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Schwöde

Die Schwöde wird vor allem zur Gewinnung der Wolle bzw. Haare bei der Verarbeitung von Schaf- und Ziegenfellen eingesetzt; das anfallende Hautmaterial wird - wie schon erwähnt - dann zu Leder weiterverarbeitet.

Die angewandte Methode ist die sogenannte:

Fleischseitenschwöde:

Auf die nach der Größe sortierten Felle wird ein Brei aus Weißkalk, Natriumsulfid bzw. anteilig oder vollständig ersetzt durch Natriumsulfhydrat oder Kalziumsulfhydrat und Wasser auf die Fleischseite (daher der Name Fleischseitenschwöde) mit einem Auftragebesen oder einer Schwödeauftragemaschine aufgebracht. Da in den Flämen die Chemikalienlösung des Schwödebreies leichter in die Haut eindringen kann als in den übrigen Teil der Haut, wird beim Auftragen mit dem Besen (also von Hand) in den Flämenpartien weniger Brei aufgetragen. Bei maschinellem Auftrag - die Maschine kann den Brei über die Fläche der Haut nur gleichmäßig auftragen - wird nach dem Auftrag aus den Flämenpartien von Hand der Brei wieder etwas entfernt; dadurch wird ein gleichmäßiges Eindringen der Äscherchemikalien des Schwödebreies in die Haut von der Fleischseite her bis zu den Haarwurzeln erzielt und ein gleichmäßiger Haarangriff an diesen Stellen und damit eine gleichmäßige Haarlockerung erreicht. Nach Auftrag des Schwödebreies werden die Felle entweder Fleischseite auf Fleischseite und Haarseite auf Haarseite oder über die Rückenlinie zusammengelegt gestapelt. Nach erfolgter Haarlockerung wird von Hand über dem Gerberbaum oder maschinell auf der Enthaarmaschine enthaart (die Wolle bzw. Haare werden gewaschen, getrocknet und sind dann zum Verkauf bereit). Das enthaarte Hautmaterial ist nicht oder nur wenig, je nach Schwödebreizusammensetzung, gequollen und aufgeschlossen.

Um dem Hautmaterial eine Schwellung zu geben und dieses aufzuschließen, kommt dasselbe anschließend ohne vorheriges Waschen in einen Nachäscher aus Weißkalk und wenig Anschärfmittel. Diese geringe Menge an Anschärfmittel soll dazu dienen, um den Hautaufschluss etwas zu beschleunigen und eine notwendige Quellung, die höher sein soll als diejenige, die der Weißkalk allein bringt, zu erzielen. Bei manchen Lederarten genügt diejenige Menge an Äscher-Anschärfmitteln, die nach der Enthaarung noch am Hautmaterial haften bleibt.

Will man eine etwas stärkere Nachäscherwirkung erzielen, muß man noch geringe Mengen an Anschärfmitteln, d. h. etwa bis 0,5 % Schwefelnatrium (60%-ig), bezogen auf Gewicht des enthaarten Hautmaterials, einsetzen.

Zusammensetzung des Schwödebreies:

Die Zusammensetzung des Schwödebreies richtet sich nach der Dauer, die die Schwöde haben soll, nach der Temperatur, bei der die Schwöde durchgeführt wird.

Pro 100 l Schwödebrei können eingesetzt werden:

  • Schwefelnatrium (60%-ig): zwischen 2,5 - 10 kg; die Lösung desselben in Wasser ist die eigentliche haarlockernd reagierende Substanz.
  • Weißkalk: bis 60 kg (kann durch Kaolin ersetzt werden); dieser Weißkalk bzw. das Kaolin dient nur als Verdickungsmittel.
  • Wasser: Rest auf 100 l.
  • Schwödedauer: Je nach Temperatur und Schwefelnatriumkonzentration beläuft sich die Dauer auf 1-2, höchstens bis 24 Stunden.

Bei der Herstellung von Boxcalf wird die sogenannte Haarseitenschwöde durchgeführt. Hier wird die narbenverschönende Wirkung des Schwödeprozesses ausgenützt. Ansonsten gilt dasselbe wie für die Fleischseitenschwöde.

Dauer des Nachäschers:

Boxcalf 2-3 Tage
Handschuh- bzw. Bekleidungslederbis 10 Tage

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lederherstellung/aescher/schwoede.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:33 (Externe Bearbeitung)