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Anforderungen und Qualitätswerte von Technischen Lederarten

Technische Leder:

Bei einer Zusammenfassung der hier in Frage kommenden Leder muss eine Einteilung nach den Einsatzgebieten erfolgen. Die Riemenleder werden aus besonders gut gestellten Rindhäuten (früher speziell Ochsenhäuten) der mittleren Masseklassen hergestellt. Die Häute, die frei von Schnitten und Schäden im Faseraufbau sein müssen, werden, ähnlich wie Blankleder, pflanzlich gegerbt. Unterschieden werden diese Leder entsprechend der RAL 066A3. Die Anforderungen an diese Leder sind in der Tabelle 37 enthalten.

Kaltgeschmierte, warmgefettete und eingebrannte Riemenleder:

  • Kaltgeschmierte Leder, die bei Raumtemperatur vorwiegend mit flüssigen Fetten behandelt werden. Diese Leder müssen, um die durch die Fettung hervorgerufene Dehnung auszugleichen, nass gespannt werden. Sie haben Fettgehalte bis zu 7 %. Der Einsatz erfolgt wie bei den
  • warmgefetteten Ledern für rasch laufende Riementriebe und Antriebsscheiben mit geringen Scheibendurchmessern. Diese Leder, die in der Wärme mit einem bei Raumtemperatur salbenartigen Fettgemisch gefettet werden, weisen Fettgehalte bis zu 14 % auf. Auch diese Leder müssen während der Fertigung nass gestreckt werden.
  • Die eingebrannten Treibriemenleder, die durch das Eintauchen in einer erwärmten Fettmischung, die bei Normaltemperatur fest ist, viel Fett aufnehmen, weisen bis zu 25 % Fettstoffe (alle Werte bezogen auf wasserfreie Ledersubstanz) auf. Diese Leder werden bei Riemenantrieben eingesetzt, die besonderen äußeren Einflüssen, wie Feuchtigkeit, Staub, Säuredämpfen usw. ausgesetzt sind.

Trotz der teilweise festen Stoffe muss das Treibriemenleder biegsam sein, beim Biegen der Riemen nach innen dürfen sie keine Losnarbigkeit zeigen. Aufgrund der meist nicht gleichmäßigen Belastung der Riemen im Gebrauch muss die Zugfestigkeit mit einer 10- bis 20fachen Sicherheit ausgelegt werden. Im Leder selbst dürfen keine Säuren oder anderen Stoffe vorhanden sein, die das Metall der Riemenscheibe angreifen können, da sonst Eisenverbindungen in das Leder übergehen, die zu einer Zerstörung führen können. Die RAL 066 A3 legt weitere Anforderungen fest, die an die verschiedenen Treibriemenleder zu stellen sind.

Chromriemenleder:

Chromriemenleder werden aus dem gleichen Rohhautmaterial mit dem Standard Chromgerbverfahren hergestellt. Das geschmeidigere Riemenmaterial kann für schnell laufende Antriebe mit kleineren Scheiben verwendet werden. Durch die hohe Zugfestigkeit können die Riemen mit geringeren Dimensionen eingesetzt werden. Die Chromleder werden ebenfalls stärker bis zum Einbrennen gefettet, und sie sind beständiger gegen Wasser, Säure- und Alkalidämpfe sowie gegen trockene Hitze usw. Trotz einer Trocknung der Leder im gedehnten Zustand müssen die Chromlederriemen im Gebrauch öfters nachgespannt werden.

Technische Leder für die Textilindustrie:

Webereileder:

Je nach Webstuhltyp werden Oberschlagwebstühle mit Schlagriemen und Fangriemen zum Auffangen des Pickers eingesetzt, oder - heute vermehrt - Unterschlagwebstühle erhalten eine Schlagkappe aus einer mehrschichtigen Lederschlaufe und dem Fangriemen zum Auffangen des Schlagarmes. Schlagriemenleder werden aus Rindhäuten der Masseklasse 30 bis 50 kg, bevorzugt aber auch aus Büffelhäuten hergestellt. Das Material, das ruckartigen Belastungen bei der Bewegung des Webschützen ausgesetzt wird, muss über eine große Zähigkeit verfügen. Daher wird mit einem ganz kurzen Äscher oder aber ohne Äscher mit Haar und einer Chromgerbung mit anschließend verstärkter Schwefelablagerung im Fasergefüge gearbeitet. Das Leder wird nach einem Vorlicker im Faß gefettet. Die Anforderungen sind in Tabelle 37 enthalten.

Achtung!
Die Tabelle befindet sich noch im Aufbau und / oder in der Aktualisierungsphase

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Tabelle 37: Beispiele von typischen Anforderungen an technischen Ledern

Treibriemenleder
Wesentliche PrüfungenVegetabilChromgegerbtFettgarleder und ChromfettgarlederSchlagriemenleder
Mit Dichlormethan extrahierbare StoffeKaltgeschmiert max. 12 %
Warmgefettet max. 17 %
Eingebrannt max. 25 %
Max. 35 % Max. 35 %
StichausreißfestigkeitMind. 1000 N/cmMind. 1200 N/cmMind. 1500 N/cmMind. 1500 N/cm
Chromoxidgehalt (Cr2O3)Mind. 2,5 %Chromfettgarleder mind. 1,0 %Chromleder mind. 1,0 %
GesamtauswaschverlustMax. 6 %Max. 6 %
Durchgerbungszahl50 - 75
pH-Wert Nicht unter 3,5 oder über 7
ZugfestigkeitMind. 2500 N/cm²Mind. 3000 N/cm²Mind. 3500 N/cm²Mind. 3500 N/cm²
BruchdehnungMax. 50 %Max. 75 %Max. 90 %40 - 90 %
WeiterreißfestigkeitMind. 400 N/cm\\Mind. 500 N/cmMind. 600 N/cmMind. 600 N/cm
BiegeprüfungBis 180 Grad mit einem Dorn der 5fachen Lederdicke keine Risse oder Sprünge des oder des NarbensBis 180 Grad bei einem Dorn der doppelten Lederdicke keine Risse oder Sprünge des oder des Narbens

In diesem Bereich werden auch aus Rind- oder Büffelhäuten hergestellte Rohhautleder eingesetzt, die aus getrockneter Blöße gefertigt werden. Die Blößen werden nach einem Befeuchten mit einer Leimlösung in Formen zusammengeschichtet und unter hohem Druck zu Blöcken zusammengepresst. Die einzelnen Formen (auch Zahnräder für einen geräuschlosen Lauf) werden dann ausgefräst. Durch Desinfektionsmittel kann die Gefahr der Fäulnis und durch Lacküberzug ein Schutz gegen Feuchtigkeit erzielt werden. Die Pickers oder Webvögel sind im Webstuhl der meist beanspruchte Lederteil. Sie müssen aus zähestem Material sein, wobei im wesentlichen Rohhautleder verwendet werden. Der Picker treibt den Webschützen mit der Garnspule durch das quer zu seiner Bahn von den Fäden der Kette gebildete Fach.

Spinnereileder und Zylinderhülsenleder:

Sie dienen zur Ummantelung einzelner Walzen des Streckwerkes, das im Prinzip aus zwei Walzenpaaren besteht, durch die die Lunte langsam hindurchgleitet. Das Einzugswalzenpaar hat eine sechsfach geringere Umlaufgeschwindigkeit als das Lieferwalzenpaar. Die unteren Walzen sind mit Leder bezogen, die oberen sind geriffelte Stahlwalzen, die mit deutlichem Druck gegen die Unterwalzen drücken. Laufleder für Kämmaschinen tragen das Faservlies von einer Bearbeitungsstelle zur anderen.

Lauf- oder Hochverzugsleder:

Lauf- oder Hochverzugsleder werden in Hochverzugsstreckwerken eingesetzt. Die Leder werden, zu runden Rollen verklebt, über die Zylinder gezogen. Die Lunte läuft hier zwischen der oberen Walze des Streckwerkes und dem Laufleder hindurch. In vielen modernen Maschinen ist auch die obere Walze durch Riemchen ersetzt. Zur Herstellung der Zylinderhülsenleder (mit Dicken von 0,5 bis 0,8 mm) und der Laufleder (0,5 bis 0,6 mm oder für Riemchenstreckwerk bis zu 1,2 mm dick) werden aus chrom oder chrom-synthetisch-kombiniert gegerbten Ledern hergestellt, an die die folgenden Anforderungen gestellt werden müssen:

Die Leder dürfen keine Dickenschwankungen über ± 0,05 mm haben. Sie dürfen sich beim Gebrauch nicht verziehen. Der Narben muss dicht, fein, glatt und vor allem elastisch sein. Der Narben muss fest aufsitzen, da beim Gebrauch die Zone zwischen der Narben- und der Retikularschicht besonders beansprucht wird.

Neben einer guten Abriebfestigkeit muss der Narben eine Druckfestigkeit zeigen. Die nachfolgend angegebenen Lederinhaltsstoffe beziehen sich auf 0 % Wasser. Bei einem Chromoxidgehalt von 2 bis 3 % dürfen die löslichen Mineralstoffe höchstens 1,0 % darüber liegen, da höhere Gehalte an Einlagerungen zur Versprödung des Leders führen könnten. Die extrahierbaren Fettstoffe sollten nicht über 5,0 % und die freien Fettsäuren nicht über 1,0 % betragen. Der pH-Wert darf nicht unter 3,5 und möglichst auch nicht über 4,0 liegen. Die Leder müssen eine Zugfestigkeit von mindestens 2000 N/cm² haben. Bei einer Belastung von 100 N/cm² darf die Dehnung nicht über 30 % hinausgehen. Die Anzahl der Knickungen im Flexometer beträgt 100 000. Der Gewichtsverlust beim Abrieb mit einem Schmirgelpapier der Körnung 150 sollte unter 0,4 g bei einer freien Prüffläche von 50cm² liegen.

Die Lebensdauer hängt aber im Gebrauch von einigen Punkten ab, die grundsätzlich berücksichtigt werden sollten, vor allen Dingen dann, wenn die Maschinen ohne eine Ausruhphase ständig benutzt werden:

Das Klima sollte 22 °C und 60 %relative Luftfeuchtigkeit betragen, um Aufladungen der Lederoberfläche zu vermeiden. Die Maulweite muss richtig eingestellt sein, d. h. auf das jeweilige Faserbuschel. Das ist vor allen Dingen eine Frage des zu verspinnenden Materials selbst und bei gleichbleibenden Material auch die der Stärke des eingehenden Vorgarnes und des ausgehenden Garnes. Bei zu enger Maulweiteneinstellung kommt es zu einer zu starken Reibung und damit zu einer vorzeitigen Abnutzung des Leders. Von Bedeutung ist auch, ob die Fasern immer an der gleichen Stelle über das Leder laufen oder aber ständig seitlich hin und her verschoben werden. Das Leder ermüdet sonst im zu stark strapazierten Bereich. Die Einstellung der Zylinderdruckrolle sollte nicht zu hart sein. Der Umlauf des Unterriemchens darf nicht gestört sein.

Wichtig ist auch die Frage der Abgabe von z. B. Fetten oder Avivage-Mitteln auf das Leder aus dem zu verspinnenden Gut, wodurch das Leder in seinen Eigenschaften vor allem im Narbenbereich negativ beeinflusst werden kann.

Bei der Bearbeitung von Streichgarn und in der Baumwollgrobspinnerei werden pflanzliche Leder von weicher Beschaffenheit mit einem glatten und fest aufsitzenden Narben als Florteilerriemchen verwendet. Sie teilen den in voller Krempelbreite gebildeten Faserflor in schmale Streifen, die dann einzeln zwischen den Nitschelwerken gerundet werden.

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Tabelle 38: Beispiel typischer Qualitätsanforderungen von der UNIDO empfohlen

Technische Leder
AnforderungenÖlgegerbte LederZeug- Gürtelleder vegetabil gegerbtZeug-Gürtelleder chrom gegerbtFußball- Leder chromgegerbtArbeitsschutzartikel chromgegerbtRohhäute und TransparentlederChamoisleder
Asche % höchst.6,02,02,02,02,01,55,0
Cr2O3 % mindestensAl2O3 mind. 1,02,52,53,0
Fettgehalt % (fettende Substanzen)Max. 3510 - 2510 - 254 - 104 - 15Max. 10 fest 0,5 - 3,0
Auswaschverlust % höchstens6,0
Durchgerbungszahl50
pH-Wert Differenzzahl nicht unter 3,5 bei pH unter 4,0 Differenzzahl nicht über 0,70 4,0 - 8,5Max. 8,0
Mind. Zugfestigkeit (kgf/cm²) daN/cm²350250250300200600100
Max. Bruchdehnung in %905075707535 - 60Mind. 50
Mind. Stichausreißfestigkeit (kgf/cm) daN/cm10010012040
Weiterreißfestigkeit mind. (kgf/cm) daN/cm104040401515
Wasseraufnahme
nach 2 Std.
Max. 35
nach 24 Std.Max. 70

Nitschelhosenleder:

Die Nitschelhosen sind zusammengeleimte endlose Lederbahnen aus meist pflanzlich gegerbtem Leder, die über zwei Walzen laufen. Sie führen zwischen der oberen und der unteren Nitschelhose neben der Umlaufbewegung der Walzen noch eine in der Achsrichtung liegende Querbewegung gegeneinander aus, um das dazwischen laufende Faserband zu rollen. Das Leder muss weich und geschmeidig sein und sich gut an die Walzen anlegen. Auch hier ist auf eine gleichmäßige Dicke zu achten. Die Leder, die von der Unterseite teilweise während der Herstellung der Nitschelhosen geriffelt werden, müssen ebenfalls eine gute Strukturfestigkeit, vor allen Dingen im Bereich zwischen Narben- und Retikularschicht, besitzen.

Transparent- und Pergamentleder:

Zu den weiteren technischen Ledern werden auch die aus geäscherter und entkälkter Blöße durch Trocknen hergestellten Transparent- und Pergament- Leder gezählt. Während beim Transparentleder die Fasern miteinander während des Trockenprozesses verkleben müssen, wird das zu Pergament verarbeitete Blößenmaterial schon beim Trocknen so scharf gespannt, dass die Fasern sich voneinander während des Trocknungsvorganges trennen. Durch die dabei entstehenden Grenzflächen wird eine durchscheinende Transparenz verhindert. Die Anforderungen an beide Materialien sind in Tabelle 38 beschrieben.

Fettgarleder:

In den Bereich der Rohhaut- bzw. Blößenprodukte gehört auch das Fettgarleder. Dabei handelt es sich um Blößen aus einer Rohware aus flach gestellten Rindhäuten, die nicht mehr gespalten werden müssen. Die eigentliche Gerbung wird nur in einem ganz geringen Umfang mit Alaun oder Chromgerbstoffen durchgeführt. Die Leder, bei denen es auf eine besonders hohe Zugfestigkeit ankommt, werden stark gefettet und dann gespannt getrocknet. Das Fett hat schmierende und, vor allen Dingen, imprägnierende Wirkung. Eine Gerbung mit Fettstoffen findet dabei nicht statt. Die Leder für Dichtungsringe zur Abdichtung ruhender Verbindungsstellen werden aus Rindhäuten, Kalb-, Ziegen- und Schaffellen hergestellt. Für Manschetten zur Abdichtung von Zwischenräumen von sich gegeneinander bewegenden Teilen werden vorwiegend Rindhäute eingesetzt. Die Gerbung erfolgt in beiden Fallen hauptsächlich mit pflanzlichen, daneben aber auch mit Chromgerbstoffen. Nach einer während der Lederherstellung nur mäßigen Fettung werden die ausgestanzten und vorgeformten Teile mit Gemischen aus Fetten und Wachsen eingebrannt. Für hitzebeständige Materialien wird nur die Chromgerbung verwendet.

Gasmesserleder und Membranenleder:

In Gaszähler werden als Membranen Leder eingebaut, an die die Forderung der Gasundurchlässigkeit ebenso zu stellen ist wie die der Weichheit und Formstabilität. Zur Herstellung werden vorgegerbte Haarschafleder (pflanzlich gegerbte Crustleder) verwendet. Nach einem weitestgehenden Abfalzen oder Abschleifen des Narbens werden die Leder leicht entgerbt. Sie erhalten im Anschluss daran eine Chromgerbung. Damit wird die Temperaturstabilität erhöht. Die für den Einbau in die Zähler notwendigen Zuschnitte werden aus den Ledern ausgestanzt und dann imprägniert. Dazu werden flüssige bis bei Normaltemperaturen weiche Paraffinsubstanzen verwendet. Das Tauchbad für die Leder wird auf etwa 60°C erwärmt, die normal trockenen Leder eingelegt und dann das System mehrfach evakuiert und wieder belüftet. Dadurch dringen die Fettstoffe schneller und gleichmäßiger in das Leder ein. Der Fettgehalt der vor dem Einbau abgelagerten Membranen beträgt etwa 65 bis 70 %. Der Chromoxidgehalt sollte zwischen 2,5 % und 3,5 % liegen (bezogen auf wasserfreie Ledersubstanz). Die Leder weisen Dicken zwischen 0,5 mm und 0,8 mm auf.


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