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Beseitigung ungebundener Stoffe

Die Notwendigkeit der Beseitigung ungebundener Stoffe klingt einfach ist aber ein so wichtiger Vorgang, dass er genauer erklärt werden muss.

Alle Hilfsmittel werden in der Flotte, also in Wasser verteilt, eingesetzt. Sie füllen als Brühe alle Zwischenräume in der Faserstruktur aus und transportieren so die notwendigen Chemikalien an die Stellen in der Haut, wo sie ihre Wirkung tun sollen. Diese Reaktionsstellen in der Haut sind aber ungleichmäßig verteilt und wir müssen in der Regel einen Überschuss an Hilfsmitteln anbieten, um sicher zu sein, alle Bindungsmöglichkeiten erreicht zu haben. Der ungebundene Anteil, ebenso im Leder wie in der Flotte verteilt, würde nachfolgende chemische Behandlungen stören und in vielen Fällen unmöglich machen durch gegenseitige Ausfällung unterschiedlich geladener Stoffe. Bei einer Trocknung der Leder würden die gelösten ungebundenen Stoffe mit dem Flüssigkeitsstrom zur Oberfläche wandern und dort als Salze zurückbleiben, wenn der Wasseranteil verdunstet. Die Anhäufung von Salzen mindert die Qualität des Leders und kann im Gebrauch als Salzrand oder durch Verfärbung stören. Bei Schuhen und Lederbekleidung ist die Farbwirkung insbesondere ungebundener Gerb- und Farbstoffe sehr lästig.

Zu den im Wasser verteilten Stoffen, die die weitere Bearbeitung stören, kommen häufig noch Falzspäne an der Lederoberfläche, die ebenfalls entfernt werden müssen. Dazu werden die nur gegerbten oder auch entwässerten und in der Stärke regulierten Leder gewaschen. Das früher übliche Spülen im Fass mit zu- und abfließendem Wasser hat sich nicht so bewährt. Zum Waschen werden die Leder in einer bestimmten Wassermenge einer bestimmten Temperatur eine bestimmte Zeit lang bewegt und dann die Flotte abgelassen. Dieser Vorgang kann bei Bedarf wiederholt werden. Schwere, pflanzlich gegerbte Leder will man nicht so stark bewegen und hängt sie dann in eine Grube mit Wasser und belässt sie 1-2 Tage darin.

Sind die ungebundenen Stoffe ausgewaschen, haben wir für das Einbringen weiterer Hilfsmittel wie Farbstoffe, Fettungsmittel, Nachgerbstoffe gute Voraussetzungen geschaffen.

Im Falle der Chromleder besteht jedoch ein besonderes Problem durch die Ladung dieser Leder. Die kationische Ladung der meisten mineralgegerbten Leder bewirkt, dass anionische Färb-, Fett- und Nachgerbstoffe sehr schnell und ungleichmäßig auf der Oberfläche der Leder gebunden würden, noch ehe sie in das Innere eindringen könnten. Im Interesse der Gleichmäßigkeit muss deshalb diese Ladung abgebaut werden. Der Gerber spricht hier von der Neutralisation oder Entsäuerung der Chromleder und bringt damit zum Ausdruck, dass er den sauren - kationischen - Ladungszustand des Leders vermindert oder sogar beseitigt. Dazu werden die Leder in angemessener Flottenlänge (100 - 200 % auf Falzgewicht) von 35 - 40° C mit milden Alkalien, Salzen organischer Säuren oder speziellen synth. Neutralisationshilfsmitteln behandelt. Die Dauer richtet sich bereits nach der angestrebten Lederart und der Lederdicke. Das Ende der Entsäuerung wird durch eine Farbreaktion mit dem Indikator Bromkresolgrün im Lederquerschnitt geprüft, wobei die Farbe sich von gelb über grün nach blau verändert und so jeweils über die erreichte Tiefenwirkung und Intensität Auskunft gibt. Bei dieser Entsäuerung entstehen durch die von der Chromgerbung stammende Säure und die Neutralisationsmittel wiederum Salze, weshalb sich ein Waschen nach der Entsäuerung empfiehlt.



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lederherstellung/beseitigung_ungebundener_stoffe.txt · Zuletzt geändert: 2019/04/28 13:26 von admin