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Möbelleder und Polsterleder

Die Leder dieser Art sind nach den heutigen Vorstellungen großflächig, sehr weich und geschmeidig. Sie weisen aber in Erweiterung des Begriffes der Vachette - als aus dem Narbenspalt einer Rindhaut hergestellter Leder - vom 0,8mm dicken Narbenleder bis zum ebenfalls weichen Rindleder in seiner vollen Dicke alle Übergänge auf. Ebenso finden auch Spaltvelourleder Anwendung auf diesem Sektor.

Als Rohware zur Herstellung von Möbelledern werden im wesentlichen Bullenhäute der schwereren Gewichtsklassen, aber auch Kuhhäute eingesetzt. So war die Entwicklung zum heutigen Möbelleder von der Rohware her an den erhöhten Fleischkonsum gebunden, der die schnelle Aufzucht der Bullenkälber erforderte. Die Struktur dieser großflächigen Häute (bis zu 7 m²) ist weitestgehend gleichmäßig, sie sind gut gestellt und entsprechen damit nicht mehr der überlieferten Vorstellung der klassischen (Zucht-)Bullenhaut. Daneben spielen in geringem Umfang Büffelhäute eine Rolle, die mit ihrem gröberen, aber charakteristischen Narbenbild dem Verbraucher das Aussehen von Naturmerkmalen im Leder - wie verheilte Risse, Hornstöße, Zeckenbiss usw. - näher gebracht haben. Das Verständnis für naturgewachsenes Material wurde damit wesentlich beeinflusst. Häute und Felle anderer Herkunft werden nur selten verwendet, wie z. B. die Haut des Hausschweines.

Von den wichtigen Herstellungsgängen bei der Verarbeitung der Rindhäute zu Möbelleder ist als erstes das Spalten der geäscherten Blöße hervorzuheben. Die Haut muss horizontal über ihre gesamte Fläche gespalten werden. Dieser Narbenspalt wird zur Erzielung der geforderten Weichheit einem Nachäscher unterzogen und der Narben besonders bei einer vorgesehenen Anilinleder- Herstellung durch die Beizbehandlung sowie oft durch ein mechanisches Streichen tiefgehend gesäubert.

Die Grundgerbung erfolgt häufig mit Chromgerbstoffen oder chromfrei mit synthetischen oder pflanzlichen Gerbstoffen, an die sich jeweils Nachgerbungen anschließen können. Diese weiteren Arbeiten dürfen die alles überragende Forderung nach der Weichheit und Griffigkeit ebenso wenig nachteilig beeinflussen wie die durch die Mineralgerbung oder mineralsalzfreie Gerbung erhaltene Lichtechtheit des Substrates Leder. Die Durchfärbung erfolgt in der Flotte mit der Farbstoffeinstellung, die dem Anilinleder die alleinige Farbe gibt bzw. bei zugerichteten Ledern die Grundeinfärbung bildet. Nubukleder und Velourleder werden vor dem Färben zwischengetrocknet und geschliffen. Neben der Chromgerbung hat als weitere Gerbungsart der alleinige Einsatz pflanzlicher Gerbstoffe oder in Kombination mit synthetischen Gerbstoffen bei der Polsterlederherstellung nur ledermengenmäßig eine geringere Bedeutung. Die dabei erhaltenen ebenfalls weichen Vachetten werden für Flachpolster und bespannte Modelle eingesetzt. Sie weisen aufgrund der gewählten Gerbart eine größere Formstabilität auf.

Je nach Sortiment, Narbenreinheit, Modellvorstellung des Möbelherstellers und auch nach den Verbraucherzielgruppen werden die Leder im Anilinzustand fertiggestellt oder mit Zurichtungen vom Semianilin bis zum gedeckten Leder versehen. Dabei werden immer die für die Kontaktnahme durch den Verbraucher wichtige Natürlichkeit, Weichheit und die Wärmeausstrahlung der Oberfläche im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang spielt das Millen der Leder im rotierenden Fass eine wichtige Rolle in der abschließenden Fertigstellung. Die Lederoberfläche erhält dadurch die feinsten Falten zurück, wie sie am naturgewachsenen Material ursprünglich vorhanden waren.


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Quellenangabe:

lederarten/moebelleder_und_polsterleder.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 12:00 (Externe Bearbeitung)