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Caseinfreie oder caseinarme Lederfarben

Mit der zunehmenden Bedeutung und dem erheblich ansteigenden Umfang der Zurichtung von Leder mit korrigiertem Narben kam der Typ der caseinfreien Lederdeckfarben auf. Deren Entwicklung ging von folgenden Beobachtungen und Erwägungen aus:

1.Die geschliffene Lederoberfläche saugt die aufgetragene Zurichtflotte stärker auf als vollnarbiges Leder. 2.Die beim Schleifen im Querschnitt angeschnittenen Faserbündel lassen die Flüssigkeit tief in die Feinstruktur des Lederfasergefüges einwirken. 3.Auch bei Verwendung neutraler bis schwach saurer Polymerisatdispersionen als filmbildendes Grundiermittel muss die Grundierflotte schwach alkalisch eingestellt bleiben, weil sonst das Casein ausfällt. 4.Die alkalische Caseinlösung quillt die geschliffene Narbenschicht an und ruft Verspannungen der Faserstruktur hervor. 5.Die Verspannung wird durch den Grundierfilm fixiert und ergibt groben Narbenwurf und Losnarbigkeit.

Durch neutrale, caseinfreie Pigmentzubereitungen konnte diesem Nachteil begegnet werden. Lederfarben wurden entwickelt auf der Basis feinstdispergierter Pigmente mit Dispergier- und Stabilisiermitteln verschiedenen chemischen Ursprungs. Die Lagerbeständigkeit dieser Farben war in der Anfangszeit der Entwicklung gegenüber den Caseinfarben beeinträchtigt. Sie erforderten oftmals langwieriges intensives Durchrühren des Farbteigs vor der Verarbeitung. Um den Vorteil des feineren Narbenwurfs und der geringeren Narbenbelastung möglichst weitgehend aufrechtzuerhalten, andererseits einwandfreie Lagerstabilität und leichtes Verarbeiten zu gewährleisten, wurden caseinarme Lederfarben auf den Markt gebracht, deren Caseingehalt auf etwa 10 % der in den üblichen Caseinfarben enthaltenen Menge herabgesenkt worden ist.

Die stetig fortschreitende Weiterentwicklung der Lederzurichtung und der Zurichtprodukte haben inzwischen die Stabilität der caseinfreien Pigmentzubereitungen wesentlich verbessert, andererseits hat die für narbengeschliffenes Leder allgemein eingeführte pigmentfreie Narbenimprägnierung den Einsatz von Caseinfarben in der pigmentierten Polymerisatgrundierung weniger problematisch gemacht.

Caseinfreie oder caseinarme Lederfarben sind universell einsetzbar. Sie können zusammen mit Eiweißbindemitteln für Glanzstoß-Zurichtung, zusammen mit thermoplastischen Bindemitteln für Bügel-Zurichtung oder mit Polymerisat- oder Polyurethandispersionen als Grundierung für kombinierte Zurichtung mit lösemittellöslichen Appreturen oder Lacken auf Nitrocellulose- oder Polyurethanbasis verwendet werden. Transparente organische Pigmentfarben dienen als Effektfarbe bei Anilin-Zurichtungen.


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lederherstellung/zurichtung/caseinfreie_oder_caseinarme_lederfarben.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)