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Lederherstellung eine kurze Übersicht

Herstellung des Leders
Stefan Banaszak
Lederinstitut Gerberschule Reutlingen LGR

Für viele ist Leder nur ein Gebrauchsgegenstand der in fast allen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt wird. Neben dem Autopolster aus Leder, wird Leder noch am häufigsten im Taschen-, Bekleidung-, Schuh und im Möbelbereich eingesetzt. Tatsächlich aber wird jedem auffallen, daß Leder doch noch eine weit aus größere Rolle im täglichen Leben spielt als man eigentlich glaubt. Von der Geldbörse, Necessaire und Portefeuille, Aktenkoffer, Reisekoffer, Gürtel, Schuhe, Schuhsohlen und Stiefel, Bekleidung im modischen Sinn und für sportliche Aktivitäten, sowie für traditionelle Trachten, Handschuhe für Mode und Sport, Auto- und Möbelpolsterleder, Motorradbekleidung und Motorrad Accessoires, Buchbinder, Sattel, Berufstaschen, Orthopädie, Dichtungen, Transportbänder, Uhrenarmbänder, Jagd-, Hunde- und Reitsportartikel bis hin zu vielen Bereichen wo Leder als Applikation verwendet wird. Nachdem man sich vor Augen gehalten hat, in welchen unterschiedlichen Anwendungsbereichen Leder verwendet wird, und welche unterschiedlichen Anforderungen ein Leder zu erfüllen hat, stellt man sich die Frage, was Leder eigentlich ist. Klar, Leder wird aus tierischer Haut gewonnen. Aber wie würde wohl die richtige Definition lauten. G. Moog vom Lederinstitut Gerberschule Reutlingen hat einmal folgende Definition für den Begriff Leder aufgestellt.

Leder ist:
Leder ist ein Flächenwerkstoff aus tierischer Haut,
die durch chemische Behandlung
und mechanische Bearbeitung
unter Erhalt der natürlichen Faserstruktur
gezielt neue Eigenschaften erhielt.
  1. Temperaturbeständigkeit
  2. Fäulnisbeständigkeit
  3. Bleibende Weichheit

G. Moog

Die vielen Anforderungen an das Produkt Leder könnte die natürliche lebende Haut nicht unbedingt erfüllen. Wenn man sich am Beispiel des Sohlenleder und des Handschuhleder die unterschiedlichen Gebrauchseigenschaften ansieht, wird schnell klar, daß ein Sohlenleder sehr dick und von harter standiger Natur sein muß, während ein Handschuhleder weich und geschmeidig, sowie dehnfähig sein muß.

Die Gerber, die das Abfallprodukt Haut der Fleischindustrie verwerten, müssen gezielt die Eigenschaften des herzustellenden Ledertyps einstellen. Wenn man sich vorstellen würde, daß kein Gerber mehr den minderwertigen Rest des Fleischviehs Haut zu hochwertigen Leder verarbeitet, wäre das Abfallprodukt Haut das weltweit größte Abfallproblem. Die Gerber verwerten und veredeln nicht nur das Abfallprodukt Haut, sondern Sie setzen sich auch aktiv für den Tierschutz und Tierpflege ein. Am Fleisch des Tieres erkennt man nicht unbedingt ob das Tier sauber und mit der nötigen Sorgfalt gehalten und gepflegt wurde. Der Gerber aber sieht an der Haut des Tieres sofort Pflege und Behandlung. Er hat ein direktes und klares Interesse an einer guten gepflegten, schädlingsfreien und makellosen Haut, die er sonst nicht ausreichend veredeln und an die Lederverarbeiter veräußern könnte. Die Verwertung der tierischen Haut, und die Lösung des Abfallproblems der verderblichen Haut, beschäftigt die Menschheit schon seit vielen tausend Jahren. Der wahrscheinlich älteste Fund von Leder und einer Gerberei stammt aus Ägypten und ist ca. 7000 Jahre alt. Wahrscheinlich wurde aber die erste Verwertung von Haut zu Leder bereits vor ca. 300.000 Jahren durchgeführt. Noch vor der Erfindung des Feuers.

Generell ist es möglich fast jede Haut zu gerben, wobei hier in Europa vorwiegend die Häute von Rind, Kalb, Ziege und Schaf verarbeitet werden. Als Importware werden die bereits gegerbten Häute vom Schwein und Büffel sowie von nicht artgeschützten Exoten zur Endveredelung verwendet.

gesalzene Rinderhäute im Lager

Wenn die Häute vom Schlachthof beim Gerber eintreffen, muß dieser die Rohhäute so schnell wie möglich bearbeiten, um die noch verderbliche und nicht konservierte Haut vor Fäulnis zu schützen. Um die rohen Häute lagerfähig zu machen kann man diese auch einsalzen. Der Gerber verwendet waschmaschinenartige rotierende Trommeln, bzw. Fässer oder bottichartige Haspeln für seine chemischen Naßprozesse.

Gerbfass mit Glasscheibe

Nach dem Waschen der Haut, der Weiche, wo Schmutz, Dung, Blut und evtl. Salz der Konservierung gelöst wird, werden die Haare im Äscher entfernt. Nach der Enthaarung muß das Unterhautbindegewebe (Fleisch und Fett) durch das Entfleischen mechanisch abgeschabt werden. Dickere Großviehhäute kann man horizontal in zwei Teile flächenmäßig spalten. So daß der obenliegende Teil der Haut, der Narbenspalt für hochwertige Leder, und der untere Fleischspalt für minderwertige Leder verwendet werden kann. Die Dicke der Haut kann gemäß der zu produzierenden Lederart millimetergenau eingestellt werden. Weil im Äscher die Häute mit alkalischen Lösungen (z.B. Kalk) behandelt werden, folgt danach das Entkälken zur Entfernung der alkalischen Lösung. Zur Vorbereitung der Gerbung ist das Pickeln notwendig. Hier wird die Haut mit einer sauren Lösung auf die folgende Gerbung vorbereitet. Die Gerbung wird üblicherweise mit mineralischen gerbfähigen Salzen oder mit pflanzlichen, vegetabilen Gerbstoffextrakten, z.B. bestimmten Akazien, durchgeführt. Der nächste Arbeitsschritt ist das Abwelken wobei dem nassen Leder ein Teil des Wassers abgepreßt wird, um das Falzen, zu ermöglichen. Das Falzen kommt einem Hobeln gleich, wobei das Leder beim falzen zehntelgenau in seiner Dicke eingestellt werden kann. Das anschließende Neutralisieren bereitet die Leder auf die weiteren Arbeitsschritte vor. Die Nachgerbung, Färbung und Fettung verleiht dem Leder die gewünschten Eigenschaften, wie z.B. das farbliche Aussehen und die Weichheit. Nach dem Trocknen kommt das Leder zum Stollen, wobei die angestrebte Weichheit mechanisch erreicht wird. Die nachfolgende Zurichtung beschreibt nur die Oberflächenbehandlung, bzw. Oberflächenveredelung, der Lederoberseite. Mit Spritzmaschinen oder Druckmaschinen kann dem Leder eine Farbschicht und Schutzschicht gegen äußere Einflüsse appliziert werden. Das Bügeln am Ende erhöht den Glanz und glättet das Leder.

Schematische Darstellung der einzelnen Arbeitsschritte

(Bild: Bayer AG)


Veröffentlichung:

Stefan Banaszak, Lederherstellung eine kurze Übersicht, Interview mit motorradonline.de.


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veroeffentlichungen/lederherstellung_-_eine_kurze_uebersicht.txt · Zuletzt geändert: 2019/04/24 21:04 von admin