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Schönungsfarbstoffe

Bei Anwendung von lasierenden organischen Pigmenten lassen sich im allgemeinen reine, ziemlich brillante Farbtöne erzielen. Die deckenden anorganischen Pigmente ergeben dagegen zumeist stumpfere Farbnuancen. Damit man gute Egalisierwirkung und trotzdem möglichst lebhafte, leuchtende Farbtöne erreichen kann, werden dem pigmentierten Deckfarbenansatz lösliche Farbstoffe zugegeben. Bei der das natürliche Aussehen des Leders stark betonenden Anilin-Zurichtung wird zuweilen gänzlich auf den Einsatz von Pigmenten verzichtet, und es werden nur mit Farbstoffen angefärbte Appreturen eingesetzt. Das kann allerdings im Hinblick auf die Lichtbeständigkeit des zugerichteten Leders kritisch sein, denn Farbstoffe sind weniger lichtecht als Pigmente.

Farbstoffe werden bei der Lederzurichtung nicht nur zum Schönen, d. h. zur Steigerung der Brillanz von Pigmentfarben, verwendet. Der Anwendung deckender, pigmentierter Zurichtflotten geht oftmals eine Spritz- oder auch Bürstfärbung mit einer Farbstofflösung voraus. Bei Schleifboxleder wird durch die Schleifbehandlung die Narbenschicht mehr oder Weniger tief abgeschliffen. Damit wird die bei üblicher Fassfärbung am intensivsten angefärbte Zone entfernt. Aus diesem Grund wird in vielen Fällen bei Schleifboxleder auf eine Fassfärbung verzichtet und das Leder naturell aufgetrocknet. Wenn nun eine buntfarbige oder schwarze Zurichtung auf dem ungefärbten Leder vorgenommen wird, dann besteht die Gefahr, dass schon feine Rißverletzungen der Lederoberfläche bei Verarbeitung oder im Gebrauch des Leders stark betont hervortreten, weil dann das ungefärbte Lederfasergefüge infolge des Farbkontrasts deutlich sichtbar wird. Feine Haarrisse, welche den Gebrauchswert des Lederartikels normalerweise nicht oder nur wenig beeinträchtigen, bleiben unsichtbar, wenn die Lederfasern in einem dem Aspekt der Zurichtung entsprechenden Farbton angefärbt sind.

Eine Vorfärbung des Leders vor der Zurichtung ist deshalb unbedingt anzuraten. Dabei sollte nicht nur die äußerste Oberfläche des Leders angefärbt werden, sondern die Farbstoffe sollten wenigstens in die volle Tiefe der Narbenzone einziehen. Diese Forderung kann bei der Vorfärbung von Schleifboxleder in einfacher Weise erfüllt werden, wenn der Färbevorgang mit der Narbenimprägnierung kombiniert wird. Die Zone, welche durch die Imprägnierung erfasst werden muss, stimmt mit der anzustrebenden Eindringtiefe des Farbstoffs überein. Außerdem kann bei dieser kombinierten Anwendung ein gesonderter Arbeitsgang für die Vorfärbung eingespart werden.

Bei Vollnarbenleder wird erforderlichenfalls die Flächenruhe des bereits im Faß gefärbten Leders korrigiert. Außer Bürst- oder Spritzfärbung kann hierfür eine Tauchbehandlung im Multima Durchlauffärbeapparat herangezogen werden, oder man kann das Leder in einheitlichem Farbton oder in verschiedenartigen Musterungen mit einer Farbstofflösung bedrucken.

Die Auswahl der Farbstoffe für die Anwendung im Zug der Zurichtarbeiten soll besonders sorgfältig erfolgen. Hohe Anforderungen sind an die Lichtbeständigkeit und Reinheit des Farbtons sowie an eine wasserfeste Fixierbarkeit zu stellen. Damit die Farbstofflösung mit den zugleich angewendeten Zurichtmitteln einwandfrei verträglich ist, müssen die Farbstoffe möglichst weitgehend frei von Neutralsalzen sein. Man kann nicht davon ausgehen, dass Farbstoffe, welche sich bei der Fassfärbung bewährt haben, auch unbedingt für den Einsatz bei der Zurichtung geeignet sind. Zwischen beiden Anwendungsgebieten bestehen grundlegende Unterschiede. Die Voraussetzung für gutes Abbinden des Farbstoffs mit dem Lederfasergefüge sind bei der Zurichtung wesentlich weniger gegeben als bei der Fassfärbung. Hierfür sind folgende Gründe maßgebend:

  1. Die Möglichkeit einer Bindung der für die Lederfärbung am häufigsten verwendeten anionischen Farbstoffe ist am günstigsten unmittelbar im Anschluss an die Chromgerbung.
  2. Mit fortschreitender Alterung des Chrom-Collagen-Komplexes wird die Bindefähigkeit für Farbstoffe geringer. Sie nimmt noch stärker ab, wenn das Chromleder getrocknet wird.
  3. Die für die Nachgerbung herangezogenen anionischen Gerbstoffe und die anionischen Lickerprodukte besetzen einen nicht unbeträchtlichen Teil der für das Abbinden des Farbstoffs benötigten reaktiven Stellen des Leders und vermindern die Fixierbarkeit der Farbstoffe.
  4. Bei der Färbung des nassen Leders in der Flotte wird der Farbstoff aus der Lösung selektiv vom Lederfasergefüge aufgenommen. Bei Spritz-, Bürst-, Druck- oder Gießfärbung (Narbenimprägnierung) des trockenen Leders wird die Menge der aufgetragenen Farbstofflösung weitgehend durch die Saugfähigkeit der Lederoberfläche bestimmt. Die aufgebrachte Flüssigkeit wird auf dem Leder getrocknet, unabhängig davon, ob die darin enthaltene Farbstoffmenge vom Leder gebunden werden kann oder nicht. Daher besteht leicht die Gefahr von Überdosierung und ungenügender Fixierung des Farbstoffs.
  5. Aufziehen und Abbinden des Farbstoffs werden durch hohe Temperatur der Farbflotte begünstigt. Die Anwendungstechnik der Lederzurichtung lässt bei der Spritz- oder Gießbehandlung keine Temperatur der Farbstofflösung zu, welche nennenswert über der Temperatur des Zurichtraums liegt. Außerdem würde eine heiße Farbflotte bei Auftreffen auf das Leder sofort wieder abgekühlt.

Diese nachteiligen Faktoren müssen bei der Verwendung von Farbstoffen für die Lederzurichtung beachtet werden, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Dem Sicherheitsbedürfnis kommt entgegen, dass die Anwendungstechnik der Zurichtung infolge der bevorzugten Oberflächenfärbung ziemlich intensive Farbwirkung ergibt, so dass man die einzusetzende Farbstoffmenge ziemlich niedrig halten kann.


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lederherstellung/zurichtung/schoenungsfarbstoffe.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)