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Nappaleder

Definitionen und Bezeichnungen

Nappaleder - Anilin, Semianilin und pigmentiert

Als Nappaleder werden alle Lederarten für verschiedene Verwendungszwecke bezeichnet, die verglichen mit ihrer traditionellen Lederart für den jeweiligen Verwendungszweck, den weicheren geschmeidigeren Ledertyp darstellen. So findet man Nappaleder ausgehend von unterschiedlichen Basishärten oder Basisweichheiten wie z.B. Oberledernappa, Möbelledernappa und Polsterledernappa, Bekleidungsledernappa und Handschuhledernappa als die wichtigsten Vertreter der Nappaleder.

Ein besonderes und unverwechselbares Merkmal dieser unterschiedlich weichen Nappalederarten ist deren Narbenunversehrtheit, d.h. die Vollnarbigkeit und Vollständigkeit des Narbens bzw. der natürlichen Porung. Die Veränderung, bzw. Dezimierung oder Aufrauung des Narbens/natürliche Porung durch unterschiedliche Maßnahmen ist unzulässig für die Bezeichnung als Nappaleder. Die Bezeichnung Nappaleder hat keinen Einfluss auf die Menge der Pigmentierung (Einschränkung oder Obergrenze ist definiert in RAL 060-A2, „Abgrenzung des Begriffes Leder gegenüber anderen Materialien, Bezeichnungsvorschriften“) und der Transparenz des jeweiligen Nappaleders. Die Transparenz, d.h. die Sichtbarkeit der natürlichen Porung/Narbung wird mit der Zusatzbezeichnung Anilin, Semianilin und pigmentiertes Leder geregelt und lässt in allen Fällen die Zusatzbezeichnung Nappa zu.

Daraus kann beispielsweise Anilinleder „Nappaleder naturbelassen“, Semianilinleder „Nappaleder leicht pigmentiert“ oder pigmentiertes Leder „Nappaleder pigmentiert“ resultieren. Darum wird in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit der Existenz des Narbens im Besonderen deutlich. Die Zulässigkeit der Bezeichnung Anilinleder oder Nappaleder naturbelassen, als ein durchgefärbtes Leder, dessen natürliche Porenstruktur (Narbenbild) deutlich und vollständig erkennbar ist, wird dadurch unmissverständlich klar und schließt das Fehlen des Narbens definitiv aus. Anilinleder oder Nappaleder naturbelassen kann einen nicht pigmentierten Oberflächenüberzug aufweisen, der aber keinesfalls zur Abdeckung oder Einschränkung der Sichtbarkeit der natürlichen Porenstruktur (Narbenbild) führt. Die Bezeichnung Semianilinleder oder Nappaleder leicht pigmentiert basiert ebenfalls auf der Narbenunversehrtheit, d.h. auf der Vollnarbigkeit und Vollständigkeit des Narbens, bzw. der natürlichen Porung, lässt aber die teilweise Abdeckung durch z.B. Pigmente zu, so dass die unversehrte natürliche Porenstruktur zumindest deutlich erkennbar bleibt. Das pigmentierte Leder oder Nappaleder pigmentiert basiert ebenfalls auf der Narbenunversehrtheit, d.h. auf der Vollnarbigkeit und Vollständigkeit des Narbens, bzw. der natürlichen Porung, lässt aber die totale und vollständige Abdeckung durch z.B. Pigmente zu, so dass die unversehrte natürliche Porenstruktur zwar unter dieser Schicht unangetastet vorhanden ist, aber durch die Oberflächenbehandlung nicht mehr sichtbar ist. Die Notwendigkeit einer Prägung zur Gestaltung der Oberfläche nimmt zwar mit steigendem Pigmentanteil und dadurch steigender Abdeckung des Narbens/der natürlichen Porung zu, kann aber unabhängig von den Bezeichnungen Nappa, Anilin, Semianilin oder pigmentiert vom Kunden gewünscht, bzw. ausgeführt werden.

Ein ebenfalls unverwechselbares Merkmal aller Nappaleder ist die erforderliche Durchfärbung, die sogar beim Oberledernappa üblich ist. Darum ist in der Fachsprache das Nappaleder seit Erfindung der Chromgerbung fest mit der Durchfärbung verankert. Ausnahme sind nur die Nappaleder, deren ungefärbter Lederquerschnitt Ton in Ton mit zugerichteten, oder mit naturbelassenen Oberflächen übereinstimmt. Die Einhaltung dieser Richtlinien und des fachlichen Grundsatzes, bzw. der beruflichen Gepflogenheit, schützt den Kunden nach einer leichten bis schweren oberflächlichen Beschädigung seines Nappaleders vor zu starken farblichen Unterschieden und erweckt dadurch den Eindruck eines zähen und strapazierfähigen Leders mit hoher Qualität. Die Notwendigkeit der Chromgerbung bei einem Nappaleder ist nicht gegeben, wenn die zuvor erwähnten Eigenschaften des Nappaleders in der Gesamtheit auch auf die chromfreie Variante zutreffen und eingehalten werden.

Da die Nappalederproduktion ihren traditionellen Ursprung in der Erfindung und Anwendung der Chromgerbung als Gerbstoff, bzw. Nachgerbstoff auf Glacé – vegetabil kombiniert gegerbten Handschuhledern (Dongola) – erfahren hat, ist es ebenso eine fachlich begründete Tradition, also Usus die chromfreien Nappavarianten auch als „chromfreie Nappaleder“ zu bezeichnen. Es ist nicht nur von besonderer Wichtigkeit den Kunden über die Chromfreiheit des Nappaleders zu informieren, sondern auch das fachliche Empfinden warenehrlich auf die chromfreie Nappavariante hinzuweisen. Letzteres geschieht allerdings ausschließlich freiwillig in Form der Anerkennung fachlich begründeter Regeln und des Respekts vor einer ursprünglich handwerklichen Gemeinschaft des Berufsstandes.

Double Face, Nappalan, bzw. nappierte Leder

Oft werden Lammfelle oder andere Pelzfelle zusätzlich auf der Fleischseite bearbeitet. Geschieht dies mit einem Feinschliff spricht man von einem Pelzvelour. Die Tatsache, dass nun 2 Seiten des Felles genutzt werden lässt schon die Bezeichnung „Double Face“ zu. Leder mit 2 gebrauchsfähigen Seiten kann daher als „Double Face“ bezeichnet werden.

Wird die Fleischseite des Leders zugerichtet oder mit Hilfsmitteln so verändert, dass ein eher nappaähnlicher Eindruck entsteht, spricht man von Nappalan. Nappalan kann also das Aussehen eines Nappaleders vermitteln, grenzt sich aber klar durch eine eigene Bezeichnung davon ab. Nappiert werden können alle Leder, die keine Narbenseite oder keine vollständige Narbenseite besitzen, weil diese z.B. durch Schleifen, Anrauen, Falzen oder Spalten verändert oder entfernt wurden und darum nicht mehr vollnarbig, also nicht mehr vollkommen im Narben erhalten sind. Auch die Fleischseite oder die Spaltseite kann daher zur Nappierung verwendet werden.

Die Beschaffenheit nappierter Oberflächen kann sehr unterschiedlich sein. So gibt es Qualitäten mit einem nahezu geschlossen Zurichtfilm oder geschlossen wirkender Oberflächenbehandlung (Oberflächenüberzug), die sich auch im Gebrauch nicht verändern sollen und diesen geschlossenen „Nappacharakter“ langfristig bieten sollen. Diese Qualität wird als „geschlossenes Nappalan“ bezeichnet und soll auch im Gebrauch möglichst lange geschlossen bleiben. Das „offene Nappalan“ hingegen kann im Neuzustand durchaus geschlossen oder teilweise geschlossen wirken und im Gebrauch wieder eine raue, ja sogar eine velourartige oder nubukartige Oberflächenbeschaffenheit aufweisen. Diese Veränderung des gewollt offenen Nappalan geschieht meist an exponierten Stellen wie Säumen, Kanten oder auch Flächen, die im Gebrauch einer stärkeren Verdehnung und Scheuerbeanspruchung ausgesetzt sind, wie bei Taschen, Knopfleisten oder Ärmeln. Der Kunde muss im Verkaufsgespräch auf die Besonderheiten dieses Materialtyps hingewiesen werden. Das bedeutet, der Kunde muss wissen, dass es sich bei diesem als Nappalan bezeichneten Leder um eine nappierte, mehr oder weniger glatt aussehende nappaartige Oberfläche handelt, die Gebrauchsseite aber nicht „wirklich“ vollnarbig ist und dass sich unter der Nappierung eine mehr oder weniger raue, velourartige/ nubukartige Oberseite/Gebrauchsseite befindet. Die Gebrauchsseite kann im Gebrauch entweder sehr schnell rauer werden (offenes Nappalan) oder erst nach einer gewissen Zeit diesen Effekt aufweisen (geschlossenes Nappalan).

Geschichtliches

Über die Entstehung des Begriffes Nappaleder gab es in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Geschichten. Jedenfalls wahr ist das Nappaleder schon immer da war und in Gerbereien im Kalifornischen Nappavalley produziert wurden. Aber berühmt und für besondere Lederarten verwendet wurde der Begriff Nappa erst nachdem etwas völlig Neues gemacht wurde.

Glacé Leder

Die amerikanischen Gerber erzeugten dort ein Glacé Leder welches mit Mehl, Eigelb und Alaun produziert wurde. Mehl diente als Füllmittel, Eigelb als Fettungsmittel und Alaun als „Gerbstoff“ mit schwacher Vernetzung des Kollagens. Diese fast weißen Glacé Leder zeigten eine extreme Weichheit und geschmeidigkeit. Lamm- und Schaf- sowie Ziegen-, Kälber- und Schweinshäute wurden zu Glacéleder verarbeitet. Diese Gerbung ist als nicht stabil und auswaschbar zu bezeichnen und darum waren Verschmutzungen oder Feuchtwerden problematisch und führte oft zu einer mehr oder weniger starken Entgerbung. Diese Glacé Leder wurden darum oft mit pflanzlichen hellgerbenden Gerbmitteln zusätzlich nachgegerbt. Die helle Eigenfarbe und die weichen Eigenschaften dieser Glacé Leder sollte möglichst nich verändert werden. Solche nachgegerbten Glacé Leder werden auch Dongola Leder, Mocha Leder oder Chair Leder genannt.

Dongola Leder (Mocha Leder, Chair Leder)

Als Basis dieser Dongola Leder, Mocha Leder oder Chair Leder dienten die Glacé Leder. Der Nachgerbstoff war meist Gambir oder Sumach. Die Eigenfarbe der ursprünglich weißen Glacé Leder war nun grauer oder grüner. Das diese Leder nun wasserbeständiger waren konnten diese Leder auch gefärbt werden. Die Farbechtheiten waren dennoch gering.

Das 1. Nappaleder

Amerikanische Gerber hatten vom Braunschweiger Professor Knapp (Friedrich Ludwig Knapp, 22. Februar 1814 in Michelstadt geboren; 8. Juli 1904 in Braunschweig gestorben, deutscher Chemiker) und seiner Erfindung im Sinne der technischen Anwendbarkeit von Chrom als Gerbstoff gehört und beschlossen die neue Idee aufzugreifen. Ausschlaggebend dafür muss die Arbeit 1858 „Über die Natur und das Wesen der Gerberei und des Leders“ von Professor Knapp gewesen sein. Zunächst trauten man der alleinigen Gerbwirkung von Chrom nicht und gerbte bestehende Dongolaleder nochmals mit Chrom nach. Das Ergebnis war beeindruckend ! Die Leder waren erstaunlich 100 % wasserbeständig und färbbar. Farbstoffe bluteten nicht mehr aus und das Leder konnte gewaschen werden.


Chromgerbstoffe und Chromgerbung

1948 aus Stather Gerbereichemie und Gerbereitechnologie, Seiten 327,328

Nur selten hat die Einführung eines neuen Erzeugungsverfahrens auf irgendeinem Gebiete der angewandten Technik die gesamte wirtschaftliche Struktur des berührten Gebietes so grundsätzlich verändern können wie die Einführung des Chromgerbverfahrens in die Ledererzeugung, nur selten hat ein in seinen Grundprinzipien erkanntes Verfahren so lange Zeit bis zu seiner wirklichen technischen Ausnutzung benötigt wie die Chromgerbung. Die Chromgerbung war es, die die wirtschaftliche Umwandlung von der handwerklichen Gerberei zum industriellen Ledererzeugungsbetrieb und Großbetrieb mit seiner umfangreichen maschinellen Ausrüstung ermöglichte, die Chromgerbung war es, die die bis dahin neben etwas Alaungerbung und Fettgerbung dominierende Methode der pflanzlichen Gerbung in ihrer Bedeutung beträchtlich zurückdrängte. Dem deutschen Technologen F. Knapp gebührt die Ehre, die gerbende Wirkung der dreiwertigen Chromsalze entdeckt zu haben. Aus seiner 1858 veröffentlichten klassischen Arbeit „über die Natur und das Wesen der Gerberei und des Leders“ ist ersichtlich, daß er bereits wußte, daß die normalen Chromsalze als Gerbmittel wenig geeignet sind, daß er die wesentlichen Bedingungen und Eigenschaften einer brauchbaren Chromgerbbrühe, die Notwendigkeit der Anwesenheit des Chromgerbsalzes in basischer Form und auch die Bedeutung des Neutralsalzgehalts kannte. Daß seine Arbeit keinen praktischen Erfolg hatte, hat seinen Grund in der Tatsache, daß das Problem der Chromgerbung nicht nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten gelöst werden konnte, vielmehr für diese dem vorherrschenden pflanzlichen Gerbverfahren ganz wesensfremde Gerbungsart erst neue Einzelprozesse der Fettung, der Zurichtung und. vor allem der maschinellen Ausrüstung geschaffen werden mußten. Die erste praktische Anwendung eines Chromgerbverfahrens in großwirtschaftlichem Maßstab ermöglichte das 1884 dem Amerikaner A. Schultz 1) patentierte Verfahren der sogenannten Zweibadchromgerbung, d. h. der Behandlung der Blöße mit Chromsäurelösung und nachfolgender Reduktion der aufgenommenen Chromsäure zu gerbendem basischem Chromsalz. Die Einführung der Einbadchromgerbung mit dreiwertigen Chromsalzen in die Praxis in Anlehnung an die grundsätzlichen Erkenntnisse Knapps gelang nach langjährigen, wenig erfolgreichen Versuchen 1893 M. Dennis 2). Auf den inzwischen gesammelten praktischen Erfahrungen mit der Zweibadgerbung aufbauend, könnte das Einbadchromgerbverfahren bald das Zweibadverfahren fast völlig verdrängen. Die Entwicklung und Verbreitung der Chromgerbung in Europa fand in H. R., Procter einen eifrigen Förderer, auf dem auch die Einführung des als Nebenprodukt der Alizarinfabrikation billig zur Verfügung stehenden Chromalauns als Chromgerbmittel zurückzuführen ist. (geschichtlicher Überblick 1948) 1) Amerikanisches Patent 291784 2)Amerikanisches Patent 495028


Nappaleder heute

Nappaleder ist darum mit Beginn der 1. industriellen Fertigung als chromgegerbtes vollnarbiges Leder zu bezeichnen.Die narbenseitige Lederoberfläche darf nicht in Form von Verjüngung, Abtragung, Schleifung verändert oder reduziert werden. Die Haarporen / Narben muss vopllständig erhalten bleiben. Nappaleder kann für jede Ledergruppe existieren und stellt die jeweils weichere Variante als chromgegerbte Variante dar. Typische Nappaleder sind die Bekleidungsnappa, Handschuhnappa, Polsternappa und Oberledernappa. Aber auch die Tierart kann mit dem Begriff Nappa verbunden sein. So darf ein vollnarbiges, chromgegerbtes Leder aus den Häuten des Rindes auch Rindnappa, Kalbshäute als Kalbnappa und z.B. Lammhäute als Lammnappa etc., bezeichnet werden.






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