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Auswirkungen der Wasserwerkstatt auf die Färbung

Der Hautaufschluss ist eine Komponente des schließlich resultierenden Bindevermögens oder, anders ausgedrückt, der Affinität des Leders zum Farbstoff. Herfeld konnte eine Steigerung der Bindungsfähigkeit für Farbstoffe durch einen sich an den Hauptäscher anschließenden einwöchigen Weißkalkäscher um 30%, durch einen dreiwöchigen Nachäscher um 65% nachweisen. Eine noch längere Weißkalkäscherung lässt das Bindevermögen für Farbstoffe wieder zurückgehen Voraussetzung für die optimale Erschließung der Haut durch den Äscher ist eine vollkommen gleichmäßige, durchgreifende Weiche. Ungenügend geweichte Leder sind mit unregelmäßigen Placken behaftet, die sich heller anfärben, oder sie zeigen nach der Färbung oft einen Graustich über die gesamte Oberfläche; als Velours sind schlecht geweichte Leder infolge vieler ungefärbter, sog. toter Fasern unansehnlich.

Es dient der Gleichmäßigkeit aller folgenden Prozesse, wenn nach der Schmutzweiche nicht nur eventuell anhaftender Dung entfernt, sondern auch die Fleischseite von allem Fleisch- und Fettbehang gesäubert wird. Diese Vorentfleischung ist auch das beste Mittel gegen den sich färberisch deutlich abzeichnenden Narbenzug aus dem Äscher und gegen die unregelmäßig dunklen Naturfettflecken von fetter Ware, z. B. in der Nierengegend. Andererseits weisen zu ausgiebig und zu lange geweichte Häute eine stärkere Markierung der Blutadern durch die Färbung auf. Die Extreme des Äschers - nämlich ungenügender Aufschluss und / oder Prallheit der Blöße - sind für die Färbung gleich ungünstig. Der Färber zieht deshalb einen länger dauernden Äscher mittlerer Schwellung einem kurzen, prallmachenden Äscher starker Schwellung vor. Denn die prallen Blößen lassen den Grund nur ungleichmäßig entfernen, und sie neigen verstärkt zu Narbenzug; der Aufschluss und damit die schließlich resultierende Affinität zu prall geäscherter Häute ist deutlich geringer, die Mastfalten zeichnen sich färberisch stärker ab; eine Durchfärbung, wenn sie verlangt wird, ist nach einem scharfen Äscher deutlich schwieriger. Dieselben negativen Folgen - mit Ausnahme der Ausprägung der Mastfalten und des Narbenzuges - zeigt eine für den optimalen Aufschluss nicht genügende, also zu schwache Äscherung. Eine weitere färberische Fehlerquelle der Wasserwerkstatt sind die sog Nubukierungen. Diese treten an zu praller Bloße vermehrt auf; meist sind Rauigkeiten im Faß, scharfkantige Kalkablagerung in demselben, zu starke Bewegung in der Endphase des Äschers, Sand im Betriebswasser oder im Kalkhydrat, aber auch Äschertemperaturen über 30°C oder haarlässige Rohware u. a. die Ursachen. Ein weiterer Färbefehler aus dem Äscher sind die sog. Kalkschatten, die durch längere Exposition der Blöße an der Luft entstehen. Sie zeichnen sich als helle Flecken bzw. Marmorierungen ab. Eine weitere Ursache sich hell ausfärbender Flecken ist die Verätzung der Blöße durch die direkte Berührung mit unverdünntem starken Alkali. Ganz ähnliche Unegalitäten entstehen, wenn bei einer Entkälkung im Kurzflottenverfahren Entkälkungsmittel verwendet werden, die schwer lösliche Kalksalze bilden. Oft entstehen auch an den dicken Stellen der Blöße Sulfidflecken, die besonders als Kupfersulfid hartnäckig sind. Enzymäscher ergeben gut färbbare Leder. Eine interessante Anwendung proteolytischer Enzyme ist der nachträgliche Aufschluss von Wet-blues und Pickelblößen, der oft eine überraschende Verbesserung färberisch unbefriedigender Ergebnisse einschlägiger Produktionen erreichen lässt. Oxidativ geäscherte Blößen sind makellos rein mit einem leichten Gelbstich. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens für die Färbung ist, dass durch den Oxidativäscher weitgehend das Naturfett abgebaut wird und dass bei vegetabilisch vorgegerbter Ware auch der Gerbstoff wegoxidiert wird. Am verbreitetsten wird aber Natriumchlorit im sog Bleichpickel eingesetzt. So ist es z. B. Möglich, die sehr hartnäckige Pigmentierung schwarzbunter Haute zu eliminieren und dadurch dieselben für hellere Töne zugänglich zu machen. Der Färber bevorzugt das Spalten nach dem Äscher wegen der größeren Egalität der folgenden Färbung, wegen der geringeren Zeichnung der Riefen und wegen der gleichmäßigeren Verteilung der Gerbstoffe im Schnitt und auf den Oberflächen des Leders.Dazu kommt die Möglichkeit, die Blößenspalte durch eine angepasstere Arbeitsweise zu einer besseren Veloursqualität zu verarbeiten. Auf der anderen Seite bringt das Spalten aus dem Chrom eine bessere Farbstoffausbeute für die Narbenseite, aber die Leder sind riefiger, unegaler in der Färbung und uneleganter in der Millbarkeit.

Vor der möglichst durchgreifenden Entkälkung muss ein wirkungsvolles warmes Waschen allen Schmutz und die versulzten Haare entfernen, um ein fleckiges Wiederaufziehen derselben zu verhindern. Unter keinen Umständen darf der Grund in der Entkälkung durch zu niedrige pH-Werte (unter 5) fixiert werden. Besonders im Kurzflottenverfahren müssen die entstehenden Kalksalze aus der Entkälkung gut löslich sein, wenn unegalen Färbungen vorgebeugt werden soll. Die anteilige Mitverwendung von Ammonsulfat oder Natriumbisulfit (Natriumhydrogensulfit) im Entkälkungsbad verhindert die Entstehung von Faßabdrücken aus übersättigten Gipslösungen, die sich färberisch abzeichnen.

Durch eine kräftige Beize nimmt die Bindungskapazität der Farbstoffe bis zu 50 % zu, eine Überbeizung führt allerdings zu Affinitätsverlusten. Nachdem die Haut Infolge der modernen Mastmethoden immer mehr Fett enthält und ungleichmäßige Fettverteilung ein häufiger Grund der Unegalität von Färbungen ist, sollte besonders bei der Herstellung von Anilinledern durch eine geeignete Naßentfettung nach der Beize zumindest eine Reinigung des Narbens und eine gleichmäßigere Verteilung des Naturfettes erreicht werden. Stark fetthaltige Rohwaren, wie Schaf und Schwein, sind im Hinblick auf die Färbung grundsätzlich zu entfetten.


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lederherstellung/faerbung/auswirkungen_der_wasserwerkstatt_auf_die_faerbung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:33 (Externe Bearbeitung)