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Einfluss der Zurichtung auf das physiologische Verhalten des Leders

Leder wird in großem Umfang zu Artikeln verarbeitet, die als Bekleidung zum Schutz gegen die Witterung dienen. An erster Stelle steht hierbei das Schuhwerk, zu dessen Herstellung 60 bis 70 % der verarbeiteten Häute verwendet werden . Leder wird auch für Mäntel, Jacken, Handschuhe eingesetzt. Bei diesen Verwendungszwecken kommt es darauf an, daß der Träger sich in der Bekleidung wohl fühlt, dass er nicht nur gegen Nasse und Kalte geschützt wird, sondern dass kein Hitzestau auftritt, welcher übergroße Schweißabsonderung verursacht, dass sich der in standardisierter Form gefertigte Schuh individuell dem Fuß anpasst, dass er die bei Gehbeanspruchung auftretende Fußfeuchtigkeit täglich neu wieder aufnimmt und dass er sich durch Vergrößerung der Schaftoberfläche unter Wärme- und Feuchtigkeitseinfluss dem im Tagesrhythmus anwachsenden Fußvolumen anpaßt. Dieses Verhalten wird durch Eigenschaften bestimmt, welche durch den Aufbau des Ledefasergefüges durch die Eigenart der Kollagenfasern von Natur aus vorgegeben sind. Sie sind gekennzeichnet durch Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit, Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf, Wärmeisoliervermögen, reversible Flächenänderung durch den Einfluss von Feuchtigkeit und Wärme und durch bleibendes Verformen bei Einwirkung von Zug oder Druck. Diese Eigenschaften machen Leder für Bekleidungszwecke und besonders für die Schuhherstellung den als Austauschstoffe herangezogenen synthetischen Materialien überlegen.

Die Porosität des Lederfasergefüges kann sich bei Nässeeinwirkung nachteilig in hoher Wasseraufnahme und Wasserdurchlässigkeit auswirken. Hier muss die Zurichtung den erforderlichen Nässeschutz durch wasserabweisende, möglichst völlig wasserundurchlässige Beschichtung geben. Bei den meisten filmbildenden Zurichtschichten wird dadurch gleichzeitig die Luftdurchlässigkeit deutlich zurückgedrängt. Ausnahmen bilden die rasterartig strukturierte Casein-Zurichtung oder die Zurichtung mit Nitrocelluloseemulsionen. Nach neueren Erkenntnissen ist jedoch die Wasserdampfaufnahme ein ausschlaggebendes Kriterium für Fußkomfort und Tragehygiene, so dass auch eine unporöse, kompakte Beschichtung die Verwendbarkeit des zugerichteten Leders nicht beeinträchtigt. Voraussetzung ist, dass in solchen Fällen die unzugerichtete Rückseite voll saugfähig bleibt. Sie darf nicht hydrophobiert und nicht mit einer abdichtenden Aasseitenappretur behandelt sein.

Bei Polsterleder kann eine kräftig beschichtende Zurichtung mit einem kompakten Lackfilm dazu führen, dass längeres Sitzen zu unangenehmem Hitzegefühl und stärkerer Transpiration führt. Dünnere Appreturen, die allerdings die geforderte Reibbeanspruchung erfüllen müssen, ergeben im allgemeinen einen angenehmeren, natürlicheren Griff der Lederoberfläche und sind sitzbequemer.


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