt.

Casein trocknet zu einer weitgehend klaren, glänzenden Schicht auf, die ziemlich hart und wenig elastisch ist. Zur Plastifizierung enthalten Caseinfarben Weichmacher aus wasserlöslich gemachten, sulfatierten Ölen. Das hauptsächlich angewendete Weichmachungsmittel ist sulfatiertes Rizinusöl. Man kann hierfür das in der Textilfärberei eingesetzte Türkischrotöl verwenden. Vorteilhafter ist ein weniger intensiv sulfatiertes, aber noch klar wasserlösliches Öl. Es lässt besser nassreibechte Zurichtungen erreichen. Als Weichmacher bzw. als Schutzmittel gegen Verspröden des Caseins durch zu starkes Austrocknen sind hygroskopische Mittel geeignet, z. B. Glycerin oder Derivate des Äthylenglykols.

Als leicht verdauliche Eiweißsubstanz ist CaseinempfindIich gegen bakterielle Zersetzung. Caseinfarben müssen deshalb durch ein Konservierungsmittel geschützt werden. Zur Konservierung werden im allgemeinen Chlorierungsprodukte phenolischen Ursprungs herangezogen. Ihre Menge ist auf das vorliegende Deckfarbenkonzentrat abgestimmt. Die Schutzwirkung des Konservierungsmittels hängt nicht ausschließlich von der Relation zur Eiweißsubstanz, sondern zu einem erheblichen Teil auch von der absoluten Konzentration in der Flüssigkeit ab. Wenn eine sachgemäß konservierte Caseinfarbe zur gebrauchsfertigen Zurichtflotte verdünnt wird, dann kann Aufbewahren der Restflotte bei warmem Klima dazu führen, dass die verdünnte Farbe verstinkt. Der verdünnte Ansatz muss entweder kühl gelagert oder zusätzlich mit gelöstem Konservierungsmittel versetzt werden.

Caseinfarben können für die Lederzurichtung bei sehr vielen Zurichtarten angewendet werden. Sie können für Glanzstoß- und auch für Bügelzurichtungen eingesetzt werden, Sie sind mit Eiweiß- und mit Polymerisatbindemitteln verträglich und können für kombinierte Zurichtungen mit wasserverdünnbarer Grundierung und lösemittelverdünnbarer Effektfarbe, Appretur oder Lackierung dienen. Sie sind für gedeckte Zurichtung, als deckende Grundierung für Semianilin-Zurichtung und bei Anwendung geringerer Anteile lasierender organischer Pigmente auch für Anilinzurichtung geeignet. Caseinfarben sind viele Jahre lang der einzige Typ wasserverdünnbarer Lederdeckfarben gewesen. Sie haben entsprechend die Entwicklung des gesamten Systems der Lederzurichtung maßgebend beeinflusst. Dieser richtungweisende Einfluss erklärt, dass fast sämtliche wassermischbare Hilfsmittel für die Leder-Zurichtung auf den anionischen Charakter des alkalilöslichen Caseins abgestimmt sind. Dabei mag auch mitgewirkt haben, dass trotz der vielfältigen neueren Entwicklungen die stabilisierende Schutzkolloidwirkung des Caseins bisher nicht übertroffen worden ist.


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lederherstellung/zurichtung/caseinfarben_kaseinfarben.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)