Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Herzlichen Dank für die vielen Spenden zur Weiterentwicklung von Lederpedia! Bitte klicken Sie hier für eine Spende
veroeffentlichungen:eiche_zunft_und_tradition

Eiche - Zunft und Tradition

Eiche - Zunft und Tradition

Es muß wohl an der Ausstrahlung der alten knorrigen Eichen liegen, daß diesen gewaltigen Bäumen im Volksmund besondere Kräfte zugewiesen werden. Gauner oder Liebespärchen aber auch Hexen und Magier trafen sich in vielen Märchen und Sagen bei den Eichen. Besonders um Mitternacht und bei Vollmond scheinen die Eichen eine sonderbare Wirkung zu haben.

Auffällig ist es schon, daß man an den Stämmen vieler alter Eichen geritzte Herzen mit den Anfangsbuchstaben der Pärchen und dem Datum der feierlich stattgefunden Schnitzarbeit findet. Die Eichen stehen für die Zeichen der Liebe, des Bösen, des Unheimlichen und Unbekannten zugleich. Besonders aber setzen die Eichen im wirklichen Leben ein unverwechselbares Zeichen für Mut, Herrschaft, Teamgeist, Qualität und besondere Leistungen. Ob Goethe oder Shakespeare, immer sind es Herrscher oder Jünglinge die den Eichenkranz als Zeichen des Höchsten auf das Haupt gesetzt bekommen. Auch Caesar Feldherr und Diktator, hat auf vielen (Statuen und Münzen) einen Eichenkranz als Symbol des „Retters“ auf seinem Kopf. Das Symbol des Retters entspricht wahrscheinlich in Form und Bedeutung der Dornenkrone des Heilands Jesus Christus. Kaiser Augustus hat 27 v. Chr., zum Dank für die Rettung der Römer aus dem Chaos des Bürgerkrieges den Eichenkranz, die corona civica (Bürgerkrone), verliehen bekommen.

corona civica Bürgerkrone

Den Eichenkranz als Symbol in militärischen und zivilen Abzeichen sieht man bis in die heutige Zeit. Als Zeichen für mutige, tapfere und starke Leistungen schmückten diverse Abzeichen mit dem Eichenlaub oder Eichenkranz Soldaten und Sportler. Sogar die Gewerkschaft IG Chemie / Papier / Keramik hat ein ovales Abzeichen mit goldenem Eichenkranz und Gewerkschafts Emblem als goldene Mitgliedsnadel. Der Eichenkranz als Zeichen für Deutschtum und Qualität spiegelt auch das alte Deutsche 50 Pfennig Stück wieder, beidseitig mit Eichenkranz, einmal mit Adler und einmal mit 50 Pfennig Prägung. Der Eichenkranz als Grabschmuck hat heutzutage bei Kranzniederlegungen für Kriegstote, bzw. Heldenverehrungen einen symbolischen Charakter der Verehrung und Tapferkeit. Statthaft dafür ist die Traubeneiche, Stieleiche und die Amerikanische Eiche.

In der Bundesrepublik Deutschland, sowie auch in anderen europäischen Ländern stehen die Eichenkränze oder das Eichenlaub in vielen Wappen oder Fahnen von studentischen Verbindungen für ein einheitliches traditionelles Deutschtum sowie für Eintracht und Bürgersinn. Nicht nur studentische Verbindungen haben solche Symbole in Ihren Wappen oder Fahnen, sondern auch Bürger- und Schützenkorps, Gesangvereine, Sportvereine, Schützenvereine, Trachtenvereine, Heimatvereine, Kleingärtner, Naturschutzvereine, Wandervereine und Ortsgruppen.

50 Pfennig

Fahne mit Eichenkranz

Bürgerwehr

Während der blühenden Zeiten der Zünfte war der Eichenkranz oder das Eichenlaub ein oft verwendetes Symbol der Zunftwappen oder Zunftzeichen der Gerber. Es war das Symbol der Lohe, die als wertvolles Gerbmittel diente. Vor allem aber die Rotgerber, die mit Lohe, also mit gemahlenen Rinden der Eichen gerbten, hatten fast alle in Ihren Wappen oder Zeichen Eichenlaub oder Eichenkranz.

Wandkachel / Wandteller mit Gerberwappen und Eichenlaub

In vielen Gerberwappen sind oft unterschiedliche Handwerkzeuge abgebildet. Besonders oft sieht man Schlichtmond, Streicheisen und Falzeisen. Die Form mancher Wappenschilder erinnert sehr an die Umrisse einer Tierhaut. Die sehr oft verwendeten Abbildungen von Eichenlaub und Eichenkranz sollte nicht nur die Gerbart darstellen, sondern auch ein Zeichen für Qualität und besonderem Handwerk sein. Insbesondere die Altgrubengerber kreierten oft eigene Lederstempel womit jedes gefertigte Sohlleder gestempelt wurde. Auf diese Weise konnte der Kunde erkennen von welchem Gerber das Leder stammte, oder wie es gegerbt wurde.

Auch Markennamen etablierten sich auf diese Weise rasch.

Lederstempel

Das letzte Zeichen zur Erhaltung von Tradition und Fachkenntnis ist bei den Gerbern das Vereinsleben. Viele Gerber, die in der ehemaligen Gerberstadt am Lederinstitut Gerberschule Reutlingen studieren, oder in ehemaligen Gerberschulen Deutschlands und im Ausland studiert haben, sind Mitglieder des Verein Eichenkranz e.V.. Im Vereinswappen sind neben Gerberwerkzeugen auch ein Eichenkranz enthalten. Der im Wappen dargestellte Eichenkranz symbolisiert den Zusammenhalt im Kreis der mit dem Gerbstoff der Eichen arbeitenden Gerber, ihre Hoffnung auf Wachstum und ihre Achtung und Abhängigkeit von den natürlichen Ressourcen. Die Bedeutung des Eichenkranzes im Wappen bezieht sich außerdem auf die Qualität der Leder und die Ausbildung der Gerber.

Das Vereinswappen des Verein Eichenkranz e.V.

Der Verein , der als Freundeskreis und Förderverein des Lederinstitutes Gerberschule Reutlingen e. V. in das Vereinsregister eingetragen ist, fördert vor allem die Studenten des Lehr-, Prüf- und Forschungsinstitutes. Unterstützt wird er hauptsächlich durch seine ca. 240 Mitglieder die international verstreut sind und in der Regel selber einmal Studenten waren. Neben der deutschen Lederindustrie und dem Leder- und Häutehandel, wird der Verein auch sehr stark von der chemischen Industrie unterstützt. Auch die Industrie in Österreich, Schweiz, Holland, Italien etc. ist bereits, wenn auch noch im kleinen Umfang, ein unterstützender Partner des Vereins. Der Verein Eichenkranz wurde gegründet, um gemeinschaftlich Probleme in der Lederindustrie, gesellschaftliche Probleme und Probleme im studentischen Leben zu diskutieren und zu lösen. Der Verein soll alle Studierenden und alle im Berufsleben stehenden zusammenbringen. Mitglieder und Gäste mit Erfahrung sollen denen, die noch keine Erfahrung haben, lebensnahe Erfahrungen übermitteln. Außerdem hat der Verein die Aufgabe, alle Studenten aus allen damaligen deutschen Gerberschulen zusammenzuführen. Der Verein ist offen für alle Gerber, Techniker, Gesellen, Gerbermeister, Arbeiter, Freunde und Bekannte und allen die mit dem Leder in irgend einer Form etwas zu tun haben. Der Verein soll Studenten finanziell unterstützen und bei der Stellensuche behilflich sein. Exkursionen und Stiftungsfeste, sowie Betriebsbesichtigungen und Fachvorträge sind, neben der finanziellen Unterstützung der Gerberschule Reutlingen, regelmäßige Aktivitäten. Die traditionelle Reutlinger Gerbertaufe und die Gerberrallye sind regelmäßige öffentliche Veranstaltungen. Ganz besonders stolz ist der Verein auf seine internationalen Mitglieder,und vor allem auf seine aktiven Studenten, die teilweise aus bis zu 12 verschiedenen Ländern stammen und im Verein zusammengeführt werden.

Sprüche und Gedichte mit Eichenrinde (Lohe)

-Der Lederer
Die Häut, die häng ich in den Bach,
Werf in den Äscher sie darnach,
dergleich die Kalbfell ebenso;
darnach werf ich sie in das Loh,
Wo sie ihr Ruh ein Zeit erlangen;
Darnach häng ich sie auf Stangen,
Wisch darnach ab mit ein’m Haarwisch
Und habs feil auf dem Leder - Tisch.
Hans Sachs (1568)
- Die Sohlhäute läßt man weichen,
dann werden sie gestreckt
hierauf gibt man den Pickel
und in die Schwitz gesteckt,
geböhlt, geschoren, geschwellt,
Drei Jahre dann im Loh,
ist die Zeit verflossen,
dann ist der Meister froh
Nach Bergel
- Wir alle gleichen sehr dem Leder,
Gesalzen wird vom Schicksal jeder.
Und wills uns manchmal auch nicht passen,
Wir müssen tüchtig Haare lassen.

Und daß der Mensch zum Leben tauge,
Kommt oftmals er in bittre Lauge.
Gar wenig wird des Lichts er frohe
Denn öfters kommt die scharfe Lohe.
Die ziemlich uns am Felle ätzt.
Man wird, und wills nicht, oft versetzt!

Wir können meistens nicht begreifen,
Im Grubendunkel muß man reifen,
Bis Fehler, Flausen, Irrtum sterben,
So lange heißt es: gerben, gerben !

Dann endlich für des Daseins Rest
ist unsre Faser hart und fest,
Voll Widerstand in den Geweben,
dank unserm Gerbermeister - Leben.
mündliche Überlieferung

- Wie hatten’s doch in altvergangenen Zeiten
Die Gerber herrlich hier auf dieser Welt,
Es fehlte nicht an Lohe, nicht an Häuten
Und nicht an Kunden und auch nicht an Geld.
Verfasser unbekannt (1891)

Volkssprüche

- Der Gerber meint, die Eichbäume wüchsen nur der Rinde wegen.

- Zeit und Loh
Machen den Gerber froh.

- Zeit und loh macht Leder.

- Ein Gerber, der lohe und Fett will sparen,
kann nicht in der Kutsche fahren.


Kategorien:

Quellenangabe:

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
veroeffentlichungen/eiche_zunft_und_tradition.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 11:59 (Externe Bearbeitung)