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Untersuchungen über die Möglichkeit des Einsatzes der Farbmessung bei Leder aus dem Jahre 1995

E. Rein, T. Yaldir, H.-P. Germann, Westdeutsche Gerberschule Reutlingen

Die Abmusterung von naturell gefärbten Ledern, sogenannten Anilinledern, aber auch von zugerichteten Ledern geschieht auch heute noch in den meisten lederherstellenden Betrieben visuell. Der Färber oder Zurichter (Colorist) entscheidet dann, ob die Partie fertiggestellt werden kann oder eine Korrektur vorgenommen werden muss. Obgleich die Coloristen ein geübtes Auge und langjährige Erfahrung besitzen, besteht kein Zweifel daran, dass die visuelle Beurteilung von Farben, wie sie bei der Abmusterung erfolgt, mit Unsicherheiten behaftet ist. Sie ist subjektiv, so dass verschiedene Beobachter zu einer unterschiedlichen Bewertung eines Farbausfalls kommen können. Dies kann besonders zwischen Lieferanten und Abnehmer zu Unstimmigkeiten fuhren. Angesichts dieser Problematik soll im folgenden über die Möglichkeit der Systematisierbarkeit der Farbdifferenzen zwischen Vorlage und Partiemuster anhand der farbmetrisch bestimmten Werte und die Übereinstimmung der visuellen Abmusterung mit dem Graumaßstab überprüft werden.

The potential applications of colorimetry in the leather trade

The visual method is still used in most leather-producing factories matching-off „aniline“, i.e. naturally colored, leathers as well as dressed or finished leathers. The colorist then decides whether the lot can be prepared for shipment or still has to be corrected. Despite the prac-tised eye of the colorist and his extensive experience, there is no doubt that the visual evaluation of colours is a very unreliable method. It is subjective: the evaluation of a colour often varies depending on the colorist in Charge. This can result in dissensions between suppliers and their customers. In view of these problems, the following article discusses the possibilities of systemizing the differences in colour between the pattern to be matched and the sample of the production lot with the aid of colorimetry, and also the correspondence of visual matching-off with the Grey Scale.

Ziel dieser Untersuchungen war festzustellen, wie sich die Messwerte Z-Jinnerhalb einer bestimmten Toleranz, ausgedrückt in Farbabständen (Cielab-Einheiten), mit den visuell bewerteten Proben vergleichen lassen bzw. mit dem Cielab Farbunterschied des Graumaßstabes für die Bewertung der Änderung der Farbe in Einklang bringen lassen.

Die Untersuchungen wurden an verschiedenen Farbtönen (Braun, Grau und Bunttöne) auf Anilinleder vorgenommen. Außerdem wurden Rauhleder, ein auf der Fleischseite geschliffenes Veloursleder und ein auf der Narbenseite geschliffenes Nubukleder sowie zugerichtete Leder in die Untersuchungen mit einbezogen. Die visuelle Abmusterung erfolgte durch vier verschiedene Personen unter Normlicht D 65 im Abmusterungsgerät „Variolux„ (Original Hanau).

Die Bewertung erfolgte durch Vergleichen des Kontrastes zwischen den einzelnen Messpunkten innerhalb der Haut bzw. von Haut zu Haut mit den Stufen des Graumaßstabes. Für die sichere Bewertung wurde der Mittelwert über das Urteil von den Bewertern gebildet. Die Messungen wurden mit dem Spektralfotometer DC 3890 der Firma,“Datacolor„ durchgeführt.

Beleuchtung: Xenon-Blitzlampen, Messgeometrie: d/8°, Beobachter: 10°, Messblende 27, Messung mit Glanz.

Alle Messungen wurden von einer Person durchgeführt, so dass personenspezifische Messfehler ausgeschaltet waren. Von jeder Probe wurden an exakt festgelegten, gekennzeichneten Stellen aus den Bereichen Schild, Flanke, Kern und Hals vier Messungen durchgeführt. Bei Wiederholung der Messungen ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Diese Messpunkte wurden auch zur visuellen Beurteilung herangezogen. Die Messung im Schildbereich diente als Standard, gegen den die Cielab-Farbabstände DE der übrigen Messpunkte gemessen wurden.

An jeder Probe (Haut) erhielt man somit für DE je drei Einzelabstände. Diese Werte wurden mit den visuellen Werten des Graumaßstabes nach DIN 54002, ausgedrückt in Cielab-Einheiten der Graustüfen, verglichen. Damit konnte eine Aussage über die Farbabweichung (Farbegalität) innerhalb einer Haut getroffen werden.

Um eine Aussage über die Farbabweichung von Haut zu Haut zu erhalten, wurden die Farbabstandsmittelwerte der einzelnen Häute gebildet und gegen eine ausgewählte Standardhaut mit der größten Farbegalität verglichen.

Die Tabelle 1 zeigt die Übereinstimmungen innerhalb einer Haut zwischen dem visuellen und farbmetrischen Urteil. Die Differenzen sind bei Anilinledern größer wie bei den Rauhledern (Velours, Nubuk) und bei zugerichteten Ledern.

Beurteilt man die einzelnen Lederarten, so ergibt sich bei dem braunen Anilinleder im Bereich der Echtheitsnote 5-4,5 (DE 0,0-1,0) eine Übereinstimmung von 80,0%.

Bei Ausdehnung der Differenz auf eine Abweichung von einer dreiviertel Stufe (DE 1,0-1,4) erhöht sich der Wert auf 95,8%. Die Differenzen von einer Stufe (DE 1,4-2,0) bei 4,2% aller Werte ist auf eine Verschiebung in Richtung dunkel, trüb, blau zurückzuführen. Hier sind die Differenzen zwischen visuellen und farbmetrisch gemessenen Werten am größten.

Tabelle 1 und 2

Bei hellen Bunttönen, am Beispiel Gelb, ist im Bereich bis zu einer halben Stufe eine Übereinstimmung von 75,5%. Bei Ausdehnung auf eine dreiviertel Stufe 83,8%. 16,5% der Leder zeigen eine Abweichung von einer Stufe.

Bei Pastelltönen, z. B. einem hellen Grau, ist bis zu einer halben Stufe Abweichung nur eine Übereinstimmung von 36,5% vorhanden. Bei der Differenz bis zu einer dreiviertel Stufe 55,0%.

Der Bereich von ein bis zwei Stufen Unterschied ist mit insgesamt 45% enorm hoch.

Bei den Rauhledern sowie den zugerichteten Ledern ist eine hohe Übereinstimmung der Werte gegeben. Sie betragen bei bis zu einer viertel Stufe Differenz zwischen 83,5 und 92,8%. Bei Ausdehnung auf eine halbe Stufe zwischen 94,2 und 100%. Lediglich beim Veloursleder zeigen 2,9% der Leder eine Differenz bis zu einer Stufe.

Bei den Farbabweichungen von Haut zu Haut innerhalb einer Partie und von Paitie zu Partie sind generell etwas stärkere Differenzen vorhanden (Tabelle 2).

Bei Anilinleder in dunklen und mittleren Tönen ist bei einer Differenz bis zu einer halben Stufe eine Übereinstimmung von 62,7%. Im Bereich bis zu einer Stufe sind es 86,7%. Insgesamt 13,3% liegen im Bereich von eineinviertel bis zwei Stufen Abweichung.

Die hellen Bunttöne (Beispiel Gelb) haben im Bereich bis zu einer halben Stufe eine Übereinstimmung von 53,8%. Bei Ausdehnung auf eine Differenz von einer Stufe immerhin 90,3% Übereinstimmung. 9,7% liegen bei einer Abweichung von bis zu eineinviertel Stufen.

Bei Pastelltönen (z. B. bei einem hellen Grau) ist eine Übereinstimmung noch geringer. Nur 3,7% liegen innerhalb einer Differenz von einer viertel Stufe.

Im Bereich von einer halben bis einer dreiviertel Stufe befinden sich 43,1%, 29,3% der Leder weisen eine Differenz von einer Stufe auf. Die restlichen 23,9% haben Differenzen von eineinviertel bis zwei Stufen.

Ledern ist auch bei Vergleich von Haut zu Haut wieder eine bessere Übereinstimmung gegeben. Bei einer Differenz bis zu einer viertel Stufe sind es zwischen 73,9-83,3%. Bei Ausdehnung der Differenz bis zu einer halben Stufe sind es 88,1-93% aller Leder. Bei zugerichteten Ledern ist eine Übereinstimmung um so größer je gedeckter die Leder sind.

Trotz der Vorteile, die Messergebnisse bieten, ist es unbedingt erforderlich, eine visuelle Kontrolle durchzuführen, da die Korrelation der beiden Werte (Urteile) nicht optimal ist. Bei dunklen oder brillanten Farben sowie bei aufgerauhten Lederarten und zugerichteten Ledern ist die Übereinstimmung der visuellen und farbmetrisch gemessenen Werte gut, während bei hellen Lederfarben und Pastelltönen, wie hier an den Beispielen Gelb und Grau dargelegt, doch erhebliche Unterschiede bestehen. Die unter den Bedingungen gemessenen Werte zeigen, dass der Farbabstand ab DE 0,6-1,0 Cielab-Einheiten für das geschulte Auge auch visuell deutlich sichtbar sind, wobei bei der visuellen Beurteilung bei helleren Ledern, bereits geringere Farbabstände erkannt werden.

Die Autoren danken den Mitarbeitern der Materialprüfung für die Mitarbeit, insbesondere bei der visuellen Abmusterung. Dir besonderer Dank gilt dem Bundesministerium für Wirtschaft für die über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) zur Verfügung gestellten Fördermittel.

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Veröffentlichung:

E. Rein, T. Yaldir, H.-P. Germann, Untersuchungen über die Möglichkeit des Einsatzes der Farbmessung bei Leder, Leder + Häutemarkt 47, 11/1995, Nr. 23, S. 4-6


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