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Anilin-Zurichtung Anilinzurichtung

Im Gegensatz zur egalisierenden, gedeckten Zurichtung lässt die Anilin-Zurichtung die natürliche Struktur der Lederoberfläche in ausgeprägtem Maße erkennen. Das Narbenbild bleibt nicht nur in vollem Umfang sichtbar, sondern es wird infolge dunklerer oder hellerer Farbtönung der Haarporen intensiv betont. Dabei werden auch Unregelmäßigkeiten in Form von Streifenbildung durch Nackenstreifen und Halsriefen oder leicht wolkige Abtönung der Farbnuance bewusst in Kauf genommen, teilweise sogar im Gange der Zurichtarbeiten künstlich hervorgerufen, um das naturelle Aussehen des Leders (genuine leather) verstärkt hervorzuheben.

Die Anilin-Zurichtung arbeitet mit nur wenig beschichtender, den Narben nicht belastender Oberflächenbehandlung. Sie kommt nur auf vollnarbigem Leder zur Anwendung und wendet transparente Farb- und Appreturschichten an. Das Leder ist vor der Zurichtung bereits vorgefärbt. Der Farbton kann durch Farbstofflösungen oder durch feinstverteilte. lasierende organische Pigmente nochmals intensiviert werden. In den meisten Fallen wird jedoch die Spritzfarbe in kontrastierenden dunklen Farbtönen auf hellfarbigen Lederuntergrund aufgebracht. Die helle Ausgangsfarbe des Leders scheint durch die dunkle, transparente Farbschicht der Zurichtung hindurch. Das ergibt dann den brillanten Farbeffekt, der für die Anilin-Zurichtung charakteristisch ist. Wenn der Farbton des Leders dem der Zurichtschicht weitgehend angenähert ist oder wenn die Vorfärbung des Leders gar dunkler ist als die Farbe des transparenten Zurichtfilms, lässt sich kein Anilineffekt erzielen. Die lebhafte Brillanz der Anilin-Zurichtung ist außerdem an eine Glanzwirkung der zugerichteten Lederoberfläche gebunden. Mattappreturen ergeben nur geringe Lichtreflexion, und der diffuse Lichtreflex lässt farblose Mattappreturen milchig-trüb, gefärbte Appreturschichten matt und stumpf erscheinen.

Das für die Anilin-Zurichtung herangezogene Vollnarbenleder kann ähnlich wie Schleifboxleder, im Bedarfsfall eine narbenfestigende Imprägnierung erhalten. Hierzu sind wegen der dichten Oberflächenstruktur des Narbenfasergeflechts besonders feinteilige, elektrolyt- und scherkraftstabile Polyacrylatdispersionen oder niedrig viskose Polymerisatlösungen erforderlich. Penetriermittel können das Eindringen der Imprägnierflüssigkeit bis unter die Narbenzone begünstigen.

Die nur geringe Beschichtung des Anilinleders erfordert den Auftrag geringer Mengen an Zurichtmitteln. Daher wird die Zurichtung im allgemeinen im Pressluft-Spritzverfahren durchgeführt. Die Anilin-Farbschicht kann auf Casein-, Polymerisat-, Nitrocellulose-, Polyurethan- oder kombinierter Polymerisat-Eiweiß- bzw. Polymerisat-Nitrocellulose- oder Polyurethan-Nitrocellulose-Basis aufgebaut sein. Als Appretur können Eiweiß-, Nitrocellulose- oder Polyurethan-Lösungen oder auch Nitrocellulose-Emulsionen oder Polyurethan-Dispersionen dienen. Glätten und Glanzgeben der Lederoberfläche erfolgen durch Glanzstoßen oder Bügeln. Im allgemeinen Iässt Bügeln den Farbton der Zurichtung besser aufrecht erhalten, während Glanzstoßen oft dunklere Farbnuancen ergibt. Diese Erscheinung hängt mit der Verdichtung der Narbenfaserstruktur unter dem Reibdruck der Stoßkugel zusammen. Infolgedessen Iässt sich durch Glanzstoßcn meistens auch höherer Glanz und stärkere Brillanz des Anilineffekts erreichen.

Die Anilin-Zurichtung hat dem Leder im Konkurrenzkampf gegen synthetische Kunststoffmaterialien mit lederähnlichem Aussehen einen wesentlich verbesserten Platz erobert. Die Betonung des natürlichen Aussehens hat den modischen Aspekt gesteigert. Die Erscheinung, dass für die Anilin-Zurichtung vollnarbiges Leder verwendet wird und dass die transparente Zurichtung praktisch kein Verdecken schadhafter Stellen zulässt, hat dem Anilinleder den Ruf eines Materials von hochwertiger Qualität eingebracht. Es ist Aufgabe der Zurichttechnik, durch Auswahl geeigneter Zurichtmittel und Arbeitsweise das modisch elegante Aussehen mit hohen Echtheitseigenschaften und guter Gebrauchsfähigkeit zu verbinden, um den günstigen Platz des Anilinleders weiter zu festigen.

Abb. 6 Abhängigkeit der Zurichtschritte von der Narbenqualität:


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lederherstellung/zurichtung/anilin-zurichtung_anilinzurichtung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)