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Grundiermittel für Stoß-Zurichtungen

Bei der Glanzstoß-Zurichtung kommt es darauf an, dass die Zurichtung einen möglichst glatten Oberflächenabschluss ergibt, da hiervon Glanzwirkung und Griff des zugerichteten Leders abhängen. Die für die Stoßzurichtung verwendeten Eiweißbindemittel trocknen hart auf. Sie dürfen nur zu dünnen Schichten trocknen, damit der Narben nicht versprödet. Im Gegensatz zu den thermoplastischen Polymerisaten verlaufen sie auf dem Leder nicht zu einer zusammenhängenden Filmhaut, sondern sie trocknen bei dem üblicherweise vorgenommenen Spritzauftrag zu einander haftenden Mikroperlen auf. Die glanzstoßbare Proteinschicht kann infolge dieses Aufbaus gröbere Unebenheiten des Narbens, wie etwa ausgeprägte Haarporen, nicht überbrücken. Sie kann auch offene Faserzwischenräume, wie sie bei wundem Narben vorliegen, nicht ausfüllen.

Zur Vorbereitung des Narbens für die Glanzstoß-Zurichtung wird das Leder mit einer Lösung hochmolekularer Schleimstoffe behandelt. Solche Schleimstoffe sind hochmolekulare Substanzen, welche in Wasser löslich sind und schon bei ziemlich niedriger Konzentration gelatinieren. Sie werden durch Auskochen von Seegras- oder Seetang -Arten (Carragheenmoos, Isländisch Moos, Alginat) oder von Pflanzensamen (Leinsamen, Johannisbrotkernmehl) gewonnen. Auch wasserlösliche Celluloseprodukte, z. B. Methyl- oder Carboxymethylcellulose, oder Stärkeprodukte werden zuweilen herangezogen. Die Schleimstoffe werden meistens zusammen mit dem ersten Farbauftrag angewendet. Sie werden aufgeplüscht, um sie intensiv in den Narben einzureiben, damit die Grundierung die Unebenheiten der Oberfläche ausegalisiert und fest auf dem Leder haftet.

Die Verwendung von Pflanzenschleimen als Grundiermittel für Stoß-Zurichtungen wirft manche Probleme auf. So kann Leinsamenaufkochung durch anorganische Pigmente oxidischer Natur, z. B. Titanweiß, Eisenocker, Eisenbraun, zu unlöslichem, gallertigem Schleim ausgefällt werden. Die Ausfällung setzt sich erst nach etwa halb- bis einstündigem Stehen der Grundierflotte ab und wird deshalb schwer bemerkt. Sie verursacht auf dem zugerichteten Leder milchige graue Flecken. Carragheenmoos führt leicht zu etwas trockenem, papierartigem Griff der Lederoberfläche und ergibt manchmal trübes, bleiernes Aussehen der Zurichtung. Ähnlich verhält sich die langsam lösliche Methylcellulose, wenn sie nicht genügend lange, mindestens über Nacht, vorgequollen und dann gründlich mit Wasser verrührt worden ist. Die rasch lösliche Carboxymethylcellulose beeinträchtigt Griff und Farbtonreinheit der Zurichtung praktisch nicht, sie ist aber nicht fixierbar und bleibt stark wasserlöslich. Die Zurichtung kann daher auch nach Fixieren der Deckschicht ungenügend nassreibecht und quellungsempfindlich bleiben.

Pflanzenschleimstoffe haben als Naturprodukte den Nachteil, dass sie in ihrer Beschaffenheit und entsprechend auch in ihrem Fülleffekt schwanken. Die Herstellung der gelatinösen Lösungen ist oftmals umständlich und langwierig. Sie sind nur begrenzt lagerbeständig, und ihre den Oberflächenabschluss stark beeinflussende Viskosität baut durch bakterielle Einflüsse ab. Deshalb werden an ihrer Stelle wasserlösliche filmbildende Polymerisate herangezogen, welche schon in verhältnismäßig geringer Konzentration viskose Lösungen ergeben. Bei derartigen Grundiermitteln handelt es sich um hochmolekulare Substanzen auf der Basis von Polyvinyläther-Verbindungen oder von Acrylat-Copolymerisaten. Sie bieten infolge ihres synthetischen Ursprungs die Gewähr für eine definierte, in Zusammensetzung und Wirkungsweise gleichbleibende Substanz. Ihre Wirkungsweise beruht weniger auf der Ausbildung eines eigenständigen, die Lederoberfläche bedeckenden Films, sondern darauf, dass die Viskosität der Caseinlösung in der Grundierflotte erhöht, Verlauf und Abbinden auf dem Leder verbessert werden. Die höhere Viskosität verhindert, dass das Caseinbindemittel bei rauer Narbenoberfläche von dem Fasergefüge mehr oder weniger aufgesaugt wird. Der hochmolekulare Polymerisatcharakter führt die Caseinschicht von der Mikroperlstruktur in die Richtung einer Filmbildung über.

Dadurch, dass die Polymerisate zusammen mit der Grundierflotte angewendet werden, stört ihr thermoplastisches Verhalten die Glanzstoßbehandlung des Leders nicht. In der Grundiermischung ist der Anteil an thermoplastischer Substanz niedriger als der Anteil nichtthermoplastischer Eiweißstoffe. Außerdem bilden die Polymerisate einen verhältnismäßig harten, wenig thermoplastischen Film. Schließlich kann die Stoßbarkeit noch dadurch begünstigt werden, dass als abschließende Appreturschicht polymerisatfreie Eiweißlösungen aufgetragen werden.

Die wasserlöslichen Polymerisate verbinden sich in der Grundierschicht innig mit der Eiweißsubstanz. Ihre Wasserlöslichkeit wird durch wasserfeste Fixierung der Proteine weitgehend zurückgedrängt und tritt am fertig zugerichteten Leder praktisch nicht mehr in Erscheinung. Wasserlösliche Polyacrylate erhalten ihre Löslichkeit durch die Komponente Ammoniumpolyacrylat. Diese wird durch die bei der Stoß-Zurichtung übliche saure Fixierung und durch den Einfluss des Säuregehalts im Leder ganz oder teilweise in freie Polyacrylsäure übergeführt, und damit wird die Nassfestigkeit verbessert.

Filmbildende, wasserverdünnbare Polymerisatdispersionen können ebenfalls als porenfüllendes und die Lederoberfläche glättendes Grundiermittel für Glanzstoß- Zurichtungen eingesetzt werden. Ihr Vorteil ist, dass sie völlig wasserunlöslich auftrocknen. Ihr Nachteil liegt darin, dass sie im allgemeinen recht weiche, ausgeprägt thermoplastische Filme bilden. Wenn sie in nur geringer Menge zusammen mit den nichtthermoplastischen Eiweißbindemitteln in der Grundierung eingesetzt werden und wenn die nachfolgenden Aufträge frei von thermoplastischen Substanzen sind, erhält man gut füllende, die Lederfläche egalisierende Glanzstoß-Zurichtungen. Vorteilhaft ist für solche Grundierungen die Verwendung verdickbarer Polymerisatdispersionen. Ihr Viskositätsanstieg bei Zusatz von Ammoniak ergibt praktisch die gleiche Füll- und Verlaufwirkung wie die Anwendung von wasserlöslichem Polyacrylat.

Als füllende und flächenegalisierende Substanzen für die Grundierung von Glanzstoß- Zurichtungen sind schließlich noch Wachsemulsionen zu nennen. Ihr Einsatz ist im Gegensatz zu den vorgenannten Grundiermitteln nicht auf die Grundierflotte begrenzt. Sie können auch den Ansätzen für die oberen Schichten zugefügt werden. Es handelt sich daher nicht um ausgesprochene Grundiermittel. Alkalische, verseifte Wachsemulsionen ergeben im allgemeinen etwas bessere Füllwirkung als neutral emulgierte. Letztere sind aber für die Quellfestigkeit der Zurichtung und für die Naßreibechtheit vorteilhafter.


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lederherstellung/zurichtung/grundiermittel_fuer_stoss-zurichtungen.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)