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Prüfung der Beständigkeit von Lederzurichtungen gegen die Einwirkung von Lösungsmitteln

Lederzurichtungen können unter Einwirkung von Lösungsmitteln, die auf der nicht zugerichteten Lederseite einwirken und die durch das Leder hindurchdringen können, anquellen oder erweichen. Sie werden dadurch bei der Bearbeitung des Leders in lösungsmittelfeuchtem Zustand empfindlich und schmieren ab. Solche nachteiligen Veränderungen können beim Bestreichen der Lederrückseite mit Iösungsmittelhaltigen Klebstofflösungen ebenso auftreten wie beim Einlegen von Steifkappen, die durch Eintauchen in Lösungsmittel erweicht und formbar gemacht wurden. Als Lösungsmittel, die sich auf die Zurichtung nachteilig auswirken, kommen in erster Linie Ester, Ketone und chlorierte Kohlenwasserstoffe in Betracht. Als typische Vertreter werden für diese Prüfung Aceton und Trichloräthylen herangezogen.

Für die Prüfung lässt man aus einer Bürette 1 ml des Lösungsmittels in etwa 30 s auf die nicht zugerichtete (Fleisch-)Seite des Leders auftropfen. Man dreht das Leder um und lässt es zum Durchziehen des Lösungsmittels 1 min mit der zugerichteten Seite nach oben bei Raumtemperatur liegen. Anschließend wird die zugerichtete Fläche im Reibechtheitsprüfgerät gerieben und auf Beschädigung der Deckschicht geprüft.

Ein weiteres Reibechtheitsprüfgerät, das ebenfalls mit einem Prüfkörper aus Filz arbeitet, ist das SATRA-Gerät STM 102. Dabei wird unter einer Belastung von 2,45 kg für die Trocken- und 0,72 kg für die Nassprüfung eine runde Filzscheibe (Durchmesser 25 mm, Dicke 5 mm) auf die Lederoberfläche aufgesetzt und über einen Motorantrieb mit (150 ± 5) min-1 gedreht. Die Veränderung der Lederoberfläche des Prüfkörpers (Durchmesser etwa 55 mm) bzw. der Lederzurichtungen werden dabei nach einer ansteigenden Reihe (5,10,25,50,100,250,500. . .) oder nach vorgegebenen Umdrehungszahlen untersucht. Schwierigkeiten traten bei dieser Prüfung, die nur auf einer Stelle des Probekörpers ausgeübt wird, vor allem durch die entstehende Reibungswärme auf. Dies hat zu der Entwicklung des Automatic Finish Rub Fastness Testers STM 103 geführt, bei dem sich die Reibelemente in regelmäßigen Zeitabständen automatisch von der Oberfläche des Probekörpers abheben, so dass eine Abkühlung stattfinden kann. Diese wird noch dadurch verstärkt, dass die Reibfläche während dieser Zeit mit einem Luftstrom gekühlt wird.

Ein einfaches Handgerät, das dem Crockmeter nach DIN 54021 in seiner Wirkungsweise entspricht, ist der Reibechtheitstester nach Krais. Dieses Gerät (Abb. 82) arbeitet ebenfalls (wie der VESLIC-Tester) mit einer Belastung von 1 kg bei einem Reibweg von 100 mm. Die Probekörper der Größe 150 mm x 30 mm werden von Hand leicht gespannt und mit einem Gummi an der gegen den feststehenden Stempel bewegbaren Unterlage befestigt. Als Testmaterial wird hier weißes Baumwollgewebe eingesetzt oder aber das gefärbte, blaue Baumwollgewebe zum Testen heller Leder. Die Gewebestreifen haben eine Größe von 40 mm x 20 mm. Sie werden mit einem Gummiring über der mit Gummi belegten Prüffläche, die einen Durchmesser von (16 ± 1) mm aufweist, befestigt. Die Dauer für eine Reibbewegung hin und her sollte etwa 1 Sekunde betragen.

Die Auswertung der Prüfstreifen erfolgt mit dem Graumaßstab, wobei die angefeuchteten Streifen zuvor trocken sein müssen. Es ist auch der Zustand der Lederoberfläche nach der Prüfung zu beschreiben.

Abb. 82: Reibechtheitsprüfgerät nach Krais

Besonders bei der Prüfung von Bekleidungsleder, das eventuell ohne Futter zum direkten Tragen auf der menschlichen Haut verarbeitet wird, empfiehlt es sich, auch andere Gewebematerialien, wie z. B. Polyamide, zum Test der Lederrückseite einzusetzen. Dabei zeigt es sich, ob auch diese Textilmaterialien, aus denen bevorzugt Unterwäsche hergestellt wird, keine Anfärbungen durch die Lederfarbstoffe erfahren. Auch textile Mischgewebe können hier verwendet werden. Es ist ebenso möglich, das Testgewebe mit Wasser oder aber mit der alkalischen Schweißlösung nach Grassmann anzufeuchten.


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lederpruefung_lederbeurteilung/pruefung_der_bestaendigkeit_von_lederzurichtungen_gegen_die_einwirkung_von_loesungsmitteln.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 12:00 (Externe Bearbeitung)