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Stellung der Haut

Die Stellung der Haut beschreibt die flächenmäßige Verteilung von Kernfläche zu Hals- und Bauchfläche. Damit soll die ausnutzbare Kernfläche in ein Verhältnis gesetzt werden. Rinder haben unterschiedlich große Kernflächen in Abhängigkeit der Rasse, Alter, klimatische Verhältnisse, Geschlecht, Aufzucht und Haltung. Die süddeutsche Rohhaut (Rind) gilt als besonders gut gestellte Rohware mit einem Anteil von mind. 50 % Kernfläche und mehr (besser gestellte Rohware = > 50 %) und die norddeutsche Rohhaut (Rind) gilt als schlechter gestellte Rohware mit < 50 % Kernfläche. Die ausnutzbare Kernfläche ist aufgrund der mehr oder weniger histologisch homogenen Hautsubstanz einheitlicher in den physikalischen Echtheiten.

Die Flächeneinteilung der Haut, die Stellung der Haut und die Hautqualität, die Crouponage

Im Hinblick auf die gerberische Verwendbarkeit liegen in den verschiedenen Hautarten nicht nur in Größe und Dicke erhebliche Unterschiede vor; vielmehr liefert jede Hautart durch ihre differenzierte Narbenbeschaffenheit, ihr Fasergefüge und anderes ihr charakteristisches Leder. Selbst bei der gleichen Tierart ergeben sich ganz unterschiedliche Eigenschaften der einzelnen Häute, je nach ihrer Herkunftsart, Rasse, Lebensweise, Alter und Geschlecht. Nur die genaue Kenntnis all dieser Faktoren versetzt den Gerber in die Lage, die für seine Produktion besonders geeignete Rohware auszuwählen und entsprechend zu verarbeiten. Die einzelnen Teile der tierischen Haut können dabei infolge ihrer verschiedenen Struktur, über die Fläche hinweg gesehen, nicht als gleichwertig angesehen werden. Daraus ergibt sich

die Flächeneinteilung der Haut:

Crouponage:

Der Gerber richtet sich im allgemeinen beim Crouponieren der Haut nicht nach der theoretischen Grenzlinienführung zwischen den einzelnen Teilen der Haut, Kern, Seiten und Hals: Die Grenzlinie des Croupons gegen die Seiten hin verläuft als Verbindungslinie der Ansatzstellen der Vorder- bzw. Hinterklauen. Die Grenzlinie des Croupons gegen den Hals zu bildet die Verbindungslinie der Ansatzstellen der Vorderklauen zum Bauch zu.

In der Praxis jedoch verfährt man folgendermaßen: Als Trennlinie der Seiten vom Croupon nimmt man hier den Verlauf der theoretischen Grenzlinie, da diese schnell und sicher abtastbar ist, und zwar deswegen, weil an dieser Stelle ein deutlicher Strukturfestigkeits- und Dickenabfall des Croupons zu den Seiten hin vorliegt.

Oder man nimmt die Verbindungslinie der Haarwirbel, die sich bei den Vorderklauen und bei den Hinterklauen befinden und ebenfalls an der theoretischen Grenzlinie liegen, als Schnittlinie.

Die Trennlinie zwischen Croupon und Hals wird in der Praxis folgendermaßen gefunden:

Liegt die Haut unköpfig vor, teilt man die Rückenlinie vom Schwanz bis zum Ende des Halses zum Kopf zu in drei Teile und nimmt für den Hals etwa 1/3, für den Croupon 2/3. Liegt die Haut köpfig vor, gilt dies jedoch nicht, da sonst der Hals zu klein ausfallen würde. Man muss sich hier nach den Ansatzstellen der Vorderklauen gegen den Bauch zu richten.

In der Regel macht das Gewicht des Croupons etwa 50 % des Gesamtgewichtes der Haut aus. Die Größe der einzelnen Teile wird in den Betrieben den oft unterschiedlichen Erfordernissen angepasst, und so können sich folgende Gewichtsverhältnisse in % auf das Salzgewicht der Gesamthaut ergeben:

Bodenleder und Oberleder:

Croupon 44-48 %
Flanken 28-32 %
Hals 20-26 %

Vachetten, Riemenleder:

Croupon 55-60 %
Flanken 20-25 %
Hals 20-25 %

Neben der flächenmäßigen Aufteilung der Haut kann diese, je nach Tierart oder gewünschter Lederart, in der Dicke in zwei Schichten gespalten werden. Hierbei erhält man dann:

Die obere Schicht mit dem Narben, den Narbenspalt, aus dem die wertvolleren Narbenleder hergestellt werden (z. B. Vollrindleder), und die zur Fleischseite hin liegende Schicht, den Fleischspalt. Auch aus diesem Spalt kann man Leder herstellen, so z. B. das sogenannte ASA-Leder (Arbeitsschutzartikel-Leder) oder Futterleder sowie Bekleidungsleder (z. B. für Lederhosen).

Besonders dicke Häute, wie z. B. die dicken Bullenhäute, kann man auch in drei Schichten spalten; dies ergibt dann den Narbenspalt, den Mittelspalt und den Fleischspalt. Dieses Spalten wird entweder nach dem Äscher (oder wie man sagt „in der Blöße“) vorgenommen oder nach erfolgter Chromgerbung.

Der Kern oder Croupon

setzt sich aus dem Rücken, dem Schild und der Kratze zusammen und macht ungefähr 50 % der Gesamtfläche der Haut aus. Er zeichnet sich durch ein dichtes Fasergefüge sowie eine weitgehend gleichmäßige Stärke aus, die nach dem Hals und den Seiten hin abnimmt.

Hals

besteht aus dem eigentlichen Halsteil und dem Kopf (der sich aus Stirn und Backen zusammensetzt), wenn „köpfig“ abgezogen wird. Wenn „unköpfig“ abgezogen wird, fehlen Teile der Haut, die den Kopf bedecken. Das Fasergefüge dieses Teils der Haut ist von lockerer Struktur.

Seiten

auch Flanken oder Bäuche genannt, seitlich an den Croupon sich anschließend, bestehen aus dem eigentlichen Bauchteil der Haut, den Vorder- und Hinterklauen der Haut und den Vorder- und Hinterflämen. Diese Seiten sind meistens dünner als der Kern und haben immer eine losere Struktur als dieser, wobei die Flamen die lockerste Struktur aufweisen.

Soweit die Haut im ganzen bzw. in der Rückenlinie zerschnitten und verarbeitet wird, spricht man von einer ganzen Haut bzw. von halben Häuten. Mitunter werden die Seitenteile abgeschnitten, dann nennt man den Restteil der Haut: Hecht. Wird dieser Hecht in der Rückenlinie zerschnitten, nennt man die beiden entstehenden Teile halbe Hechte. Mancherorts nennt man diese zwei Teile Hecht, ungeteilt jedoch Doppelhecht. Dasselbe gilt auch für den Croupon. Seiten und Halsteile werden in der Gerbersprache auch abfällige Teile oder Abfall genannt.

(Bei Rosshäuten bezeichnet man den hinteren Rückenteil, also den Schild, als Croupon und hat ihn infolge seiner besonderen Struktur und Eigenschaften mit Spiegel bezeichnet. Die übrigen Teile, also auch etwa 2/3 des Rückenteils, werden bei der Roßhaut als Abfall bezeichnet.)

Das Trennen des wertvollen Kerns von dem übrigen Teil der Haut, also vom Hals und den Seiten, nennt der Gerber „crouponieren“ oder „Crouponage“, ein Vorgang, der schon an der rohen Haut oder auch erst im Blößenzustand, neuerdings auch erst nach der Chromgerbung, vorgenommen wird.

Die Stellung der Haut und die Hautqualität

Da innerhalb der gleichen Tierart, das gilt vor allem für die Rindshaut - bei anderen Tierarten wird dieses kaum beachtet - die Größe der verschiedenen Teile der Haut unterschiedlich sein kann, hat man zur Charakterisierung der Größenunterschiede der verschiedenen Hautteile, Kern, Hals, Flanken, folgende Definition gewählt:

Die Stellung der Haut:

Das ist das Verhältnis der Fläche des Croupons zur Gesamtfläche der Haut bzw. zur Fläche von Hals plus Seiten. Ist die Haut normal gestellt, beträgt die Fläche des Croupons etwa 50 % von der Gesamthaut. Ist die Haut schlecht gestellt, liegt dieser Wert unter 50 % und ist die Haut mit gut gestellt zu bewerten, liegt dieser Wert über 50 %.

Diese Stellung der Haut, aber auch die Hautqualität, und da besonders die Strukturfestigkeit und die Feinheit des Narbens, werden von den verschiedensten Faktoren beeinflusst:

Alter des Tieres:

Je älter das Tier ist, von dem die Haut stammt, umso schlechter gestellt ist die Haut, umso lockerer sind die Struktur und umso gröber der Narben,

Geschlecht des Tieres:

Die Häute weiblicher Tiere haben immer eine dichtere Struktur und einen feineren Narben als die Häute von männlichen Tieren.

Geschlechtstätigkeit des Tieres:

Je öfter ein männliches Tier zur Deckung herangezogen wurde bzw. je öfter ein weibliches Tier gekalbt hat, desto schlechter wird die Haut. In Abhängigkeit vom Geschlecht des Tieres und dessen Geschlechtstätigkeit ergibt sich folgende Bezeichnung für die Hautarten:

Kalbfell

(Kalb, Stierkalb mit entsprechender Hautqualität), die Haut des heranwachsenden Rindes,

Rindhaut

(Färse), die Haut des ausgewachsenen, geschlechtsreifen weiblichen Tieres, das noch nicht gekalbt hat. (Hier ist zu unterscheiden zwischen der Bezeichnung Rindhaut - siehe oben - und der Bezeichnung Rindshaut; letztere gilt als Bezeichnung für die Häute der Tierart Rind im gesamten),

Kuhhaut

die Haut des erwachsenen, geschlechtsreifen weiblichen Tieres, das ein- oder mehrmals gekalbt hat. Je öfter die Kuh getragen hat, umso schlechter ist deren Haut,

Stierhaut

die Haut des ausgewachsenen, geschlechtsreifen männlichen Tieres,

Bullenhaut

die Haut des ausgewachsenen, geschlechtsreifen männlichen Tieres, das ein- oder mehrmals zur Deckung herangezogen worden war. Auch hier ist die Haut umso schlechter in der Stellung und Struktur, je öfter diese Deckung erfolgt war,

Ochsenhaut

die Haut des ausgewachsenen, geschlechtsreifen männlichen Tieres (also eigentlich des Stieres), das kastriert wurde. Die Haut des Ochsen ist im allgemeinen fester strukturiert, feinfaseriger und feinnarbiger als die Haut des Stieres.

Altschneider

ist die Haut eines Bullen, der kastriert wurde. Diese Haut ist von entsprechender Qualität.

Von der Ernährung:

Je mehr das Tier mit Grünfutter gefüttert wurde, desto besser gestellt, desto besser ist die Struktur der Haut.

Von der Zuchtrichtung:

Wird ein Tier hauptsächlich auf Milcherzeugung gezüchtet (Mastmilchvieh), so ist die Haut dieses Tieres von schlechter Stellung und von lockerer Struktur. Dasselbe gilt auch für die Zucht auf Mastfleischerzeugung. Dient ein Tier zur Fleisch- bzw. Milcherzeugung, ohne dass diese beiden Faktoren besonders betont sind, ist die Haut solcher Tiere von guter Stellung und fester Struktur.

Von der Haltung des Tieres:

Weidevieh hat immer eine bessere Stellung der Haut und eine festere Struktur derselben als die Häute von Tieren, die im Stall stehen.

Vom Klima, in dem die Tiere leben:

Die Haut von Tieren, die in kaltem, rauem Klima sich befinden, ist immer von besserer Struktur und Stellung als die Haut von Tieren, die in weniger rauen klimatischen Verhältnissen sich aufhalten.

Rasse des Tieres:

So gibt es ausgesprochene Milchrassen (z. B. das norddeutsche schwarzbunte Niederungsvieh, auch Friese oder Holländer genannt, mit entsprechender Hautqualität) oder ausgesprochenes Fleisch- und Milchvieh, wobei diese Faktoren nicht besonders betont werden, wie z. B. das süddeutsche Höhenfleckvieh (Simmentaler).


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lederbegriffe/stellung_der_haut.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 11:58 (Externe Bearbeitung)