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Appreturen Appretiermittel Top Coats

Den Abschluss der Oberflächenbehandlung bildet praktisch in jedem Fall der Auftrag einer Appreturschicht. Diese unterscheidet sich von der farbgebenden Deck- oder Egalisierschicht dadurch, dass sie meistens pigmentfrei und entweder farblos oder nur mit wenig Schönungsfarbstoff angefärbt ist. Sie ist auch im allgemeinen härter eingestellt. Die Appretur verfolgt mehrere Ziele:

  1. Sie dient als Schutzschicht, welche die Gefahr des Verschmutzens der Lederoberfläche bei Verarbeitung und Gebrauch des Leders und des Abfärbens bei Gebrauch oder bei Reinigung der Lederartikel vermindert. Der Schutz soll sowohl von außen nach innen wie auch von innen nach außen wirksam sein.
  2. Die Appretur erteilt dem zugerichteten Leder das endgültige Aussehen mit Glanz- oder Mattwirkung und allen dazwischen liegenden Stufen. Sie ist auch maßgebend verantwortlich für den Griff der Lederoberfläche.
  3. Die Appretur soll die auf das Leder aufgebrachten Zurichtschichten und mit ihnen die Lederoberfläche gegen äußere Einflüsse, wie etwa Stoßen, Kratzen, Einwirkung von Wasser oder organischen Lösemitteln, widerstandsfähiger machen.
  4. Sie soll die das endgültige Aussehen des Leders bestimmende Abschlussbehandlung leicht durchführen lassen. Manche Appreturen sollen mit hohem Druck zu Glanz und besonders glattem Griff glanzgestoßen werden können. Andere sollen bei hydraulischem Abbügeln hohen Glanz ergeben, bei aufgepresstem Narbenbild die Narbenprägung möglichst markant aufrechterhalten lassen, einen dauerhaften Matteffekt ergeben oder bei Überreiben einen Zweifacheffekt mit Spitzenglanz und matten Vertiefungen erzeugen. Wieder andere Appreturen sollen den endgültigen Aspekt bereits nach dem Auftrocknen ergeben, ohne dass die Zurichtung mechanisch nachbehandelt wird.

Nach dem klassischen Aufbauschema der Zurichtung ergibt die Appretur die dünnste Schicht der verschiedenen Aufträge. Es ist daher nicht zu erwarten, dass die Appreturschicht von sich aus alle die gewünschten Eigenschaften erfüllen kann. Vielmehr müssen auch die unteren Schichten mit dazu beitragen, dass der angestrebte Endeffekt erreicht wird. Appretur und Untergrund müssen gut aufeinander abgestimmt werden. Sie müssen sich vor allem einwandfrei miteinander verbinden und fest aneinander haften. Für die Erfüllung gewünschter Echtheitseigenschaften ist die Appretur zusammen mit der Unterlage als eine Einheit anzusehen.

Als Appretiermittel können fast alle Substanzen herangezogen werden, die auch als Bindemittel in Betracht kommen. Wasserlösliche Eiweißstoffe oder Harzpräparate, Emulsionen von natürlichen oder synthetischen Wachsen, Nitrocellulose-Lackemulsionen, Polyurethandispersionen werden auf wässriger Basis, Nitrocellulose- oder Polyurethanlacke auf Lösemittelbasis angewendet. Soweit sie miteinander verträglich sind, können die verschiedenen Produktgruppen auch für die Anwendung gemischt werden. Eine wichtige Anforderung, welche die Appretur erfüllen soll, ist die, dass die Schutzwirkung sowohl in der Hitze wie auch in der Kälte bei Temperaturen von etwa +100°C bis möglichst -30°C erhalten bleibt. Das ist der ausschlaggebende Grund dafür, dass die bei den Bindemitteln sehr umfangreiche Gruppe der Polymerisatdispersionen praktisch nicht als Appretiermittel verwendet wird. Der thermoplastische Charakter dieser Produkte steht neben dem weitgehend lederfremden Oberflächengriff der Anwendung entgegen.

Die Auswahl des Appretiermittels ist für die verschiedenen Zurichtarten in weiten Grenzen variierbar. Die chemische Grundsubstanz der Appretur muss nicht mit der des Untergrunds übereinstimmen. Wässrig aufgetragene Grundier- und Egalisierschichten verlangen nicht unbedingt eine wässrige Appretur. Dagegen wird auf Iösemittellöslichem Untergrund zweckmäßigerweise auch eine Lösemittelappretur aufgetragen, um einwandfreies Benetzen und Haften zu gewährleisten. Auf glanzgestoßenem Untergrund kann eine Bügelappretur aufgetragen werden, um die Flächenruhe zu verbessern, z. B. bei der Stoß- Bügel-Zurichtung von Kalb-, Ziegen- oder Bastardleder. Umgekehrt kann abgebügelter, nur begrenzt thermoplastischer Untergrund eine stossbare Nitrocelluloseappretur erhalten, um die Kratz- und Scheuerfestigkeit zu erhöhen, z. B. bei Rossbekleidungsleder für strapazierfähige Reithosenbesätze oder für Motorradhandschuhe. Feste Grundregeln für die Kombination von Appretur und Untergrund bestehen nicht. Gleiche Anforderungen hinsichtlich Echtheitseigenschaften und Beanspruchungsfähigkeit können durch verschiedenartige Kombinationen erfüllt werden.

Gleiche Kombinationen können zu unterschiedlichen Eigenschaften führen, je nach Anwendungskonzentration, Auftragstechnik und erreichter Homogenität der Appreturschicht. Einzige zu beachtende Grundforderung ist, dass die Appretur sich einwandfrei mit dem Untergrund verbinden muss.


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lederherstellung/zurichtung/appreturen_appretiermittel_top_coats.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)