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Oberleder allgemein

Oberleder allgemein

Schuhoberleder - Leder für den Schuhoberbau

Den größten Anteil an der Lederfabrikation kommt den Ledern für den Schuhoberbau zu, welche hinsichtlich des verarbeiteten Rohmaterials, Art der Gerbung und Zurichtung außerordentlich verschiedenartig sind. Neben Rindshäuten und Kalbfellen werden Ziegen- und Schaffelle, Roßhäute zu Oberleder verarbeitet. Von diesen Ledern verlangt man eine ausgeprägte Narbenbildung, eine besondere Weichheit und ausreichende Reißfestigkeit, daneben sollen sie einen gewissen Stand aufweisen und besonderen Anforderungen gegenüber Wasserdichtigkeit bei gleichzeitiger Luftdurchlässigkeit gerecht werden. Sie werden meistens in Chromgerbung, ein gewisser Teil auch in Loh- und Kombinationsgerbung, dem Handel angeboten.

Die für den Schuhoberbau in Frage kommenden Oberleder, gemeinsam mit allen dünneren Ledern zu den Leichtledern zählend, sind hinsichtlich verarbeiteten Rohmaterials, Art der Gerbung und Zurichtung außerordentlich verschiedenartig. Neben Rindshäuten und Kalbfellen werden Ziegen- und Schaffelle, Roßhäute und Schweinshäute, Kaninfelle, selbst Reptilhäute und Fischhäute zu Oberleder verarbeitet. Neben rein pflanzlich gegerbten Ledern, Fahlledern, lohgaren Kalbledern usw., haben rein chromgare Oberleder, Rindbox, Boxkalb, Chevreau usw. und auch die verschiedenst kombiniert gegerbten Leder hervorragende Bedeutung.


Jede Lederart hat ihre Vor- und Nachteile. Bei Chromoberleder ist die schönere Narbenbildung, die bessere Zurichtungsmöglichkeit allgemein und damit das bessere Aussehen, die größere Reißfestigkeit und Wärmebeständigkeit sowie die wesentlich kürzere Herstellungsdauer als Vorteil zu werten. Demgegenüber weisen pflanzlich gegerbte Oberleder den Vorteil auf, bei kaltem Wetter den Fuß wärmer zu halten, ohne einen heißen Fuß zu machen. Sie haben weiter den Vorteil, mit zunehmendem Feuchtigkeitsgehalt ihre Fläche nur verhältnismäßig wenig zu ändern, bei Zunahme der relativen Luftfeuchtigkeit von 0 auf 100% nur etwa 4-9 %, während Chromoberleder eine Flächenzunahme von etwa 10 - 19 % aufweist. Das wirkt sich praktisch dahin aus, dass ein Schuh aus Chromoberleder bei trocknem Wetter leicht drückt, bei nassem Wetter leicht zu groß ist, während solche Unterschiede bei pflanzlich gegerbtem Oberleder nicht auftreten. Für Schuhwerk, von dessen Träger besondere Marschleistungen verlangt werden, ist pflanzlich gegerbtes Oberleder vorzuziehen, für normales Straßenschuhwerk wird vornehmlich Chromoberleder eingesetzt.

Oberledertypen

Rindbox

Unter Rindbox, dem wichtigsten Oberleder, versteht man ein vollnarbiges, schwach gefettetes, gefärbtes Rindoberleder, das bei der Herstellung von Straßen- und schwerem Arbeitsschuhwerk Verwendung findet. Zu Rindbox werden im allgemeinen Kuh- und Rindshäute der leichteren Gewichtsklasse verarbeitet, die zur Schonung der Hautsubstanz nach einem kurzen Äscher nicht vollständig entkälkt und leicht gebeizt werden. Die Chromgerbung wird mit 2 - 2,5 % Cr2O3 durchgeführt. Die Lickerfettung soll ein mildgriffiges Leder ergeben mit 2 - 6 % Fettgehalt im Fertigleder. Die Färbung erfolgt entweder im Faß oder als einseitige Bürst- oder Spritzfärbung auf den getrockneten Ledern. Das früher glatte, vollnarbige, gedeckte Rindbox wird heute ergänzt durch Anwendung aller Zurichttechniken zur Verbesserung des Sortiments bei Rohware mit schadhaftem Narben. Polieren und Prägen spielen dabei eine große Rolle. Der Mode folgend wird Oberleder auch weicher gegerbt und stärker gefettet als Softy-Leder und für Bequem- und Sportschuhwerk tuchartig weich als Nappa hergestellt.

Waterproof-Leder

sind Rindoberleder, meist chromgar oder auch chrom-pflanzlich gegerbt, die durch eine besondere Fettung bzw. Hydrophobierung weitgehend wasserundurchlässig gemacht werden. Sie dienen als Oberleder vorwiegend für Sport- und Wanderstiefel, insbesondere auch für schweres Gebrauchsschuhwerk. Als Rohmaterial verarbeitet man mittelschwere Rind-, Kuh- oder Ochsenhäute.

Fahlleder

ist ebenfalls ein stark gefettetes Oberleder, das besonders für Arbeitsschuhe und schweres Strapazierschuhwerk gearbeitet wird.

Häute der Gewichtsklassen um 20 kg werden rein pflanzlich gegerbt und durch die Schmierfettung im Warmluftfass geschmeidig gemacht. Es kann sowohl die Narbenseite als auch die Fleischseite nach außen getragen werden, was besonders bei Berg- und Wanderschuhen zu sehen ist. Ein nachempfundenes Fahlleder, das sog. Falo-Leder, wird nach einer normalen Chromgerbung stark pflanzlich nachgegerbt und im Faß gefärbt. Fahlleder wird auch zu Taschen und Lederwaren verarbeitet.

Boxcalf

wichtigstes Chrom-Kalbleder mit schwarzer oder farbiger Zurichtung und natürlicher Narbung, wird aus Kalbfellen aller Gewichtsklassen hergestellt; es erfährt eine Schwöde und einen kurz gehaltenen Äscher zur Schonung der Hautsubstanz, anschließend eine normale Chromgerbung mit einer Fettlickerung auf einen Fettgehalt des Fertigleders von etwa 2 - 6 %. Gefärbt wird es mit sauren oder Substantiven Anilinfarbstoffen im Faß bei erhöhter Temperatur, zugerichtet wird es meist im Glanzstoß-Verfahren.

Boxcalf, sowohl schwarz als auch in allen Modefarben, gilt als besonders elegantes und dauerhaftes Oberleder für leichte Straßenschuhe, sowohl für Herren- als auch Damenschuhe.

Schleifbox

Unter Schleifbox versteht man ein Rind-Oberleder, das nicht mit der natürlichen Narbenstruktur verarbeitet werden kann. Nach geeigneten Nachgerbverfahren, wobei die pflanzlichen Gerbstoffe und Harzgerbstoffe eine wesentliche Rolle spielen, wird das getrocknete Leder auf dem Narben gleichmäßig angeschliffen. Die Zurichtung schließt das Leder wieder ab und gibt ihm den erforderlichen Gebrauchswert. Schleifbox ist eine wichtige Lederart zur Verwendung von Untersortimenten.

Velourleder für Schuhoberleder

Für die Herstellung dieses chromgaren Schuhoberleders von tuchartigem Aussehen mit weichem und mildem Griff kommen meist kleinere, narbenbeschädigte Kalbleder, deren Fleischseite velourartig geschliffen ist, zum Einsatz. Wasserwerkstatt-Arbeiten und Gerbung werden dem angepasst. So wird bei der Chromgerbung meist etwas mehr Chromoxid eingelagert, um die Färbbarkeit günstiger zu gestalten. Ziel ist hierbei eine vollkommene Durchfärbung des Leders in seiner Gesamtdicke.

Nubukleder

Im Gegensatz zu dem auf der Fleischseite geschliffenen Velour wird bei Nubuk der Narben so fein angeschliffen, dass er einen samtartigen Charakter erhält. Für diese mechanische Zurichtung kommen nur leichtere Rindshäute und schwerere Kalbfelle, ähnlich wie Rindbox, rein chrom- oder komb. gegerbt, in Betracht, deren Narben rein und fehlerfrei sind. Bei der Herstellung von weißem Nubuk wendet man vielfach Kombinationen von Aluminium und Chromgerbstoffen, evtl. unter Mitverwendung von Aldehyden oder synth. Gerbstoffen, an.

Chevreau-Leder

Als das edelste Leder zur Herstellung von feinem Schuhwerk gilt das Chevreau, ein rein chromgegerbtes Ziegenleder, das besonders durch eine weiche geschmeidige Beschaffenheit mit einem feinen Narben ausgezeichnet ist. Das Ausgangsmaterial hierfür, vorwiegend getrocknete Felle, verlangt eine sorgfältige Weiche und wird nach der Haarlockerung, dem Entkälken und Beizen, chromgegerbt.

Chevrette-Leder

Dem Chevreau nachgeahmt ist das aus Schaffellen ebenfalls in Chromgerbung hergestellte Chevrette-Leder, ein weniger gutes, wesentlich lappigeres und nicht so festes Oberleder, das meist für die Herstellung von leichtem Schuhwerk vorgesehen ist.

Roß-Chevreau-Leder

Einen Ersatz für Rindbox und echtes Ziegenchevreau-Leder bildet das chromgare, mitunter auch komb. gegerbte Roßoberleder, Roßbox oder Roßchevreau genannt. Die Eigenart der in ihrer Struktur unterschiedlich aufgebauten Rohhaut bedingt eine besondere Bearbeitung einerseits des Rückenteils, Roßschild oder Roßspiegel genannt, andererseits der Halspartie. Folgemäßig erhalten Roßspiegel infolge ihrer dichteren Struktur einen intensiveren Äscher und ebenso eine intensivere Gerbung gegenüber den Roßhälsen.

Lackleder

Lackleder wird vorwiegend für die Herstellung von Schuhwerk sowie modischen Galanteriewaren benötigt. Die Zurichtung dieser Lederart, die gegenüber der üblichen Oberlederzurichtungsart bestimmte Fertigkeiten verlangt, nimmt man vorwiegend auf Rind- und Kalbleder, vereinzelt auch auf Ziegenleder vor, so deshalb auch die Bezeichnung von Rind-, Kalb- und Chevreaulack.

Das echte Lackleder stellt man nach den Zurichtformeln des Kaltlackverfahrens (heute ausschließlich auf PU-Basis), seltener nach dem Warmlackverfahren her, wobei bei ersterem eine erweiterte Dehnfähigkeit und eine verringerte Empfindlichkeit gegen Temperaturunterschiede des Lackes gewährleistet sind. Eine Besonderheit stellt Crush- oder Knautschlack dar. Dabei wird die sonst beim Lackleder glatte Oberfläche während der Zurichtung gebrochen, das Leder bekommt ein knautschiges Aussehen.

Reptilleder

Für die Schuhherstellung haben die aus Eidechsen und Schlangen sowie aus den Bauchteilen der Krokodilhaut hergestellten ausgesprochenen Luxusleder eine geringe Bedeutung. Sie erfahren insgesamt eine sorgfältige Behandlung, angefangen in der Wasserwerkstatt, weiter auch in der Gerbung im Hinblick auf den Erhalt ihrer charakteristischen natürlichen Pigmentierung ihrer Narbenoberfläche. (Arteigene Charakteristik durch Hautzeichnungen, Ausbildung der Schuppen und Verhornungen der Kämme und Schwänze).

Spaltoberleder

Besondere Bedeutung im praktischen Einsatz als Schuhoberleder kommt dem Spaltoberleder zu. Bei der Herstellung großflächiger Leder wie Rindbox, Vachetten u. ä. gewinnt man brauchbare Fleischspalte, die bei ausreichender Festigkeit chrom- oder pflanzlich gegerbt werden und nach entsprechender Behandlung durch Färben, durch Grundieren mit Appreturen, Deckfarbenzurichtung, evtl. auch durch Narbenpressen zu gut einsetzbarem Oberleder verarbeitet werden können.

Schweinsoberleder

Das Schweinsleder wird nur in unbedeutendem Maße für die Herstellung von Schuhen herangezogen, in der Hauptsache findet es Verwendung für Handschuh-, Täschner-, Koffer- und Portefeuille-Leder. Nach vorheriger Entfettung, anschließendem Schwöden mit mehrtägigem Weißkalkäscher, nach langer Beize, werden alsdann die Häute Je nach der herzustellenden Lederart entweder in reiner Chromgerbung, in reiner pflanzlicher Gerbung oder in komb. chrom-pflanzlicher Gerbung mit entsprechender Zurichtung ausgearbeitet. Fertige Leder dieser Art zeichnen sich durch Geschmeidigkeit und Festigkeit, sowie durch ihren charakteristischen Narben aus. Die Lederindustrie bezieht die Schweinshäute teilweise aus Osteuropa und teilweise als Wildhäute aus Übersee. Der Handel konzentriert sich auf Wet-blue und fertige Leder.


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