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Anschwöden

Anschwöden

Anschwöden ist ein Haarlockerungsverfahren, wobei die Häute und Felle mit einem Brei aus gelöschtem Kalk und einem Anschärfungsmittel wie Schwefelnatrium bestrichen werden. Diese Methode wird dort angewendet, wo die Haarlockerung schnell vor sich gehen oder das Haar (Wolle) geschont werden soll. Im ersteren Falle trägt man den Schwödebrei auf die Haarseite auf, wo dann aber das Haar mehr oder weniger versulzt / zerstört wird. Haarerhaltend wird der Brei auf die Fleischseite aufgetragen. Bei Verarbeitung von Lamm- und Schaffellen, wo die Wolle genutzt werden kann, wird das Entwollen mit dem Anschwöden oder auch mit Schwitzen vorgenommen. Zum Auftragen des Schwödebreies bedient man sich eines kurzstieligen Reiserbesens oder eines Schwödewedels, den man sich aus den langen Haaren des Ochsenschwanzes und aus Werg zusammenbindet.


Der Anschwödebrei wird in verschiedener Weise bereitet und zwar je nach der Hautsorte, die man verarbeitet und der Ledersorte, die man herstellt.

Sohlleder

Bei Häuten zu Sohlleder trägt man auf die Haarseite einen Brei aus Kalk und Schwefelnatrium. Man breitet die Häute auf den Boden flach und mit der Haarseite nach oben aus und bestreicht sie mit dem Brei, wobei man auf jene Stellen, die erfahrungsgemäß am schwersten haarlässig sind, wie Kopf, Klauen usw., mehr Brei aufträgt.

Nach dem Anschwöden schlägt man Kopf, Klauen, Schwanz und zuletzt die Seiten ein, faltet die ganze Haut zusammen und legt sie in Stapel. Ein Antrocknen darf nicht stattfinden, weshalb man den Stapel mit einer nassen Haut bedeckt. Sobald die Häute haarlässig sind, was je nach der Stellung und dem Alter in 12 bis 20 Stunden der Fall ist, werden sie enthaart.

Zu diesem Zweck gibt man die Häute in ein Faß und walkt sie darin unter ständigem Spülen mit etwa 30° C warmem Wasser 10 bis 15 Mimten lang, und haart noch, wenn nötig, auf dem Bock mit dem Haareisen ab. Bei diesem Verfahren wird das Haar allerdings zerstört, es besitzt aber eben auch keinen wirtschaftlichen Wert. Da aber die Mischung / Brei nicht in den Hautquerschnitt eindringt, findet auch kein Hautsubstanzverlust statt. Das ist bei der Bodenlederherstellung ein wichtiger Aspekt.

Selbstverständlich wird beim Anschwöden die Haut nicht geschwellt, und wenn man eine Schwellung benötigt, so gibt man die enthaarten Blößen noch in einen Schwelläscher, der mit frischem Kalk angesetzt wird.

Kleintierfelle

Bei kleinen Fellen zu Ober- und Handschuhleder, so bei Schaf-, Lamm- und Ziegenleder, wird der Schwödebrei auf die Fleischseite aufgetragen, damit die Wolle nicht leidet und ein feiner, milder Narben erzielt wird.

Man breitet die Felle mit der Wolle nach unten auf dem Fußboden in einer Reihe aus, legt eine zweite Reihe dachziegelförmig auf dieselben auf und schreitet so fort, bis ein etwa 1 m hoher Stapel erreicht wird. Dann bestreicht man die Fleischseite mit dem Schwödebrei, und zwar zunächst die oberste Reihe, schlägt die Felle zusammen und legt sie im 6er oder 12er Schlag zusammen.

Nach etwa 4 - 6 Stunden sind die Felle haarlässig und können auf dem Baum oder einer geeigneten Enthaarmaschine enthaart werden.



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lederbegriffe/anschwoeden.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/02 14:33 von admin