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Lederpflege

Beginnend mit dem Prozess der Gerbung, bei dem sich die Gerbstoffe fest mit dem Hauteiweiß verbinden, sind alle Folgearbeiten der Lederherstellung ebenfalls darauf ausgerichtet, ein dauerhaft haltbares Produkt herzustellen. Diese Aussage gilt auch für die Oberflächengestaltung und Oberflächenbearbeitung. Von grundlegender Bedeutung ist aber, dass der vorgesehene Verwendungszweck des Leders dem Hersteller bekannt ist, so dass alle Arbeiten am Leder

darauf abgestimmt werden, und dass dann auch der Einsatz des Leders richtig erfolgt. Werden Leder außerhalb ihres vorgesehenen Verwendungsbereiches verarbeitet, dann können unvorhersehbare Einflüsse auf das Leder einwirken. Es entstehen oberflächliche oder auch

tiefer greifende Veränderungen, die bei einem Gebrauch zu Schwierigkeiten führen können.

  • Das Leder ist also für sich nicht als Zwischen-, sondern bereits als Endprodukt anzusehen, das bei sachgerechter Weiterverarbeitung von der Lederherstellung her auf die späteren Gebrauchseinflüsse eingestellt ist.

Je nach der Benutzungsart und der dabei erfolgenden Beanspruchung wird aber trotzdem eine Lederpflege erforderlich. Die Zeitabschnitte zwischen den einzelnen Pflegearbeiten, deren Auswahl und Intensität hängen dabei von der Art und dem Grad der Anschmutzung ebenso ab wie von eventuellen Abnutzungen im Oberflächenbereich oder z.B. der Durchdringung des Leders mit Wasser bzw. aggressiveren Lösungen (Streusalz usw. ) Alle in der Folge notwendigen Prozesse der Lederpflege müssen sich an dem Ledertyp ausrichten und auf die erfolgten Benutzungseinwirkungen eingestellt sein. Grundsätzlich wird jeder Pflegevorgang mit einer sorgfältigen Säuberung des Leders eingeleitet. Dabei sollen Anschmutzungen entfernt und auch eventuelle Pflegemittelreste von früheren Bearbeitungen beseitigt werden. Die Aufgabe der sich anschließenden Pflege wird es in der überwiegenden Anzahl sein, das Aussehen des Leders wieder dem Neuzustand anzugleichen, Gebrauchsspuren zu beseitigen und das Leder für die neuen Beanspruchungen auszurüsten. Darunter ist eine Schmutz- oder wasserabweisende Behandlung ebenso zu verstehen wie in bestimmten Fällen auch eine fettabstoßende oleophobe Imprägnierung.

Lederpflege ist damit bei den meisten Lederarten eine reine Oberflächenbehandlung, die aber bei regelmäßiger und sachgerechter Anwendung auch Einfluss auf die Verwendungsdauer des Leders haben wird. Nur bei wenigen Ledern wird das Pflegemittel oder zumindest seine hauptsächlichen Anteile in das Lederinnere eindringen müssen, um auch dort den Ausgangszustand nach dem Gebrauch wieder herzustellen. Bei diesen Lederarten handelt es sich um Strapazierleder bei Berg- und Wanderstiefeln, Geschirr- oder auch bestimmten technischen Ledern usw. Tiefgreifende Pflege benötigen Leder auch bei Restaurierungsarbeiten, z.B. von alten Bucheinbänden, Museumsgegenständen usw.

Bei Ledern, die einer chemischen Reinigung unterzogen worden sind, gehört die Aufarbeitung mit zu den grundsätzlichen Arbeitsgängen. Die dabei stattfindende Wiederauffettung ist aber ebenso wie das Aufbringen eines Glanzlüsters oder einer hydrophoben Ausrüstung als Pflege des Leders anzusehen

Immer wird aber, wenn eine spätere Lederpflege wirklich erfolgreich sein soll, die Grundausrüstung des Leders vor der Weiterverarbeitung wichtig sein. Nur während der Prozesse der Lederherstellung ist das Leder in seiner ganzen Dicke von den einzubringenden Stoffen und Hilfsmitteln erreichbar, so dass z. B. eine gute Wasserundurchlässigkeit nur dann erzielt werden kann. Die Nachbehandlungen erreichen später nur noch die Außenschichten, wobei natürlich die Oberflächenbeschaffenheit des Leders (z. B. Zurichtungen usw.) eine Rolle spielt.

Lederpflege als zusammenfassende Vorbetrachtung

Es ist das Bestreben einer sachgemäßen Ledererzeugung, aus dem zur Verfügung stehenden Rohmaterial Leder bestmöglicher Qualität herzustellen. Die Aufgabe einer sachgemäßen Lederpflege ist es, die günstigen Eigenschaften der erzeugten Leder im Gebrauch möglichst lange zu erhalten, denn der Gebrauchswert eines Schuhes oder Ledermantels, eines Ledersessels oder einer Ledertasche wird nicht nur durch die Lederqualität allein bestimmt, sondern er wird auch durch eine zweckentsprechende Pflege maßgebend beeinflusst. Dabei spielt die Verwendung einwandfreier Pflegemittel eine ebenso große Rolle wie eine sachgemäße Reinigung, denn Leder und daraus hergestellte Gebrauchsgegenstände unterliegen beim Tragen einer natürlichen Abnutzung und Verschmutzung.

Grundsätzlich kann man bei den Lederpflegemitteln zwei Gruppen unterscheiden und zwar solche mit Tiefenwirkung und solche mit Oberflächenwirkung.

Zu den Schuh- und Lederpflegemitteln mit Tiefenwirkung gehören die Lederöle und -fette, wie sie im wesentlichen zur Pflege von schwerem Arbeitsschuhwerk und evtl. auch von Ski- und Wanderstiefeln Verwendung finden. Sie haben den Zweck, dem Leder zur Erhaltung seiner weichen und geschmeidigen Beschaffenheit und zur Verbesserung seiner Wasserdichtigkeit geeignete Fettstoffe zuzuführen. Entsprechend ihrer Aufgabenstellung sollen diese Lederöle und -fette gut in die betreffenden Leder einziehen, um ihre Schmierwirkung ausüben zu können und keine Fettschicht auf den Schuhen etc. zurücklassen. Normale Straßen- und Feinlederschuhe sowie Lederwaren werden sachgemäß mit Schuhcreme oder Wachsemulsion gepflegt, die typische Pflegemittel mit Oberflächenwirkung sind. Sie sind Produkte, die in erster Linie den Zweck haben, die Lederoberfläche zu verschönern, ihr einen guten Glanz zu geben, ein Unansehnlichwerden durch Verunreinigungen wieder auszugleichen und durch eine möglichst glatte Oberfläche das Anhaften von Staub und Schmutz und im Winter von Schnee und Eis zu vermindern bzw. zu erschweren.

Diese Schuhcremes bilden - und das ist ihre Hauptwirkung - auf der Lederoberfläche einen Wachsfilm, der bei einer guten Haftung genügend elastisch sein muss, um bei Knickungen des Leders, beispielsweise in den Gehfalten des Schuhes, nicht abzublättern.

Diese Schuhpflegemittel mit Oberflächenwirkung lassen sich wiederum in drei Gruppen einteilen:

  1. Ölware
  2. Emulsionsware oder Mischware
  3. Wasserware

1. Ölware

Die reine Ölware ist bekannt als Schuhcreme in Dosen (Hartwachspasten) . Hier sind Wachse in bestimmt aufeinander abgestellter Kombination zusammengefügt (z.B. Naturprodukte wie Bienenwachs, Carnaubawachs oder Japanwachs, aber auch synthetische feste Fettprodukte, wie Paraffin und Stearin). Diese genannten Wachse werden je nach der gewünschten Farbe mit löslichen Farbstoffen angefärbt. Durch Zusätze geeigneter Lösungsmittel z.B. Terpentinöl bzw. Benzin werden sie weichgemacht. Diese Ölware wird ausschließlich zur Pflege von Oberledern verwendet, die eine Zurichtung tragen. Dabei kann es sich um Kasein-, Kollodium- oder auch Polymerisat (Kunststoff) -Deckschichten handeln.

Diese besprochenen Mittel, die auch als Dosenware bezeichnet werden, dürfen nicht zur Pflege von ungedeckten Ledern verwendet werden, da sie zur Fleckenbildung Anlass geben können. Hier sollten vielmehr andere Typen der Schuhpflegemittel zur Anwendung kommen, die sogenannte

2. Emulsionsware oder Mischware

Dabei handelt es sich um flüssige Mischungen von Wachs, Terpentinöl (Schwerbenzin), Wasser und Emulgatoren.

3. Wasserware

Für feinere Leder wird dann noch die reine Wasserware angeboten, bei der Wachse in Wasser emulgiert werden. Damit können fast alle Arten von Anilinleder gepflegt werden, ohne dass Schwierigkeiten zu erwarten sind.

Zu dieser Schuhpflege ist noch grundsätzlich zu sagen, dass die Schuhe vor dem Auftragen des jeweiligen Pflegemittels, das zweckmäßigerweise mit einem Lappen vorgenommen wird, gut gesäubert sein sollten. Das neue Pflegemittel erzeugt einen sauberen Wachsfilm auf dem Leder, der sich nach einer kurzen Verweilzeit zum Verdunsten des Lösungsmittels oder des Wassers nach der Filmbildung in entsprechender Weise polieren und glänzen lässt. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass das Leder nicht völlig verschmiert und vor allen Dingen bei der Anwendung der Pflegemittel mit Tiefenwirkung nicht im Inneren verklebt wird, da sonst das tragehygienisch wichtige Aufnehmen und Abtransportieren des Wasserdampfes der Fußfeuchtigkeit vermindert werden. Neben den ungedeckten und gedeckten Ledern ist es auch wichtig, die Rauleder (Wild- oder Velour- und Nubukleder) entsprechend zu pflegen. Hierbei dürfen allerdings keine Fette oder Wachse eingesetzt werden, da sonst eine Verklebung des Flors eintreten würde. Vielmehr verwendet man zur Farbauffrischung sog. Wildleder-Dressings, d. h. Mit Farbstoffen versetzte alkoholische Flüssigkeiten, die in das Leder eindringen und nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder verdunsten. Die Farbstoffe bleiben im Leder haften, das dadurch wieder ein gleichmäßiges, schönes Aussehen erhält. In den letzten Jahren haben sich zur Pflege von Rauleder die sogenannten Aerosolprodukte (sie werden in druckfesten Sprühdosen angeboten) immer mehr durchgesetzt.

Neben diesen Oberledern gibt es noch eine Reihe speziell zugerichteter Schuhleder, wie Lackleder, Pelzleder, matte Leder, die einer besonderen Behandlung bedürfen.

Pflege von Lackleder

Was die Pflege von Lackleder betrifft, so dürfen diese nicht mit einer normalen Schuhcreme behandelt werden, da sich sonst die Lackschicht verschmiert und blind wird. Für diesen Fall werden seitens der Schuhpflegemittel-Industrie sog. Lacköle in Flaschen, Lackgelees in Tuben oder auch Lacksprays in Sprühdosen angeboten. Sie alle, dünn aufgetragen, geben dem Lackleder einen spiegelnden Glanz.

Pflege von Pelzleder:

Zur Pflege von Pelzleder verwendet man farblose Spezialpflegemittel in Sprühdosen, sog. Fell-Sprays, die das Leder wasserabstoßend und unempfindlich gegen Fleckenbildung machen.

Pflege von Schrumpfleder, Chagrinleder und Mattleder

Für Leder mit mattem Charakter, wie Schrumpf-, Chagrin- und Mattleder, empfehlen die Pflegemittelhersteller besondere Spezialpräparate. Es sind Emulsionen aus weichen, mattierenden Wachsen, Lösungsmitteln und Wasser. Diese reinigen das Leder und frischen zugleich die Farbe auf.

Neue Schuhe eincremen?

Neue Schuhe sollte man nur dann vor dem Tragen dünn eincremen oder mit einem imprägnierenden Aerosolsprühmittel behandeln, wenn die bestehende Ausrüstung (Hydrophobierung) nicht ausreichend ist und Wassertropfen zu Flecken oder Durchdringung von Feuchtigkeit führen würden. Ein Tropfentest am Rand des Schuhs zeigt entweder einen Abperleffekt oder ein beginnendes Eindringen oder Stehen des Wassertropfens. Das Eincremen oder Einsprühen erzielt eine feine Schutzschicht, die ein Eindringen des Staubes verhindert und einer Bildung von Regenflecken vorbeugt. Bei der laufenden Schuhpflege sollen die Schuhcremes bzw. die Wachspräparate mit einem sauberen Tuch dünn aufgetragen und nach einer kurzen Zeit ohne stärkere Druckanwendung nachpoliert werden. Auch nach dem Gebrauch sollten die Schuhe jeweils mit einem Lappen und nicht mit einer Bürste von Schmutz befreit werden.

Pflege von Arbeitsschuhen oder Wanderschuhen und Wanderstiefel

Derbes Schuhwerk, wie schwere Arbeitsschuhe, Wanderstiefel usw., wird gelegentlich mit einem guten Lederfett nachbehandelt, um dem betreffenden Leder die Weichheit und die Wasserdichtigkeit zu erhalten. Am zweckmäßigsten wird dabei das Fett mit dem Handballen kräftig in das Oberleder eingerieben.

Pflege von Rauleder oder Wildleder für Schuhe

Rauleder-Schuhe werden zur Entfernung von Schmutz und speckigen Stellen am besten mit einer Krepp- oder Gummibürste oder auch mit feinem Sandpapier behandelt. Diese Stellen werden dann mit Wildleder-Dressings, Aerosol-Wildlederpflegemitteln usw. aufgefrischt.

Die Wildlederschuhe sollten auch von Zeit zu Zeit und vor allem vor dem ersten Gebrauch - wenn keine ausreichende Grundimprägnierung vorliegt- mit einem Wildlederspray, der Hydrophobierungsmittel enthält, behandelt werden, da hierdurch ein gewisser Schutz gegen Verschmutzung und eine wasserabstoßende Wirkung erzielt werden. Weiterhin wirkt diese Besprühung der Bildung von Salzrändern entgegen.

Pflege von Nappaleder oder Glattleder für Bekleidung

Bei der Lederbekleidung muss man bei der Pflege, wie auch bei der Reinigung, grundsätzlich zwei Typen unterscheiden. Da gibt es zunächst die Nappabekleidung, die noch die natürliche Lederoberfläche, den Narben, besitzt und zusätzlich mit einem schützenden Deckschichtauftrag versehen ist. Nappaleder finden neben modischen Jacken und Mänteln auch für Strapazierbekleidungsstücke (Auto-und Motorrad-Jacken) Verwendung. Viele Träger vertreten die Auffassung, dass in diesem Falle eine besondere Behandlung unnötig sei. Indessen kann man auch hierbei durch eine sachgemäße Behandlung die Schönheit sowie die Lebensdauer des Leders für lange Zeit erhalten. Um dies zu erreichen, reinigt man die Mäntel, Jacken usw. bei Bedarf auf der Oberfläche vorsichtig mit einem neutralen Feinwaschmittel, jedoch ohne Durchfeuchtung des Leders. Nach dem Trocknen bei normaler Zimmertemperatur cremt man das Kleidungsstück mit einem Nappa-Spezialpflegemittel oder mit farbloser Schuhcreme ein und poliert es dann nach.

Pflege von Rauleder für Bekleidung

Der zweite Typ Bekleidungsleder ist die Gruppe der Rauleder; dazu gehören Velour und Nubuk. Zur Pflege dieser Bekleidungsleder gehört nach dem Tragen ein Bürsten mit einem Spezial-Ledertuch, Gummischwamm bzw. Gummituch. Auch das Auffrischen von Zeit zu Zeit mit einem Wildlederspray dient der Pflege. Dadurch wird auch eine gleichzeitig schmutz- und wasserabweisende Wirkung erzielt. Ist jedoch ein derartiges Kleidungsstück trotz aller Sorgfalt unansehnlich geworden, so sollte man auf keinen Fall selbst daran herum experimentieren, sondern es in eine erfahrene Spezialreinigung für Lederbekleidung bringen, wo nicht nur die notwendige fachmännische Reinigung und Nachfettung, sondern auch eine farbliche Auftönung vorgenommen werden kann.

Das Gleiche gilt für verschmutzte Kleidungsstücke aus Narben, bzw. Nappaledern.

Nasse oder nassgewordene Leder und Lederbekleidung

Naßgewordene Lederjacken oder Ledermäntel sind bei Raumtemperatur langsam zu trocknen. Evtl. ist ein Formbügel zu verwenden.

Pflege von Handschuhleder

Bei Handschuhen soll man schon beim Kauf darauf achten, ob es sich um Glacé- oder um Nappaleder handelt. Während ersteres nur mit Waschbenzin gereinigt werden kann, ist letzteres mit milden Spezialwaschmitteln in den meisten Fällen waschbar. Aber auch gilt auf keinen Fall selbst herum experimentieren, sondern lieber eine erfahrene Spezialreinigung für Lederbekleidung aufsuchen, wo die notwendige fachmännische Reinigung und Nachfettung vorgenommen werden kann.

Pflege von Lederwaren Handtaschen Aktentaschen Koffer

Was nun die Pflege von Lederwaren, wie Hand- und Aktentaschen, Koffern usw. betrifft, so ist es hierbei wie bei Schuhen empfehlenswert, diese nur dann vor dem ersten Tragen mit einem geeigneten Pflegemittel zu behandeln, um Schmutz- und Witterungseinflüssen zu begegnen, wenn diese Leder keinen ausreichenden Schutz aufweisen. Auch das ist einfach mit einem Wassertropfen auszuprobieren der bei guter Ausrüstung fleckfrei abperlt und bei schlechter Ausrüstung stehen bleibt oder unter Fleckenbildung eindringt. Aber auch im Gebrauch sollte man diese Ledergegenstände laufend pflegen, wobei jedes gute Lederfachgeschäft entsprechende Mittel empfehlen kann. Selbstverständlich ist auch hier wieder ein grundlegender Unterschied zwischen anilingefärbten und gedeckten Ledern zu machen (Schlangen- und Krokodilleder nicht mit Cremes behandeln). Übrigens sollte man Koffer und auch Ledertaschen usw. möglichst nicht in Plastikbeuteln aufbewahren, da sie sonst - besonders bei etwas feuchter Lagerung bzw. feuchter Witterung - leicht schimmelig werden.

Reinigung von Ledermöbeln

Leder braucht möglichst frische Luft. Ledermöbel sind verhältnismäßig leicht zu reinigen. Wichtig ist, dass das Leder niemals durchfeuchtet werden soll. Die Reinigung erfolgt durch leichtes Abwischen der Oberfläche ohne Reiben oder Scheuern mit einem Schwamm oder weichen Tuch. Als Reinigungshilfe nimmt man destilliertes Wasser, Reinigungsschaum oder spezielle Möbellerderreinigungsmittel. Dann möglichst rasch die Lederoberfläche mit einem Tuch trocken abreiben. Nach vollständiger Trocknung wird mit einem Möbellederpflegemittel nachbehandelt. Bei starken Veränderungen durch Schweiß oder sehr ausgeprägten Verschmutzungen sollte man vor den eigenen Versuchen den Rat eines Reinigers oder Fachhändlers einholen.

Die Einteilung der Lederpflegemittel

Sie erfolgt nach ihrem Anwendungsbereich, so dass in der ersten Ordnung zwischen Glattleder- und Raulederpflegemittel unterschieden werden muss.

Pflegemittel für Glattleder

Zur Pflege von Glattledern wird eine größere Anzahl von Produkten eingesetzt, von der Schuhcreme bis hin zu den Ledersprays. Die Unterscheidung erfolgt dabei nach Art und Zusammensetzung der Pflegemittel, da mit den meisten Typen eine Anzahl von verschieden eingesetzten Ledern behandelt werden kann, deren Ausgangsoberflächeneigenschaften vergleichbar sind.

Ölware:

Die Ölware setzt für den Einsatz eine abgeschlossene Lederoberfläche voraus, die bei dem Auftragen des Mittels einem sofortigen Eindringen der in Lösemitteln gelösten oder angeteigten Fette und Wachse in die oberen Lederschichten Widerstand entgegensetzt. Dadurch wird ein einwandfreies Aufbringen und eine gleichmäßige Verteilung dieses Pflegemittels ohne die Gefahr der Fleckenbildung möglich. Damit ist auch die Bezeichnung Schuhcreme erklärt, da in der Hauptsache Straßenschuhwerk, dessen Lederoberfläche zugerichtet wurde, damit behandelt wird.

Die Zusammensetzung der Ölware ergibt sich aus den Anforderungen, die sich aus der Sicht der zu pflegenden Leder stellen. Es muss sich auf der Lederoberfläche ein in seiner Glanzstufe eingestellter, dünner und gleichmäßiger Film bilden, der trotz der erfolgenden Knickungen des Leders fest auf der Oberfläche haftet und der auch gegen äußere, mechanische Einflüsse sowie gegen Feuchtigkeit stabilisiert ist. Die Auftragsart einer Creme und deren streifen- und fleckenlose Verteilung auf dem Leder setzen eine homogene Zusammensetzung und ein gutes Verbindungsvermögen mit der Lederoberfläche und den möglicherweise darauf noch befindlichen Resten von vorher verwendeten Pflegemitteln voraus. Zum Erhalt dieser Eigenschaften werden dem Wachsgrundkörpcr Lösemittelgemische zugesetzt. Die Basis dazu war früher das Terpentinöl, während heute in deutlicherem Umfang Schwerbenzine mitverwendet werden. Der Siedepunkt der Lösemittelmischungen sollte nicht unter 130°C liegen, wobei deren Anteil an der Gesamtzusammensetzung 60 bis 70 % bei hellfarbig eingestellten Mitteln und bis über 70 % bei schwarzen Cremes betragen kann.

Zur Filmbildung auf dem Leder kommt es durch die Wachssubstanzen, die bei dem Verdunsten der Lösemittel eine Haftverbindung mit der Lederoberfläche eingehen und die sofort oder durch ein Polieren glanzbildend sind. Der Wachsanteil in der Ölware, der sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt, sollte mindestens 25 % betragen, wobei die Höchstgrenzen bei 30 % liegen werden, um den Aufziehprozess nicht durch zu hohe Anteile an Festsubstanz nachteilig zu beeinflussen (Verklebung von Nähten und Ziernahten am Leder, vorzeitige Verhärtung der Auftragevorrichtungen usw.).

Als Wachse werden sowohl natürliche Produkte (Carnaubawachs, Schellackwachse, Bienenwachs, Japanwachs, Candelillawachs usw.) eingesetzt, aber auch fossile Wachse (Montanwachs) und Wachse ohne funktionelle Gruppen (Ozokerit, Polyäthylenwachse usw.) sowie Paraffine. Die Einstellung der Wachs- und der Lösemittelmischung muss so erfolgen, dass über eine richtige Temperaturführung bei der Herstellung des Gemisches und während des Erkaltungsvorganges einheitliche Pasten entstehen, die eine gute Wärmestabilität und eine dem späteren Gebrauch entsprechende Lösemittel-Retention aufweisen.

Die Wärmestabilität soll bei einer Lagerung bei 30°C im geschlossenen Gefäß über 24 Stunden ein Ausschwitzen der Lösemittel verhindern. Die Retention ist das Rückhaltevermögen der Paste für Lösemittel, das ein Austrocknen der Cremes verhindert, da ja auch die Dosen nie ganz dicht sind. Die Prüfung erfolgt durch eine siebentägige Lagerung der offenen Dose bei (23±2)°C. Der Gewichtsverlust sollte dabei höchstens 17 % betragen. Wichtig ist auch, dass dabei keine zu starke Volumenkontraktion stattfindet, d. h., dass sich die Creme nicht von der Dosenwandung löst. Zur Anfärbung der Pasten werden fettlösliche Farbstoffe, die mit Stearin und einem Anteil Lösungsmittel angemischt werden, dem Gesamtansatz zugegeben.

Das Einsatzgebiet der Ölware sind hauptsächlich die Schuhoberleder mit einer Zurichtung, wobei die Art der verwendeten Bindemittel in der Deckschicht keine Rolle spielt. Bei gleichmäßigem und dünnem Schuhcremeauftrag und einem entsprechenden Nachpolieren muss der Wachsfilm fest auf dem Leder haften und darf beim Gebrauch des Schuhes in den Gehfaltenbereichen keinen Grauaufbruch (beginnendes Ablösen der Pflegemittelwachse von der Lederoberfläche) zeigen.

Emulsionsware:

Die Gefahr der Fleckenbildung beim Auftrag der Ölware auf Leder, die keine geschlossene Deckschicht aufweisen, führte zur Entwicklung von zwei weiteren Pflegemitteltypen.

  1. Wasser-in-Öl-Emulsionen

Der Grundansatz ist mit der Ölware vergleichbar, d. h. auch hier werden Wachsmischungen mit Lösemitteln der genannten Arten angeteigt und dann Emulgatoren zugesetzt. Dabei dürfen keine stärkeren Alkalien zum Einsatz kommen, da durch deren längere Einwirkung auf die zu pflegenden Leder Schäden zumindest bei Kaseinzurichtungen eintreten können. Es wird in das fertige emulgatorhaltige Gemisch Wasser eingerührt, wobei der Wasseranteil bis zu 50 %, die Lösemittel etwa 25 % und die Wachse 15 bis 20 % des Ansatzes betragen können. Von großer Bedeutung sind dabei die Eigenschaften der eingesetzten Emulgatoren, die in dem Wachsfilm auf den behandelten Ledern keine zu hohe Wasserzügigkeit erzeugen dürfen.

Der Anwendungsbereich dieser Wasser-in-Öl-Emulsionen umfasst auch den der reinen Ölware. Durch die verringerte Gefahr der Fleckenbildung bei nicht vollständig geschlossenen Zurichtungen können auch Leder mit nur dünnen Deckschichten gepflegt werden. Diese Mittel werden ebenfalls in Dosen oder auch in Tuben angeboten. Die Gefahr der Austrocknung durch die Verdunstung der Lösemittel ist hier wesentlich verringert.

  1. Die Öl-in-Wasser-Emulsionen

haben einen in Richtung der ungedeckten Anilinleder wesentlich erweiterten Anwendungsbereich. Der Übergang der auch hier noch lösemittelhaltigen Wachse in die Lederoberfläche wird durch den äußeren Wassermantel, der die Emulsionströpfchen umgibt, erschwert. Bei der Herstellung werden dem Wachs-Lösemittel-Emulgatorgemisch Wasser und geringe Anteile an Konservierungsmitteln zugesetzt. Je nach der gewählten Zusammensetzung werden cremeförmige Emulsionen (etwa 30 bis 35 % Wasser, 45 bis 47 % Lösemittel, etwa 15 % Wachsanteil und 3 bis 5 % Emulgator) oder aber flüssige Produkte (45 bis 55 % Wasser, 25 bis 27 % Lösemittel, 17 bis 18 %Wachse und etwa 3 % Emulgator) erhalten. Die Anfärbung der Emulsionswaren erfolgt ebenfalls mit fettlöslichen Farbstoffen.

Wasserware:

Ein weiterer Emulsionstyp wurde für empfindlichere Lederarten entwickelt. Es handelt sich hier um eine reine Wasserware, bei der jegliche organischen Lösemittel fehlen. Die Wachse werden mit Emulgatoren gemischt und dann Wasser zugegeben. Dabei entstehen milchige Emulsionen, die sowohl in Flaschen als auch als Schaumprodukte in Treibgasflaschen angeboten werden. Sie werden zur Pflege von Feinlederwaren ebenso verwendet wie bei Lederbekleidung und Ledermöbeln. Eine Grundausrüstung der Leder zumindest mit hydrophobierenden Mitteln sollte aber auch hier vorhanden sein, um jegliche Gefahr einer Flecken- oder Randbildung im Leder auszuschließen. Da die Reibechtheit durch den erhöhten Emulgatorenanteil meist verringert ist, werden fast ausschließlich farblose Produkte der letztgenannten Art angeboten.

Pflege von Rauleder:

Für Rauleder d. h. Velour- und Nubukledertypen, kommen die bisher genannten Pflegemittel - Cremes oder Schaumprodukte - nicht in Frage. Hier werden Sprays verwendet. Die Produkte werden in fein zerstäubter Form als Aerosole aus Sprühdosen eingesetzt. Das austretende, flüssige Treibgas verdampft augenblicklich, so dass die darin gelösten Substanzen in feinster Verteilung mit dem Sprühstrahl auf die Lederoberfläche aufgebracht werden können. Damit ist es möglich, auch empfindliche Leder sehr gleichmäßig zu behandeln, ohne dass die Gefahr von Fleckenbildungen entsteht.

Die Produkte für Rauleder werden sich im wesentlichen auf Hydrophobierungsmittel und Farbsprays beschränken. Die Lederoberfläche ist dabei auch hier schonend durch leichtes Bürsten zu säubern, bevor der Spray aufgebracht wird. Wichtig ist die Einhaltung des richtigen Abstandes der Sprühdose zum Leder, der jeweils von dem Hersteller angegeben wird. Die Palette der heute auf dem Markt angebotenen Ledersprays umfasst aber auch in starkem Maße Pflegemittel für Glattleder, wobei hier die feineren Lederarten im Vordergrund stehen. Daher ist vor jeder Anwendung der Hinweis auf den vorgesehenen Verwendungszweck zu beachten.

Durchführung der Lederpflege:

Die Behandlung der Glattleder hat den meist den Gegenständen beigefügten Pflegeanleitungen zu entsprechen. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach dem zeitlichen Beginn der Pflege der Leder nach dem Kauf, die bei Schuhen immer sofort vorgenommen werden sollte.

Das auf den Ledertyp bezogene Lederpflegemittel wird dabei nach den beim Kauf gegebenen Anweisungen aufgebracht, da beim Tragen von Schuhen gleich mit einer Anschmutzung und auch mit Nässeeinwirkungen gerechnet werden muss.

Andere Gegenstände aus Leder, wie Täschnerartikel, Bekleidungs- und Möbelstücke werden nicht sofort behandelt, sondern kommen so in den Gebrauch, da ein schützender Abschluss unabhängig von der Oberflächengestaltung vom zugerichteten bis zum reinen Anilinleder gegeben sein muss.

Die neuen Schuhe werden möglichst dünn und gleichmäßig eingecremt, damit sich ein einheitlicher Pflegemittelfilm bilden kann. Nach einer kurzen Abtrockenzeit der Lösemittel kann die Oberfläche nachpoliert werden. Bei der weiteren Behandlung der getragenen Schuhe wird die Lederoberfläche zunächst gesäubert. Dazu sollten keine reibenden oder kratzenden Werkzeuge (Messer, harte Bürsten usw.), sondern nur Lappen verwendet werden, die auch leicht angefeuchtet sein können.

Tabelle 43: Unterhalts- und Zwischenreinigung von Möbelleder

BezugUnterhaltsreinigungZwischenreinigung
Anilin-Leder
(ungedeckte Leder)
abstauben. Gelegentlich mit Spezialpflegemittel (farbloses Möbellederspray) behandeln.
Starkes Reiben vermeiden.
Staub: Mit weichem Tuch entfernen.
Stärkere Anschmutzung: Die Reinigung stark benutzter Stellen mit in handwarmem Wasser auf gelöster Neutralseife
durchführen. Ein weiches Tuch mit
dieser Lösung anfeuchten und
großflächig abwischen.
Color-Finish-Leder
(gedeckte Leder)
regelmäßig mit weichem Tuch
abstauben. Gelegentlich mit
Spezialpflegemittel (Lederschaum) nach Gebrauchsanweisung behandeln.
Starkes Reiben vermeiden.
Staub: Mit weichem Tuch entfernen.

Stärkere Anschmutzung:
Mit angefeuchtetem, ausgewrungenem Tuch oder Fensterleder abwischen. Mit weichem Tuch trocknen. Nach Trocknung an der Luft mit Spezialpflegemittel
(Ledermilch oder Schaum) behandeln.
Rauleder
(Velours- und Nubuk- Leder)
gelegentlich mit Staubsauger (weiche Bürste) vorsichtig absaugen. Beanspruchte Stellen z. B. mit Schaumstoffschwamm oder weicher Kleiderbürste aufrichten.Staub: Mit Staubsauger (weicher Bürste) entfernen.

Stärkere Anschmutzung: Mit Bürste aufbürsten und absaugen.
Fleckentfernung aus Möbelleder
BezugFlüssigkeitenSpeisen und Fette
Anilin-Leder
(ungedeckte Leder)
Unverzüglich mit aufsaugfähigem
Tuch oder Papier trocknen,
nicht reiben. Evtl. Nachbehandlung wie bei Gebrauchsschmutz.
Behandlung wie bei stärkerer Anschmutzung, zurückbleibende Fettflecke nicht weiter behandeln, da diese allmählich in das Leder einziehen.
Color-Finish-Leder
(gedeckte Leder)
Wie bei Anilin-Leder behandeln.Sofort abwischen. Nachbehandlung wie bei
Unterhaltsreinigung.
Rauleder
(Velours- und Nubuk-Leder)
Wie bei Anilin-Leder behandeln.
Nach ausreichender Trocknung
mit Bürste aufrauen.
Sofort abwischen und weiter-
behandeln wie bei Anilin-Leder beschrieben.

Stärkere Schmutzanteile sollten abgewaschen werden. Nach dem Abtrocknen wird das dem Ledertyp entsprechende Pflegemittel aufgebracht. Bei helleren Ledern sollten zweckmäßig saubere und ebenfalls helle Tücher verwendet werden, mit denen die Creme oder das Schaumprodukt aufgetragen wird. Der erste wichtige Vorgang ist dabei das Ablösen der auf dem Leder noch vorhandenen alten Pflegemittelreste. Damit wird verhindert, dass sich auf der Lederoberfläche zu dicke Wachsfilme aufbauen, die durch den darin noch enthaltenen Schmutz zusätzlich verhärten und dann vom Leder abplatzen.

Täschnerartikel, Lederbekleidung und Ledermöbel werden in größeren Zeitabständen gepflegt, worunter hier das Aufbringen von Pflegemitteln zu verstehen ist. Die Unterhaltsreinigung durch Abstauben, evtl. vorsichtiges Abreiben angeschmutzter Stellen mit einem mit handwarmem Wasser leicht angefeuchteten Tuch gehören zu den regelmäßigen Arbeiten.

Jede Pflege und vor allem der Einsatz der vorgesehenen Mittel sollte immer erst vorsichtig an einer Stelle des Gegenstandes aus Leder beginnen, die nicht äußerlich beim Gebrauch sichtbar ist. Die mechanische Einwirkung auf das Leder ist so gering wie möglich zu halten.

Die Behandlung mit dem geeigneten und bereits an diesem Leder getesteten Mittel erfolgt dann großflächig um Wolken- und Randbildungen zu vermeiden. Das Pflegemittel wird dazu nie direkt auf das Leder aufgegeben und dann verteilt, sondern unabhängig davon, ob es sich um eine flüssige Emulsion oder um ein Schaumprodukt handelt, immer zuerst in eine flache Schale geben und von dieser dann mit einem weichen, weißen Baumwolltuch auf das Leder aufgetragen. Auch hier wird die Oberfläche nach dem Abtrocknen abgerieben und eventuell auch leicht poliert.

Für die Möbelleder haben die Fachverbände in dem Merkblatt zur Pflege und Reinigung von Polstermöbeln Hinweise gegeben. Sie beziehen sich sowohl auf die Säuberung der Ledermöbel als auch auf die Fleckentfernung (Tabelle 43).

Möbelleder (Pflege und Reinigung):

Merke: Nicht mit Lösungsmitteln (Fleckentferner, Terpentin, Benzin) oder Schuhcreme, Bohnerwachs behandeln.

Anilinleder vor Sonne oder direkter Lichteinstrahlung unbedingt schützen.

Notwendige Vorprüfung:

Farbverhalten des Möbelleders an verdeckter Stelle prüfen durch Reiben mit einem weißen, weichen, sauberen Tuch, das mit den entsprechenden Pflege- und Reinigungsmitteln angefeuchtet ist. Wird das Tuch angefärbt, ist das Mittel ungeeignet.


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