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Polymer-Farbstoffe in der Zurichtung

Eine Sonderstellung unter den farbgebenden Substanzen für die Lederzurichtung nehmen Polymerfarbstoffe bzw. farbige Polymerisatdispersionen ein.

Hierbei handelt es sich um Mischpolymerisate von Farbstoffen mit Acrylsäureester, welche reaktive Amino- oder Oxy-Gruppen enthalten. Die Farbstoffe sind in die filmbildende Substanz einpolymerisiert. Sie sind dadurch chemisch fest gebunden und können weder durch Wasser noch durch organische Lösemittel herausgelöst werden. Sie sind migrierbeständig und können nur dann abfärben, wenn die gesamte Filmsubstanz gelöst oder durch Reiben nach Anquellen angegriffen wird. Die Polymerfarbstoffe ergeben einen klaren, transparenten, buntfarbigen Film. Sie verhalten sich in dieser Hinsicht wie Schönungsfarbstoffe, unterscheiden sich aber von diesen dadurch, dass sie unlöslich sind. Sie sind andererseits nicht den unlöslichen Pigmenten zuzuordnen, denn sie sind nicht als separater Fremdstoff in den Film eingebettet. Sie beeinträchtigen infolgedessen nicht die Homogenität, Dehnbarkeit, Knickbeständigkeit oder andere Elastizitätseigenschaften des Zurichtfilms. Der homogene Film der Polymerfarbstoffe ist von klarer Transparenz und brillanter Reinheit. Die Lichtbeständigkeit ist besser als bei Filmen, die mit wasserlöslichen Schönungsfarbstoffen angefärbt sind. Sie kommt der von organischen Pigmenten nahe. Durch ihren Aufbau als farbige Polymerisatdispersion sind die Polymerfarbstoffe zwar mit Wasser verdünnbar, doch ist die Farbstoffkomponente wasserunlöslich. Trotzdem sind sie den wasserlöslichen Schönungsfarbstoffen zuzurechnen, denn ihr über 50% betragender Wassergehalt verhindert den Einsatz in lösemittelverdünnbaren Lacken oder Appreturen.

Den Einsatz bei der Lederzurichtung bestimmt das Verhalten sowohl als transparente farbgebende Substanz wie auch als filmbildendes Bindemittel. Polymerfarbstoffe sind für sich allein als filmbildender Oberflächenabschluss bei der Anilinzurichtung von vorgefärbtem oder naturellem Leder, von vollnarbigem oder geschliffenem Leder mit glatter Oberfläche oder mit gepreßtem Narben anwendbar. Sie können auch als eindringender, die Lederoberfläche nicht abschließender Lüster für Velourleder herangezogen werden. Sie lassen sich in der Grundierung, als Effektfarbe, allein oder zusammen mit Pigmentfarben einsetzen. Sie können mit anionischen oder mit nichtionischen Zurichtmitteln gemischt werden und sie lassen sich mit allen Methoden der Zurichttechnik auf das Leder auftragen. Bei Verwendung als Effektfarbe bei der Anilin- oder Semianilin-Zurichtung wird das brillante, transparente Aussehen am günstigsten hervorgehoben, wenn der Farbton der Grundierung deutlich heller gehalten ist als die Nuance der Effektfarbe.

Nachteil der in den Zurichteigenschaften recht günstigen Polymerfarbstoffe ist, dass die Mischpolymerisation den Farbstoff auf ein bestimmtes Filmverhalten festlegt, das allerdings durch Abmischen mit farblosen Polymerisatbindern in gewissen Grenzen korrigiert werden kann. Weiterhin ist nachteilig, dass sich bisher nur eine begrenzte Palette von Farbtönen aufbauen lässt, da nur wenige Monomerfarbstoffe zur Mischpolymerisation mit Acrylaten oder anderen polymerisierbaren Ausgangsmaterialien geeignet sind. Polymerfarbstoffe haben sich deshalb in der Lederzurichtung nicht durchgesetzt.


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lederherstellung/zurichtung/polymer-farbstoffe_in_der_zurichtung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)