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Färbung mit löslichen Farbstoffen

Bei der Betrachtung der besonderen Wirkungen der verschiedenen Gerbstoffe wurde schon aufgezeigt, dass unterschiedlich gegerbte Leder unterschiedliche Farbe aufweisen. Pflanzlich gegerbte Leder sind braun, Chromleder grau-blau, Aluminium gegerbte Leder weiß und Sämischleder gelb. Mit dieser kleinen Farbpalette können die modischen Wünsche der Lederverarbeiter und Verbraucher keineswegs erfüllt werden. Gerade die Anpassung an modische Tendenzen unter Beibehaltung der guten typischen Ledereigenschaften macht einen erheblichen Teil der Beliebtheit des Leders aus. Wir müssen darum die farbliche Gestaltung mit solchen Farbstoffen durchführen, die andere Eigenschaften nicht verschlechtern. Bei den verschiedenen Gerbarten liegt es klar auf der Hand, dass diese Aufgabe nicht von einer Gruppe von Farbstoffen erfüllt werden kann. So unterscheiden wir bei den hier einzusetzenden Anilinfarbstoffen nach Ladungscharakter die „anionischen“ und die „kationischen“ Farbstoffe.

Generell verstehen wir unter Farbstoffen lösliche Substanzen, die dem Leder eine bestimmte Farbe vermitteln und sich dabei so an die Hautsubstanz binden, dass sie Teil des Leders werden. Im Gegensatz dazu stehen die Farbpigmente, die unlöslich sind und mit einem Bindemittel auf dem Leder verankert werden müssen. Die Farbstoffe müssen sich lösen, damit wir sie gleichmäßig verteilen können. Die Gleichmäßigkeit ist ein Maß für die Qualität einer Färbung. Aus technischen Gründen lösen wir die Farbstoffe in Wasser, führen die Färbung also in der Flotte in einem bewegten Gefäß durch. Die Flottenlänge, die Temperatur, die vorangegangenen Arbeitsgänge, der pH-Wert und die Farbstoffkonzentration sind wichtige Faktoren, um die Lederfärbung in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Genau wie die Gerbung unterliegt auch die Färbung der Gesetzmäßigkeit von Diffusion und Bindung. Zunächst soll der gelöste Farbstoff in das Leder eindringen und sich gleichmäßig verteilen. Aus diesem Grunde darf er noch nicht gebunden werden. Nach der gleichmäßigen Verteilung muss er, um nicht wieder ausgewaschen werden zu können, sich an die Fasern binden. Die Entsäuerung oder Neutralisation von Chromledern ist hier ganz wichtiges Steuerungsmittel für die Diffusion. Geringe mehr oberflächliche Entsäuerung ergibt geringe Diffusion, also geringe Eindringtiefe der Farbstoffe.

Starke, durchgreifende Entsäuerung ergibt starke Diffusion, also Durchfärbung des ganzen Lederquerschnittes, wie es für Bekleidungsleder gefordert wird. Zur besseren Bindung wird die Färbeflotte am Ende abgesäuert.

Bei pflanzlich- oder synthetisch gegerbten Ledern steht das Hilfsmittel der Neutralisation nicht zur Verfügung, denn es entsteht keine Säure, die neutralisiert werden müsste. Hier steuert man die Diffusion und die Bindung durch die Auswahl der Farbstoffe und den Einsatz chemischer Hilfsmittel.

Nun gibt es einige Lederarten, die nur auf einer Seite gefärbt werden sollen. In diesem Falle können wir konzentrierte Lösungen geeigneter Farbstoffe auf die feuchten oder auch auf die trockenen Leder Aufspritzen, Aufbürsten, Plüschen, Gießen oder drucken, immer mit dem Bestreben hoher Gleichmäßigkeit, klarer leuchtender Färbung und guter Bindung. Diese Bindung ist dann von entscheidender Bedeutung für den Gebrauchswert einer Färbung, wenn das Leder als reines „Anilinleder“ verarbeitet wird. Anforderungen wie „Lichtechtheit“, „Reibechtheit“ und „Reinigungsbeständigkeit“ müssen dann berücksichtigt werden. Das Hauptziel aller färberischen Maßnahmen ist es, dem gegerbten Leder eine Farbe zu vermitteln, die vom Kunden gefordert und durch die Gerbstoffe nicht erreicht wird und die weder die wichtigen Ledereigenschaften verändert noch weitere Bearbeitung behindert.


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lederherstellung/faerbung/faerbung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:33 (Externe Bearbeitung)